Flexibilität und Kreativität, diese beiden Begriffe bezeichnen, was die Arbeit in dem kleinen gemeindeeigenen Bauhof in Daisendorf ausmacht. Jan Junker leitet ihn und ist momentan auch nur sein eigener Chef. „Eigentlich arbeiten wir hier zu zweit“, erklärt er. Aber seit der vorherige Mitarbeiter nach über zwei Jahrzehnten Tätigkeit in der Gemeinde in den Ruhestand gegangen ist, werkelt Junker allein. Dabei sucht die Gemeinde seit geraumer Zeit dringend nach Verstärkung. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass es so schwer sein würde, einen neuen Mitarbeiter zu finden“, erzählt er in seinem Büro über der Fahrzeughalle. Denn die Arbeit hier sei optimal.

Die Arbeit lässt sich dem Wetter anpassen

Jan Junker, der in einem Betrieb für Garten- und Landschaftsbau gelernt hat, kennt die Tücken dieses Berufs bei jedem Wetter. „Hier im Bauhof allerdings haben wir Tätigkeiten für drinnen und draußen und da ist es planbarer, die Beschäftigungen dem Wetter anzupassen“, sagt der Gärtner. Drinnen fallen zum Beispiel Reparaturen im nahen Kindergarten an. Da gehen öfter mal Spielzeug oder Lampen kaputt, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Aber auch Ausbesserungsarbeiten im Rathaus oder kleinere Wartungsarbeiten am Fuhrpark des Bauhofs zählen zu den Tätigkeiten, die unter einem schützenden Dach erledigt werden können.

Arbeiten auf Spielplatz, Grünflächen und Friedhof

Im Freien ist Jan Junker viel mit Kontrollarbeiten beschäftigt: Er überprüft auf den Spielplätzen die Spielgeräte, um Verletzungen zu vermeiden, und er kontrolliert Bäume von der Wurzel bis zum Laub. Außerdem kümmert er sich um Pflegearbeiten auf dem Friedhof und all die sonstigen Tätigkeiten, die im Garten- und Landschaftsbau so anfallen: vom Blumengießen über Heckenschnitt bis zum Wegepflastern. Zudem sind auch leichte Schreinerarbeiten zu erledigen oder Ruhebänke frisch zu streichen.

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In der kleinen Gemeinde hat er viel Kontakt zu den Bürgern

„Ich mag die abwechslungsreiche Arbeit, es ist nie jeden Tag das Gleiche“, schwärmt der 29-Jährige von seinem Job. Als besonders vorteilhaft empfindet er sein Wirken in einer kleinen Gemeinde. „Man kennt sich und ich habe viel Kontakt zu den Bürgern.“ So wurde er schon beim privaten Einkauf abends quer durch den Supermarkt mit einem freudigen „Hallo, Herr Junker“ von einem Kindergartenkind gegrüßt.

Auch mit Blick auf die Strukturen findet er eine kleine Gemeinde als für ihn vorteilhafter. „Es geht auch mal über den kurzen Dienstweg, ohne großen Verwaltungsakt.“ Es sei ein anderes Arbeiten als in einem großen Bauhof, wo es verschiedene Abteilungen gebe und jeder Mitarbeiter seine festgelegten Aufgaben habe.

Mutwillige Beschädigungen ärgern ihn

Gefragt nach negativen Aspekten der Arbeit, antwortet er: „mutwillige Beschädigungen.“ Und kurzzeitig verschwindet der freundliche Ausdruck um seine Augen, wenn er von frisch gestrichenen Bänken erzählt, die ein paar Tage später mit Graffiti vollgesprüht waren. „Das ärgert mich“, sagt er deutlich.

Scheuen potenzielle Bewerber den Winterdienst?

Junker vermutet, dass potenzielle Bewerber für die Arbeit im Bauhof vielleicht den Winterdienst scheuen, der ebenfalls zu den Aufgaben des Bauhofs gehört. „Klar“, gibt er zu, „ist es sehr gewöhnungsbedürftig, im Winter morgens um 4 Uhr zu schauen, ob es glatt ist.“ Aber zum einen sei auch das frühe Aufstehen irgendwann Routine, zum anderen komme es gar nicht so oft vor. Im Winter 2019 hätten sie nur vier oder fünf morgendliche Einsätze gehabt und der Bereitschaftsdienst wechsle wöchentlich im Gemeindeverwaltungsverband. „Letzten Winter dagegen musste ich öfter raus“, sagt Jan Junker.

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Aber er mag eben dieses Unvorhersehbare, nicht Planbare – auch wenn es mal ein oder mehrere Rohrbrüche sind, wie vor Kurzem geschehen. „Es ist keine stupide Arbeit“, bekräftigt er. Junker freut sich über die Herausforderungen im kleinen Team, in dem man sich voll auf den anderen verlassen kann – wenn er denn wieder einen Mitarbeiter findet.

Auch die Bürgermeisterin ist schon mit dem Schneeschieber gefahren

Bürgermeisterin Jacqueline Alberti, die als oberste Chefin auch mal im Bauhof vorbeischaut, bestätigt Jan Junkers Aussagen. „Hier ist noch Eigenverwirklichung möglich. Wer eine kreative Ader hat, kann sich hier gärtnerisch austoben.“ Angesprochen auf den Winterdienst, sagt die Bürgermeisterin, das Fahren mit dem Schneeschieber sei nicht schlimm: Das habe sie auch schon gemacht und Spaß dabei gehabt.