Es gehe weniger um ein Grünen-Thema denn um das Gemeinwohl, betonte Moderator Thomas Henne. Das praktiziere Antje von Dewitz seit Jahren. 2009 hatte sie die Geschäftsführung des familieneigenen Bergsportausrüsters Vaude in Tettnang von ihrem Vater übernommen und wurde Mitglied des Bündnisses für Nachhaltige Textilien. 2015 ist Vaude als "Deutschlands nachhaltigste Marke" prämiert worden. "Für mich ist GWÖ so, wie ich unternehmerische Verantwortung verstehe", sprach sie der Idee das Wort: Produktion nicht auf Kosten von Menschen und Umwelt sowie faires, transparentes Agieren. Sie berichtete von der Wandlung der Firma, der anstrengenden Überzeugungsarbeit hin zum ökologischen Unternehmen bei Problemen wie steigenden Kosten im hart umkämpften Segment Textil.

Naturkost-Händler Bodan optimiert Prozesse

Selbst im Biolebensmittel-Bereich gibt es Bedarf zur Optimierung, wenn man die GWÖ-Kriterien anwenden will, erzählte Sascha Damaschun vom Naturkost-Großhändler Bodan aus Überlingen. Sie optimierten Schwachpunkte im Bereich Mitarbeiter/Arbeitsverträge und Transparenz, was zu mehr Zufriedenheit und Entspannung führte.

Um Gemeinwohl-Ökonomie zu leben, braucht es vor allen Dingen einen Firmenlenker, der dahintersteht. "Sonst funktioniert es nicht", so Antje von Dewitz. Auch Kooperation sei wichtig. Wie bei Bodan: "Wir sind auf unsere Vorlieferanten angewiesen", so Damaschun. Er zeigte auf, wie jeder mit seiner Kaufentscheidung zur Gemeinwohl-Ökonomie beitragen kann. Zum Beispiel bei der Suche nach dem "Öko-Huhn": Fünf Cent mehr pro Ei bezahlen – davon geht ein Cent in die Züchtung und vier Cent in die Forschung.

Zehn Jahre Forschung für Radtasche

Manchmal gehen nachhaltige Entwicklungen auch auf Kosten der Gewinnmarge, erzählte Antje von Drewitz von der dreijährigen Entwicklung einer Radtasche und der zehnjährigen Forschung nach einem umweltverträglichen Material für einen Regenmantel. Rückschläge musste auch Bodan hinnehmen: Nach Umstellung ihrer Transporter von erdölbasierten Kraftstoffen auf einen synthetischen verschwand dieser vom Markt. Beide Unternehmer glauben aber daran, dass nur ein gemeinwohnliches unternehmerisches Handeln zukunftsfähig ist und sehen sich als Stachel, um den Massenmarkt zu ändern.

Viele Fragen stellten die Zuhörer. Zu Veränderung von Mitarbeitern und Kunden, die zuerst skeptisch und nun begeistert sind von Work-Life-Balance, Fair Trade, Biokantine und Fuhrpark mit Elektro-Bikes. Antje von Dewitz: "Das ging sogar so weit, dass einer kam, mir einen Plan vorlegte und sagte: 'I bin koi Grüner – aber mir könntet auf LED umstelle. Des spart.'"

Produkte sind nicht teurer als konventionelle

Eine Zuhörerin mahnte politische Forderungen an, um Größeres zu bewirken. Beide Unternehmer widerlegten die Auffassung, sie seien mit ihren Produkten teuer und freuten sich über junge Menschen, für die Werte bei Kleidung und Nahrung wie Umwelt und Tierwohl zählten und die eine sinnerfüllte, Freude bereitende Arbeit wollten. "Geiz ist geil ist out", glaubt Damaschun. Ideen zur Förderung von GWÖ hatte er gleich parat: "Mit steuerlicher Lenkungswirkung: Keine Mehrwertsteuer auf Ökoprodukte." Oder ein Ranking: Unternehmen unter Null werden höher mehrwertbesteuert, da sie ihre Produkte auf Kosten anderer produzierten, ergänzte von Dewitz. Sie gab noch einen Tipp mit auf den Weg: "Fragen Sie im Laden nach, wie die Produkte hergestellt sind, ob fair bezogen. Dann geht der Verkäufer zum Einkäufer und dann beginnt ein Denkprozess. Jede Äußerung ist wie eine demokratische Wahl!"