Thomas Alber blickt auf den Rosengarten, das neue Wasserspiel, die sanierte Kapelle und die Ponyskulpturen im Park. Er erinnert sich, wie er mit seinem Stellvertreter zwei Tage lang bunte Fliesenreste für das Sommercafé zusammengestückelt hat, weil das Geld ausgegangen war und er keine überplanmäßigen Ausgaben beantragen wollte. "Wir haben ausgesehen wie die Kanalarbeiter", schildert der Leiter des städtischen Altenpflegeheims Karl-Olga-Haus. Am Freitag geht seine Zeit als Heimleiter zu Ende, auf den Tag genau 21 Jahre nach seinem Amtsantritt.

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Letzte Amtshandlung Bauantrag

"Es hätte schon seinen Reiz gehabt, die Einweihung des Neubaus noch im aktiven Dienst zu erleben. Aber das war gegenüber dem abzuwägen, was ich jetzt an Lebensqualität und Gesundheit schonen darf", sagt Thomas Alber. Die Planung des Neubaus hat ihn in den vergangenen zehn Jahren sehr beschäftigt. Besonders deshalb, weil er in Personalunion auch Projektleiter war. Ehe er den Altbau am Freitag verlässt, wird seine letzte Amtshandlung darin bestehen, den Bauantrag zu unterschreiben.

Am Freitag wird Thomas Alber noch den Bauantrag für den Neubau unterschreiben. Dann geht der langjährige Amtsleiter in den Ruhestand.
Am Freitag wird Thomas Alber noch den Bauantrag für den Neubau unterschreiben. Dann geht der langjährige Amtsleiter in den Ruhestand. | Bild: Andrea Fritz

Schwieriger Start 1998

Leicht war es von Anfang an nicht, erinnert sich Thomas Alber. Nach zehn Jahren als Sachgebietsleiter bei der Zeppelin-Stiftung hatte sich der Diplom-Verwaltungswirt im Januar 1998 auf den Posten des Amtsleiters im Karl-Olga-Haus beworben und gegen 106 Mitbewerber durchgesetzt. Gleich zu Beginn dieser Karriere verunglückte seine damalige Stellvertreterin und fiel für ein halbes Jahr aus. Thomas Alber musste aber auch das Versprechen einlösen, sich noch eine Weile um die wichtigsten Dinge der Zeppelin-Stiftung zu kümmern. Ein Kraftakt, trotzdem konnte im März 2000 die zehnjährige Umbauphase des Altenpflegeheims mit einem großen Fest gefeiert werden. "Da wuselte es hier zwei Tage lang vor Menschen", erinnert sich Thomas Alber. Nur sechs Monate später erhielt das Haus das Qualitätssiegel für Pflegeheime.

Zum Zehnjährigen gratulierte der damalige Oberbürgermeister Josef Büchelmeier (Dritter von rechts) Thomas Alber (Dritter von links) in Gegenwart des Leitungsteams (von links): Ulrich Pfeffer, Beate Schluszas, Gabriele Jäggle und Birgitt Lüddecke.
Zum Zehnjährigen gratulierte der damalige Oberbürgermeister Josef Büchelmeier (Dritter von rechts) Thomas Alber (Dritter von links) in Gegenwart des Leitungsteams (von links): Ulrich Pfeffer, Beate Schluszas, Gabriele Jäggle und Birgitt Lüddecke. | Bild: Stadt Friedrichshafen

Mehr ehrenamtliches Engagement im Ruhestand

Thomas Alber führte einen Knigge für Pflegekräfte ein. Bald mussten sie Dinge wie Krawatten binden, Servietten falten und korrektes Eindecken beherrschen. Der Tablettservice wurde abgeschafft. Seither wird, wie in einem guten Hotel, am Tisch geschöpft. Die geschlossene Abteilung "Arche" wurde geöffnet, Pflegedokumentation, Arbeitszeitmodelle, Qualitätsmanagement, Pflegevisiten und eine Hauszeitung wurden eingeführt.

Das Pflegestufengesetz II und III wurde mit großem Aufwand umgesetzt, es wurden eigene Schulungs-CDs erstellt, Betreuungskräfte für die Beschäftigungstherapie eingestellt und vieles mehr. Die Liste ließe sich beliebig fortführen, kein Wunder also, wenn Thomas Alber sagt: "Ich mache jetzt erst einmal vier Wochen Urlaub." Danach will er sich, noch stärker als bisher, ehrenamtlich bei der katholischen Kirche einbringen.

Demografische Entwicklung als größte Herausforderung in der Pflege

"Ich gehe nicht im Groll, sondern mit einem tiefen Gefühl der Zufriedenheit", sagt er und ergänzt, dass er dankbar dafür sei, dass er bei einer Stadt arbeiten durfte, die nicht jeden Pfennig umdrehen müsse. In der Pflege sei die demografische Entwicklung die größte Herausforderung der Zukunft. So sei die aktuelle Hochkonjunktur zwar gut für die Wirtschaft, aber in der Pflege mangele es dadurch an Bewerbern. "Die Lösung liegt sicherlich im europäischen und vor allem im außereuropäischen Raum, anders geht das nicht", sagt Thomas Alber.

Ein großes Problem sei, dass bei vielen Bewerbern die Deutschkenntnisse nicht ausreichten. Und, was in Friedrichshafen noch erschwerend dazu komme: "Sie müssen einen Grundwortschatz in Schwäbisch verstehen, denn unsere Bewohner reden meistens schwäbisch."