"Der Deutsche Luft- und Raumfahrtkongress ist die nationale Konferenz überhaupt", sagte Professor Stefanos Fasoulas am Montag bei der Vorstellung des Programms der 67. Konferenz. Er ist Leiter der Programmkommission des Deutschen Luft- und Raumfahrtkongresses (DLRK) der Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt – Lilienthal-Oberth (DGLR) und Leiter des Instituts für Raumfahrtsysteme der Universität Stuttgart. Wer bei 67 an Rente denke, liege falsch, die Konferenz sei "so agil wie nie". Rund 600 Teilnehmer werden vom 4. bis 6. September im Graf-Zeppelin-Haus auf der Fachkonferenz über das Thema "Luft- und Raumfahrt – Digitalisierung und Vernetzung" sprechen.

280 Vorträge an drei Tagen

Rolf Henke, Präsident der DGLR und Luftfahrtvorstand beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), erläuterte kurz den den Luftfahrtteil der Konferenz mit insgesamt 280 Vorträgen und 20 sogenannten Postern, das sind Vorstellungen von wissenschaftlichen Arbeiten. "Die Luftfahrt musste schon sehr früh digital werden", berichtete Henke. Dennoch steht sie vor großen Herausforderungen. Das beginne bei der Flugzeugentwicklung am Computer, beispielsweise der Simulation des aerodynamischen Verhaltens von Teilen oder des gesamten Flugzeugs ohne Windkanal, gehe über die Einbindung von Zulieferern, Themen wie Big Data, Cyber-Sicherheit, Umweltverträglichkeit bis hin zur Flugsicherheit bei Wartung und im Cockpit und vieles mehr – alles verbunden durch einen Digital Thread, also einen digitalen roten Faden, um alle möglichen Dinge zu verknüpfen, zu analysieren und Lösungen zu finden.

Es stehen neue Technologien vor der Tür, wie der E-Fan-X, ein hybridelektrischer Antrieb von Flugzeugen, der von Rolls-Royce, mit Airbus und Siemens bis 2025 serienreif entwickelt werden soll, oder unbemannte Luftfahrzeuge. Sehr wichtig sei dabei auch die politische Unterstützung der Bundesregierung bei finanziellen, aber auch bei den gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Wandel von öffentlichen Raumfahrtprogrammen zu kommerziellen

Im Bereich Raumfahrt sieht Fasoulas seit 1997/98 einen Wandel von öffentlichen Raumfahrtprogrammen zu kommerziellen. Das Schlagwort dazu heißt "NewSpace", gemeint sind private Unternehmer von der amerikanischen Westküste wie der SpaceX-Gründer Elon Musk. "Vor 15 Jahren hätte niemand damit gerechnet, dass er die Konkurrenz vor sich hertreibt", sagte Fasoulas. Gerade finde ein Paradigmenwechsel statt, eine Verschmelzung von Informations- und Kommunikationsgesellschaft und Raumfahrt. Ein Problem hierbei sei, dass es derzeit in einem mehr oder weniger rechtsfreien Raum passiere. In der Wissenschaft werde auch dies diskutiert.