Mit Kontaktzetteln, Masken, Desinfektionsmittelfläschchen und voneinander abgerückten Tischen sollte es gehen, mit Heizpilzen oder -strahlern in den kühlen bis kalten Wochen dann und wann sogar im Freien. Nun haben all diese Dinge aber vorerst wieder ausgedient. Den November über werden Gastronomiebetriebe geschlossen, dürfen lediglich liefern oder zum Mitnehmen kochen. Bei Gastronomen in Friedrichshafen und Immenstaad sorgt das für ein gemischtes Stimmungsbild – zwischen Existenzsorgen und der Hoffnung, dass es wenigstens im Dezember wieder weitergehen kann.

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Die kalten Monate bedeuteten schon zuvor viel Ungewissheit

„Ich hatte gehofft, dass es nicht so kommt“, sagt Claudia Zillich, die in Friedrichshafen das Café „Karamell“ betreibt. In den Monaten seit der Wiedereröffnung habe sie durchweg gute Erfahrungen gemacht. „Alle haben Abstand gehalten, niemand hat sich über geöffnete Fenster beklagt. Selbst, wenn ich mal Gäste an einen anderen Tisch bitten musste, um Abstände sicherzustellen, wurde das immer mit Verständnis aufgenommen“, sagt Zillich. „Alles war gut und eigentlich hätten wir so weitermachen können.“

Claudia Zillich setzt im Café Karamell im November auf Mitnahme-Angebote, zum Beispiel „Frühstück to go“.
Claudia Zillich setzt im Café Karamell im November auf Mitnahme-Angebote, zum Beispiel „Frühstück to go“. | Bild: Christina Bömelburg

Schon vor dem Beschluss war der Ausblick auf Herbst und Winter allerdings mit Ungewissheit verknüpft, das Gästeaufkommen kaum abschätzbar. Zillich hofft, dass es beim November bleibt. Ein „Konzept für den Tag X“ hatte sie sich allerdings bereits überlegt – auch für jene, die auch ohne Lockdown auf Cafébesuche verzichten wollen: Neben Kaffee und Kuchen, die es im „Karamell“ bereits während der ersten Welle im Frühjahr nach Onlinebestellung zum Mitnehmen gab, sind nun Frühstücksangebote gekommen.

Kurzarbeit lässt sich durch Mitnahme-Angebote nicht vermeiden

Auch das Café Ristorante „Il Centro“ in Immenstaad wird im November auf das Außer-Haus-Geschäft setzen. „Wir werden ab Montag alle Gerichte zum Mitnehmen anbieten“, kündigt Geschäftsführer Filip Rodrigues an. „Wir haben zwar mit dem erneuten Lockdown gerechnet, aber die Stimmung ist sehr schlecht.“ Müssen doch alle Mitarbeiter erneut in Kurzarbeit. „Jetzt hoffen wir, dass es sich wirklich nur um einen Monat handelt“, sagt Rodrigues.

Pizza schmeckt immer – ab Montag wieder ausschließlich „to go“: Chaabane Mondher steht am Pizzaofen des Ristorante „Il Centro“.
Pizza schmeckt immer – ab Montag wieder ausschließlich „to go“: Chaabane Mondher steht am Pizzaofen des Ristorante „Il Centro“. | Bild: Claudia Wörner

Erste Stornierungen: Weihnachts- und Familienfeiern werden fehlen

Überrascht, dass die Gastronomie erneut schließen muss, ist auch Uwe Wolf, Inhaber des Restaurants „Am Häfele“ in Immenstaad, nicht. Er habe damit gerechnet, sagt er. „Aber das schadet uns und vor allem unserem Personal, für das ich jetzt wieder Kurzarbeit anmelden muss.“ Glücklicherweise komme der Lockdown jetzt in einer ruhigeren Zeit. „Trotzdem werden uns natürlich die Weihnachts- und Familienfeiern fehlen. Bereits jetzt gibt es einige Stornierungen und das tut uns weh“, berichtet Wolf. Eigentlich sei die Speisegastronomie ja nicht als großer Infektionsüberträger bekannt, so Wolf. Hier falle sich ja niemand betrunken in die Arme. „Aber uns trifft es jetzt fälschlicherweise wieder.“ Nun gehe es darum, dass der Betrieb überlebe, sodass er im kommenden Jahr wieder in die Saison starten könne.

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Auf einen Schlag von 100 auf 0: Zweifel an Verhältnismäßigkeit

Überhaupt gerade erst gestartet hatten Mike Dilnot und Sam Kretschmer den Betrieb der „Minibar“ in Friedrichshafen. Keine vier Wochen wird diese geöffnet haben, wenn sie am Sonntagabend auch schon wieder schließt.

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Dass ein Plan B hier bereits steht, verwundert angesichts der Neueröffnung mitten in Pandemiezeiten nicht. „Aber so schnell wollten wir den natürlich nicht umsetzen“, sagt Dilnot. Während der Schließung soll die Bar nun zum „Bottleshop“ werden, Getränke also zum Mitnehmen verkauft werden.

Kaum saßen sie ersten Gäste auf den Barhockern, müssen Sam Kretschmer und Mike Dilnot ihre „Minibar“ auch schon wieder schließen.
Kaum saßen sie ersten Gäste auf den Barhockern, müssen Sam Kretschmer und Mike Dilnot ihre „Minibar“ auch schon wieder schließen. | Bild: Christina Bömelburg

Das Verständnis für die drastische Entscheidung hält sich in Grenzen. „Es muss etwas gemacht werden“, räumt Dilnot ein und Kretschmer fragt: „Aber warum muss es von 100 auf 0 gehen, ohne Möglichkeiten dazwischen auszuprobieren?“ Am Plan, in eine neue Lüftung zu investieren, will Dilnot festhalten. „Mit der Hoffnung, dass tatsächlich Unterstützung kommt.“

Stimmung zwischen Verständnis und Traurigkeit

Von einer Stimmung zwischen Verständnis für die Entscheidung, die Gastronomie zu schließen, und Traurigkeit spricht Jürgen Hallerbach vom Hotel „Seehof„ in Immenstaad. „Unsere Mitarbeiter gehen in Kurzarbeit und es ist gut möglich, dass wir erst im Frühjahr wieder öffnen.“ Aufgrund der sehr guten Sommersaison sehe sich der Hotelbetrieb mit Restaurant nicht als Opfer. „Ein Ende mit Schrecken ist vielleicht besser als ein Schrecken ohne Ende“, so Hallerbach.

Der erneute Lockdown trifft die Gastronomie hart: Der „Seehof“ muss seine Mitarbeiter, wie alle anderen Immenstaader Betriebe erneut in die Kurzarbeit schicken.
Der erneute Lockdown trifft die Gastronomie hart: Der „Seehof“ muss seine Mitarbeiter, wie alle anderen Immenstaader Betriebe erneut in die Kurzarbeit schicken. | Bild: Claudia Wörner

Froh sei er, dass bisher kein Mitarbeiter an Covid-19 erkrankt sei. „Dieses Damoklesschwert ist jetzt erst mal weg.“ Aktuell hat der Küchenchef jede Menge Gänse gekauft. „Die werden wir kommende Woche auf jeden Fall zubereiten und unseren Gästen für zu Hause anbieten“, informiert Hallerbach. Aber es sei noch nicht endgültig entschieden, ob der „Seehof„ auch weiterhin seine Speisen „To go“ anbieten werde.