Während die E-Card des Bodensee-Oberschwaben-Verkehrsverbunds (Bodo) am Montagmorgen im Bus noch nicht einwandfrei funktioniert, klappt bei einer Testfahrt des SÜDKURIER zwischen Friedrichshafen und Immenstaad am Mittag alles ohne Probleme. Beim Einstieg erklärt ein Busfahrer, wie das System arbeitet. Für den Fall, dass beim Auschecken am Ende der Fahrt etwas nicht klappen sollte, bietet er seine Hilfe an. Denn das ist noch immer täglich der Fall. "Ich bin jetzt schon ein paar Mal mit der Karte gefahren und es hat erst ein Mal richtig funktioniert", sagt Simone Matt im Bus von Friedrichshafen nach Überlingen. Trotz Schwierigkeiten ist die Kundin überzeugt: "Am Anfang ist es bei neuen Angeboten oft so, dass nicht alles rund läuft. Insgesamt finde ich es sehr praktisch mit der Karte, weil ich nicht immer auf Bargeld angewiesen bin."

Ein Problem, das Matt beschreibt, ist zum Beispiel, dass der Automat die Karte als "nicht gültig" erkennt. Dann vibriert das Terminal und der Kunde muss zum Busfahrer. Gegen Vorlage der E-Card kann er dann kostenfrei fahren – zumindest noch bis Ende Januar, so die Kulanzregelung. "Sollte ein Terminal defekt oder nicht installiert sein, dann fährt der Kunde gratis", sagt Bernd Hasenfratz, Projektleiter bei Bodo, auf Nachfrage dieser Zeitung. Das gelte auch dann, wenn der Nutzer an der Starthaltestelle eincheckt, am Zielbahnhof jedoch nicht auschecken kann. Ab 1.Februar müssen Kunden bei Störungen oder fehlenden Terminals einen Einzelfahrschein gegen Barzahlung kaufen (beim Fahrer oder am Fahrscheinautomaten). Erst nachträglich erstattet der Verkehrsbund dann den Rabatt in Form einer Gutschrift, wenn die Fahrscheinbelege per Post oder elektronisch an Bodo weitergeleitet werden.

An Bushaltestellen in und um Friedrichshafen ist das Angebot der E-Card des Verkehrsbunds Bodo zu sehen.
An Bushaltestellen in und um Friedrichshafen ist das Angebot der E-Card des Verkehrsbunds Bodo zu sehen. | Bild: Mona Lippisch

Hasenfratz will die derzeitigen Schwierigkeiten, die das System mit sich bringt, nicht leugnen. "Bei der Inbetriebnahme der Bahnsteigterminals hinken wir an einzelnen Standorten dem Zeitplan hinterher", sagt er. Die davon betroffenen Standorte werden im Internet laufend aktualisiert, sodass die Nutzer stets informiert sind. Wie der Projektleiter erklärt, werde die Rabattkarte laut Deutscher Bahn in wenigen Tagen vollständig nutzbar sein. Auch einige private Busunternehmen, die im Auftrag der RAB unterwegs sind, haben noch keine neuen Fahrscheindrucker und Terminals zum Ein- und Auschecken. "Grund hierfür ist ein Personalengpass bei einem Dienstleister gewesen, der mit der Verkabelung der Busse beauftragt wurde. In wenigen Wochen sind diese offenen Fälle bei der RAB abgearbeitet", sagt Hasenfratz.

Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten beschreibt der Projektleiter die Nachfrage nach der E-Card als "riesig". Stand Montagmittag sind mehr als 4800 Bestellungen beim Verkehrsbund eingegangen. "Das übertrifft unsere Erwartungen bei Weitem. Wir hatten uns selbst das Ziel von 5000 Kunden bis Ende 2018 gesteckt – diese Messlatte werden wir schon in wenigen Tagen überspringen", freut sich Hasenfratz. Neben diesem Erfolg und zahlreichen zufriedenen Nutzern gebe es auch Kritik und Rückfragen. "Viele Kunden wollen etwa wissen, wann die getätigten Fahrten im Kundenkonto sichtbar werden. Aus organisatorischen Gründen können wir die erste Abrechnung jedoch erst im Februar durchführen", so Hasenfratz. Meist stoße man auf Verständnis. "Was manche Kunden zudem als Nachteil empfinden mögen, ist der Vertragsabschluss mit Kontobindung. Hier halten wir jedoch strikt die Datenschutzbestimmungen ein und honorieren die Kundenbindung durch höhere Rabatte", sagt Hasenfratz. Als Vorteile nennt er den Komfort und die Zeitersparnis – außerdem einen Rabatt von bis zu 20 Prozent.

So funktioniert's

Beim Einsteigen in Bus oder Bahn melden sich Nutzer an, indem sie die Rabattkarte auf eine dafür vorgesehene Fläche halten. Bevor die Zielhaltestelle erreicht ist, checkt der Kunde – nach dem gleichen Prinzip wie beim Einsteigen – wieder aus. Der Fahrpreis inklusive Rabatt wird entsprechend der Länge der Strecke ermittelt und abgerechnet.

Umsteigen: Beim Verlassen des einen Verkehrsmittels sowie beim Einsteigen in das nächste müssen sich Kunden wieder über das Terminal anmelden. Für die gesamte Strecke berechnet das System dann nur eine Fahrt. Das gilt beim Umstieg von einem Bus in einen anderen und beim Umstieg von einem Bus in den Zug oder umgekehrt. Beim Umstieg von einem Zug in einen anderen am gleichen Bahnhof ist kein wiederholtes Ab- und Anmelden nötig.

Tageshöchstpreis: Ab der dritten Fahrt ist meist die Einzel-Tageskarte günstiger. Diese wird dem Kunden dann auch so berechnet.

Informationen im Internet: www.bodo-ecard.de