Jahrzehntelang war die Adlerwarte, die zum Alpenwildpark am Pfänderhang gehört, ein beliebtes Ausflugsziel für Gäste aus nah und fern. Rund 55 000 Besucher zählte die Flugshow mit Adler, Geier, Falken und Co. jedes Jahr. Doch damit ist jetzt Schluss. Auf der Pfänder-Homepage findet sich schon seit Längerem der karge Hinweis „Die Adlerwarte ist geschlossen“. Was bereits 2015 der Fall war, soll auch für dieses Jahr gelten. Und Bregenz Tourismus stellt klar: „Die Adlerwarte ist und bleibt geschlossen – sie wird nicht wieder eröffnet.“
 

„Das Thema ist erledigt“, meint der Betreiber der Anlage, Ferdinand Kinz. Die Auflagen im Bescheid der Genehmigungsbehörde, der Bezirkshauptmannschaft (BH) Bregenz, würden eine Fortführung der Adlerwarte in der gewohnten Qualität unmöglich machen. Kinz wörtlich: „Es kann zumindest nicht mehr so geflogen werden, dass es eine schöne Vorführung wird.“ Allerdings liege „das Problem nicht bei der Behörde, sondern beim neuen Tierschutzgesetz“.

Auf einem Schild ist zu lesen, dass die Adlerwarte auf dem Pfänder seit 2015 geschlossen ist.
Auf einem Schild ist zu lesen, dass die Adlerwarte auf dem Pfänder seit 2015 geschlossen ist. | Bild: Ulrich Stock

Auflagen für Haltung von Wildtieren

Das Gesetz, das in Österreich bereits 2005 in Kraft trat und eine Reihe von Übergangsregelungen bis Anfang 2015 enthält, sieht unter anderem geänderte Bestimmungen für die Haltung von Wildtieren, also auch Greifvögeln, vor. Entsprechende Auflagen sind auch in die Genehmigung der BH Bregenz eingeflossen, die bereits Ende 2014 erteilt worden war. Darin wurde der Betreiber auch verpflichtet, an der Adlerwarte vier neue Gehege (Volieren) zu bauen, um insbesondere den Adlern und Milanen mehr Platz zu verschaffen.

Bereits im Herbst 2006, also schon bald nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes, hatte Betreiber Kinz die Greifvogelanlage erneuern lassen. Um die Auflagen der Tierschutzbehörde zur Gänze zu erfüllen, müssten Betreiber und Pfänderbahn AG – Letztere hatte sich in der Vergangenheit immer wieder an Investitionen der Adlerwarte beteiligt – nochmals einige Hunderttausend Euro in die Hand nehmen. „Das Geld ist nicht das Problem“, meint Kinz. Dessen Cousin und Vorstand der Pfänderbahn AG, Thomas Kinz, bestätigt, dass man wie bisher „grundsätzlich bereit“ sei, „die Adlerwarte finanziell zu unterstützen“. Andererseits gebe es aber auch „Tendenzen, wo man sich Investitionen überlegt“. Allein eine halbe Million Euro werde die für Februar 2017 geplante Revision der Pfänderbahn (unter anderem neue Steuerung, Überholung des Getriebes) kosten. Bei der Adlerwarte wiederum gebe es Risiken beim Bau der Volieren, beispielsweise durch schlechten Untergrund und Gefahr durch Hangrutsch, aber auch Unsicherheiten, bedingt durch den neuen Tierschutz. Kinz sagt dazu: „Wir können doch nicht etwas betreiben, was in der Öffentlichkeit als Tierquälerei dargestellt wird.“

„Wir haben einen guten Weg gefunden, einerseits den Tierschutz zu gewährleisten und andererseits die Investitionskosten nicht unnötig in die Höhe zu treiben“, macht der Bregenzer Bezirkshauptmann Elmar Zech die Position seiner Behörde noch mal klar und fügt hinzu: „Die Bewilligung für den Betrieb der Adlerwarte ist aufrecht und kann genutzt werden.“ Anders als Betreiber Ferdinand Kinz ist der langjährige Pächter der Adlerwarte, die in Oberösterreich beheimate Falknerfamilie Seylehner, der Überzeugung, dass „auch unter den neuen Bestimmungen die Flugvorführungen genauso weitergeführt werden können wie bisher – vorausgesetzt, dass die vier Volieren noch gebaut werden“. Warum dies nicht gemacht wurde, sei ihr „ein Rätsel“, erklärt Falknerin Manuela Seylehner auf Anfrage. Bereits seit 2006 sei klar gewesen, dass zusätzliche Gehege gebaut werden müssen. Nach insgesamt 21 erfolgreichen Saisonen habe ihnen der Betreiber der Anlage zum Oktober 2015 gekündigt. Sollte die Adlerwarte dauerhaft geschlossen bleiben, sieht sich das Falknerehepaar Manuela und Gerhard Seylehner in seiner „Existenz gefährdet“.

Während früher viele Besucher die Flugshow verfolgten, sind Volieren und Tribüne auf dem Pfänder heute leer.





Pfänder

Der mehr als 1000 Meter hohe Pfänder ist ein beliebtes Ausflugsziel. Neben dem Alpenwildpark gehörte die Adlerwarte seit Jahrzehnten zu den Hauptattraktionen auf dem Bregenzer Berg, der bequem mit der Pfänderbahn erreicht werden kann. Die Flugshow, die in der Vergangenheit jeweils vom 1. Mai bis 3. Oktober zweimal täglich gezeigt wurde, zählte jährlich rund 55.000 Besucher.