Heiligenberg – Nicht nur als Abkühlung bei Hitze ist das Schwimmen eine beliebte Freizeitbeschäftigung, sondern auch als Sport. Doch es muss nicht immer im Schwimmbad sein. "Es ist ein Kampf gegen die Natur", sagt Daniel Schwarz und meint damit das Wildwasserschwimmen. Da ist der 33-Jährige mehrfacher Deutscher Meister gewesen. Das Höhenfreibad in Heiligenberg ist kein Fließgewässer und man zieht hier eher gemächlich seine Runden. Außer man will das Kraulen erlernen: Dann zeigt Daniel Schwarz, wie das geht.

Zwei Kilometer dem Wildwasser trotzen

Ein Bild von der internationalen deutschen Meisterschaft der Wildwasserschwimmer 2014 bei Roppen in Österreich: David Schwarz kämpft sich durch den reißenden Fluss. Bild: DSV
Ein Bild von der internationalen deutschen Meisterschaft der Wildwasserschwimmer 2014 bei Roppen in Österreich: David Schwarz kämpft sich durch den reißenden Fluss. Bild: DSV | Bild: Deutscher Schwimm-Verband

Seit 25 Jahren betreibt der studierte Sportlehrer und Absolvent der Polizeihochschule Leistungssport. Und es war schon immer das Schwimmen, das es ihm angetan hatte. Zwischendrin hat er auch mal Triathlon gemacht, die Kombination aus Laufen, Schwimmen und Radfahren. Aber das Wasser allein, das ist es, was ihn nicht loslässt. Als er einmal Wildwasserschwimmen gesehen habe, sei er fasziniert von dieser Disziplin gewesen, erzählt er. 2011 hat er das Bodyrafting, wie diese Schwimmdisziplin heißt, richtig für sich entdeckt. "Da spürst du die Kraft des Wassers hautnah und es ist ein faszinierendes Erlebnis. Wenn es auch wirklich sehr viel Kraft kostet", sagt Daniel Schwarz. Da habe man, im Neoprenanzug und mit Helm, nur einen Gegner: den wilden Fluss mit seiner Urgewalt. Daniel Schwarz hat das Wasser gleich mehrfach bezwungen. Viermal wurde er Deutscher Meister. Zwei Kilometer waren die Strecken im Durchschnitt lang und geschwommen wurde in Österreich. Den letzten Pokal gab es 2014. Keine Lust mehr? "Schon", sagt der Schwimmer. Aber der Deutsche Schwimmverband habe das Wildwasserschwimmen nicht mehr im Programm. Doch nicht deshalb ist Schwarz in Heiligenberg.

Kraulen als schnellste Schwimmart

Er hat irgendwann erkannt, dass viele Menschen nur das Brustschwimmen beherrschen. Das finde er schade, sagt er. Schließlich sei Kraulen die schnellste Schwimmart, weil durch den wechselseitigen Armzug und den kontinuierlichen Beinschlag ein Antrieb ohne Unterbrechung erzeugt werde. Und die Körperhaltung sei deutlich natürlicher als beim Brustschwimmen. Da könne man ein Ziehen im Nacken bekommen, weil man den Kopf immer wieder aus dem Wasser strecken müsse. Und auch die Beintechnik entspreche keiner natürlichen Fortbewegungstechnik. 
 

Video: Karl-Heinz Fahlbusch

Kraulen ähnelt dem kindlichen Schwimmen, das oft als "Hundepaddeln" bezeichnet wird. In den USA beginnt der Schwimmunterricht mit dieser Schwimmtechnik, während in Deutschland überwiegend zuerst das Brustschwimmen erlernt wird. Der Deutsche Schwimmverband (DSV) und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) empfehlen aber das Kraulschwimmen als Schwimmart, die man zuerst lernen sollte.

Max Müller aus Überlingen will kraulen lernen

Daniel Schwarz (links) bringt Max Müller das Kraulschwimmen bei.
Daniel Schwarz (links) bringt Max Müller das Kraulschwimmen bei. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Das ist meistens nicht der Fall. Und so gibt es noch immer viele Erwachsene, die gern das Kraulen beherrschen würden, aber es nie gelernt haben. So wie Max Müller aus Überlingen. Der 68-Jährige wollte schon seit Jahren das Kraulen lernen. "Ich kann nur Brust, aber das ist mir etwas zu langsam", sagt er und kommt gern nach Heiligenberg zum Kraul-Kurs. "Das gibt es sonst wohl kaum irgendwo." Dass Daniel Schwarz Deutscher Meister im Wildwasserschwimmen ist, das wusste er bislang nicht, findet das aber "schon großartig". Er habe selbst mal eine nicht so gängige Sportart betrieben: das Fallschirmspringen. Jetzt lässt er sich vom Kursleiter genau erklären, wie das mit dem Kraulen geht und ist überzeugt, dass er es auch bald kann. "Kann ich nur empfehlen", sagt er und schiebt die Schwimmbrille über die Augen.

Als nächstes steht die Durchquerung des Illmensees an

Daniel Schwarz macht seit 25 Jahren Leistungssport. Ohne Wasser geht für ihn nichts.
Daniel Schwarz macht seit 25 Jahren Leistungssport. Ohne Wasser geht für ihn nichts. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Daniel Schwarz hat derzeit noch eine andere Sache im Blick: Die Seedurchquerung des Illmensees am 21. Juli. Da sind auch Schwimmweltmeisterin Isabell Härle (auch Deutsche Meisterin, Europameisterin über fünf Kilometer im Freiwasser, zweifache Team-Weltmeisterin im Freiwasser sowie Olympiateilnehmerin in Rio 2016) und Clemens Rapp (Deutscher Meister, Europameister in der Staffel und Olympiateilnehmer in Rio) mit dabei. Und welcher Stil wird da geschwommen? "Raten Sie mal", lacht Daniel Schwarz. Wer schnell durch den See will, der muss kraulen. Es kann da übrigens jeder mitmachen.