Das Schloss des Fürsten zu Fürstenberg ist sicher das dominanteste Gebäude im Ort hoch über dem Bodensee. Viele Touristen kommen deshalb nach Heiligenberg. Und manche machen einen kleinen Abstecher zu dem schmucken Gebäude gegenüber des Sennhofs. „AllerArt Kunst & Werk“ steht da auf einem Schild zu lesen und wer einen Blick durch die Fenster wirft, der wird so richtig neugierig.

Es ist immer etwas los bei AllerArt

„Eigentlich ist immer was los bei uns“, sagen Francesca Kieser-Schairer und Hellmut Urban, als der SÜDKURIER einen Blick in die hellen Räume wirft, wo auf zwei Stockwerken Kunst und Kunsthandwerk ausgestellt sind. Die Vielfalt besticht und die ehemalige Remise, die auch viele Jahre als Lagergebäude für Holz diente, ist ein echtes Schmuckstück. Und das gleich im mehrfachen Sinn.

Immer wieder gibt es in der alten Remise Neues zu entdecken. Deshalb kommen Interessenten auch immer wieder.
Immer wieder gibt es in der alten Remise Neues zu entdecken. Deshalb kommen Interessenten auch immer wieder. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Hier kann man schöne Dinge bestaunen, kann Gespräche führen und auch einfach mal „runterkommen“ vom Alltagsstress. Zu verdanken hat man dies alles einer Künstlergemeinschaft. Sie erfüllt die ehrwürdigen Mauern mit Leben und Farbe, hat bei der Sanierung sehr viele Ideen eingebracht „und funktioniert einfach“, wie Kieser-Schairer und Urban aus voller Überzeugung sagen. Weder ein Verein noch eine Betriebsform nach dem Gesellschaftsrecht sind nötig. Entstanden ist das Ganze aus einer Notwendigkeit und auch aus der Idee, gemeinsam etwas Kreatives auf die Beine zu stellen.

Kreatives aus vielen Genres kann man in Heiligenberg entdecken.
Kreatives aus vielen Genres kann man in Heiligenberg entdecken. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Hellmut Urban (73) gehört zu den Mitinitiatoren und ist seit Anfang an mit dabei. “Ich kam mit der Familie vor 33 Jahren nach Heiligenberg und hatte meine Batikkunst betrieben“, erinnert er sich. Dann kam die Idee, dass kreative Köpfe sich zusammentun und einmal in der Öffentlichkeit darstellen. Im damaligen Festsaal fand der erste Kreativtag statt und es waren hauptsächlich Instrumentenbauer, Maler und Bildhauer, die sich präsentierten.

Kreatives und soziales Experimentierfeld

Im Laufe der Zeit kamen andere Bereiche dazu. Dann gab es eine Pause. Mittlerweile hatte die Gemeinde den alten Sennhof erworben. Künstler Klaus Terrheiden nahm Urban „ins Gebet“ und stellte fest: „Wir machen was.“ Man brauchte Räume für alles Mögliche. Arbeitswerkstätten sollten entstehen und dazu ein kreatives und soziales Experimentierfeld. Dafür sollte der alte Sennhof dienen. Die Gemeinde stimmte der Zwischennutzung zu. „Wer hier war und da Anschluss suchte, der war begeistert“, erinnert sich Urban. Jetzt hatte man winterfeste Räume mit Strom, Wasser und Heizung. Es war aber auch eine Win-Win-Situation. Die Künstler übernahmen die Nebenkosten und die Gemeinde war froh, dass die Räume genutzt wurden.

Dann wurden die Räume fürs Publikum geöffnet

Dann kam die Öffnung fürs Publikum. Es gab Theater und Ausstellungen. Schon damals war es eine freie Künstlergemeinschaft, die alles miteinander organisierte. Dann kam der Umbau des Sennhofs. „Wohin nun?“, lautete die Frage. Musste das Projekt begraben werden? Eben nicht. Auch jetzt war es wieder die Gemeinde, die Unterstützung angeboten hat. In Zusammenarbeit mit den Künstlern wurde aus dem Holzlager das, was heute Menschen aus der ganzen Region anzieht. „Wir sind jetzt 14 Jahre hier drin“, stellt Francesca Kieser-Schairer fest, die für die Kontakte zur Gemeinde zuständig ist und noch ein paar andere Dinge erledigt, aber „nichts Besonderes“ ist, sondern ein Mitglied der Künstlergemeinschaft wie andere auch. Alle haben die gleichen Rechte und Pflichten und jedes Wort hat das gleiche Gewicht.

Es ist immer was los in der ehemaligen Remise, wo längst die Kreativität Einzug gehalten hat.
Es ist immer was los in der ehemaligen Remise, wo längst die Kreativität Einzug gehalten hat. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Dass so etwas funktioniert, das dürfte sicher ungewöhnlich sein und „dass wir anfangs belächelt wurden“, wie Hellmut Urban schmunzelnd sagt, das gehört einfach dazu, wenn man neue Formen der Zusammenarbeit ausprobiert. In Heiligenberg funktioniert es bestens. Einmal im Monat trifft man sich und bespricht anstehende Fragen und das zusätzliche Programm wie die so beliebten Jazz-Mattinées. Selbstverständlich gehen die Meinungen da auch mal auseinander, aber man einigt sich dann auf eine gemeinsame Linie. Miete und Nebenkosten werden geteilt und der Dienst in der Ausstellung ebenso. Das trifft jeden etwa zwei Tage im Monat.

Die sonntäglichen Mattinées finden im Sommer mehrmals statt. Dann wird es zwischen Sennhof und AllerArt so richtig musikalisch. Hier mit dem "Trio Cajon".
Die sonntäglichen Mattinées finden im Sommer mehrmals statt. Dann wird es zwischen Sennhof und AllerArt so richtig musikalisch. Hier mit dem "Trio Cajon". | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Wer Dienst hat, der ist auch für den Verkauf zuständig. Die Verkaufserlöse stehen den jeweiligen Künstlern und Kunsthandwerkern zu. Es sind alles Kreative, die eine Ausbildung für ihre Tätigkeit haben. Man ist bemüht, ein bestimmtes Niveau zu halten. Und das scheint auch die Kundschaft zu schätzen, die bis aus der Schweiz immer wieder nach Heiligenberg kommt, weil bekannt ist, dass es hier extravagante Sachen gibt. Doch klar ist auch: Ohne die Unterstützung der Gemeinde ginge das alles nicht. Für Francesca Kieser-Schairer ist das „echt beeindruckend“ und nicht die Regel.

Geöffnet ist übrigens das ganze Jahr und jeden Tag durchgehend von 11 bis 18 Uhr.