Meersburg Monika Taubitz wird erste Ehrenbürgerin der Stadt Meersburg

Die in Breslau geborene, seit 1965 am Bodensee lebende Dichterin, macht sich um Völkerverständigung verdient. Die Verleihung der Würde findet am 22. Februar 2018 im Spiegelsaal des Neuen Schlosses Meersburg statt.

Als erster Frau in der Geschichte der Stadt erhält die Dichterin Monika Taubitz das Ehrenbürgerrecht von Meersburg. Das gab Christine Johner, Leiterin des städtischen Kulturamtes, gestern bekannt. Die Stadt zeichne in Monika Taubitz eine Persönlichkeit aus, "die sich als Künstlerin, als Kulturvermittlerin und als Mensch in außerordentlichem Maße nicht nur für Kunst und Kultur, sondern auch für Völkerverständigung und Integration eingesetzt hat und noch immer einsetzt". Der Dichterin komme eine Vorbildfunktion für die drängenden gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit zu. Der Festakt zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Monika Taubitz findet am 22. Februar 2018 im Spiegelsaal des Neuen Schlosses statt.

Seit 1875 verlieh Meersburg den Titel „Ehrenbürger der Stadt Meersburg“ insgesamt zehn Mal an Personen, "die sich für sie besonders verdient gemacht haben". Weiter erläutert Johner: "Die Begründungen für diese Verleihung folgten durch die Jahrzehnte hindurch unterschiedlichen Kriterien. Immer waren sie auch ein Spiegel der jeweiligen gesellschaftspolitischen Situation der Stadt."

Monika Taubitz kam 1937 in Breslau zur Welt und verbrachte ihre ersten Lebensjahre in Markt-Bohrau, Breslau und Eisersdorf in Schlesien, im heutigen Polen. Als Kind wurde sie 1946 mit ihrer Mutter und ihrer Tante vertrieben. Es verschlug sie zuerst nach Nordenham an der Wesermündung, 1951 siedelten sie ins Allgäu um. Später wurde Taubitz Lehrerin und kam 1965 nach Meersburg. Die Stadt, in der sie nun seit 52 Jahren lebt, bezeichnet Taubitz als den "zweiten Teil meiner Heimat" und greift damit ein Zitat von Annette von Droste-Hülshoff auf.

Monika Taubitz' erstes veröffentlichtes Buch, den Gedichtband "Fallende Sterne", erschien 1968. Insgesamt hat die Schriftstellerin, die am 2. September 80 Jahre alt wurde, bis dato rund 20 Bücher verfasst und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, sowohl für ihr literarisches Werk als auch ihr gesellschaftliches Engagement, vor allem für ihre Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung. Fragt man Taubitz nach den wichtigsten Meilensteinen in ihrem bisherigen Leben, dann nennt die gebürtige Breslauerin an erster Stelle als "größte Überraschung und erfreulichste Tatsache, dass die Grenzen gefallen sind zu meiner alten Heimat und ich Brücken mitbauen konnte."

Im Jahr 1972 war Taubitz zum ersten Mal nach ihrer Vertreibung wieder in die alte Heimat gefahren. Die dabei geweckten Erinnerungen verarbeitete sie in "Schlesien – Tagebuch einer Reise." Danach wollte sie während des Kalten Krieges nicht mehr nach Polen reisen. Nach der Wende aber knüpfte ein Bibliothekar aus Kattowitz Kontakt zu Taubitz, polnische Germanisten wurden auf sie aufmerksam, die Universität Breslau nahm sie 2008 in ihre Deutsch-Polnische Gesellschaft auf. Längst wurden einige ihrer Gedichte in polnischen Schulbüchern abgedruckt. Damit gehört eine Meersburger Dichterin deutscher Sprache in Polen zum offiziellen literarischen Kanon. Dieses Jahr noch wird die Dissertation der Breslauer Germanistin Justyna Kubocz verlegt, deren Titel lautet: "Kunst und Pflicht – zum literarischen und kulturpolitischen Wirken von Monika Taubitz".

Für die „Vertriebene“ nach dem Zweiten Weltkrieg sei die Flüchtlings- und Integrationsproblematik ein weiteres zentrales Thema in ihrem literarischem Werk. Auf diesem Feld sei ihre Vorbildfunktion gerade in der heutigen Zeit, in der Asylsuchende und deren Integration wieder sehr allgegenwärtig sind, nicht hoch genug zu schätzen, erklärt Johner namens der Stadt.

Von 1996 bis 2011 leitete Taubitz den "Wangener Kreis", Gesellschaft für Literatur und Kunst des (ehemals deutschen) Ostens. Bei den diesjährigen "Wangener Gesprächen" wurde Taubitz zu ihrem runden Geburtstag geehrt. Zu ihren literarischen Auszeichnungen zählen der Eichendorff-Preis (1978), der Andreas-Gryphius-Preis (2012) oder der Nikolaus-Lenau-Preis (2016). Außerdem wurde sie für ihre Verdienste um die deutsch-polnische Verständigung mehrfach gewürdigt, so 2013 mit der Heimatmedaille Baden-Württembergs und 2014 mit dem Bundesverdienstkreuz.

Die westfälische Dichterin Annette von Droste-Hülshoff war 1962 der erste Berührungspunkt mit Meersburg für die junge Monika Taubitz. Sie besuchte als Schülerin das Fürstenhäusle und ließ sich 1965 auf eigenen Wunsch als Lehrerin nach Meersburg versetzen. Bis zu Ihrer Pensionierung 1997 war sie an der Sommertalschule tätig. Ihre freie Zeit hat sie immer dem kulturellen Erbe der Stadt und dem Werk der Annette von Droste-Hülshoff gewidmet. Eine enge Freundschaft und Zusammenarbeit verband sie mit der Baronin von Bothmer, der sie, wie auch der Stadt, 2016 mit der Biografie „Asche und Rubin“ ein Denkmal setzte. Auch Johner verweist in der Begründung der Ehrung darauf, dass Taubitz Ihrer zweiten Heimat in zahllosen Gedichten sowie mit dem Lesebuch „Schön wie der Mond“ ein literarisches Gedenken gegeben.

 

Bisherige Ehrenbürger

Die Stadt Meersburg hat bislang zehnmal die Ehrenbürgerwürde ausschließlich an Männer verliehen.

1875: Johannes Flink (1811 bis 1900), Oberlehrer, Wirtschafts-, Bibliotheksleiter,

1915: Franz Sales Meyer (1849 bis 1927), Professor an der Kunstgewerbeschule in Karlsruhe, Maler und Dichter.

1919: Fritz Mauthner (1849 bis 1923), Privatgelehrter, Schriftsteller und Philosoph. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde ihm postum die Ehrenbürgerwürde aberkannt, 1949, wurde sie ihm wieder zuerkannt.

1935: Hermann Schwer (1877 bis 1936), Rundfunkfabrikant, für die Mitarbeiter seines Villinger Saba-Werkes erbaute er ein Erholungsheim in Meersburg, das Sabaheim.

1946: Dr. Fritz Zimmermann (1873 bis 1959), von 1918 bis 1950 Chefarzt des Meersburger Krankenhauses. Berühmt als Menschenfreund.

1956: Hans Dieter (1881 bis 1968), bekannter Landschaftsmaler am Bodensee.

1961: Georg Seyfried (1889 bis 1963), Mesner, Stadtrat und Bürgermeisterstellvertreter. Mitglied in der Bürgergesellschaft der 101er.

1966: Wilhelm Restle (1884 bis 1980), Stadtpfarrer. Heimatforscher, der sich für die Bedürftigen einsetzte. In der Zeit des Nationalsozialismus half er politisch Verfolgten.

1981: Wilhelm Schuh (1901 bis 1994), Pfarrer. Erwarb sich Verdienste um den Erhalt der Unterstadtkapelle.

2000: Kurt Kränkel (1929 bis 2007), langjähriger Gemeinderat, Kreisrat und stellvertretender Bürgermeister. Mitglieder der 101er. (mba)

 

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