Tolle Abschlussfahrten genießen, Partys feiern, Schulstreiche planen, gemeinsam für die Prüfungen pauken und ganz am Ende auf großer Bühne das Zeugnis entgegennehmen: Was für Generationen von Abschlussschülern gerne gelebte Tradition war, ist in Zeiten der Corona-Pandemie schlicht und einfach undenkbar.

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So hat das Stettener Schulzentrum für seine beiden Abschlussklassen zum Abschied kleine Feiern unter Corona-Bedingungen organisiert, an die sich alle Beteiligten bestimmt noch lange erinnern werden.

Die Alemannenhalle bot genügend Platz, um die Abstandsregeln einzuhalten. Jeder Lernpartner durfte zwei Begleitpersonen mitbringen.
Die Alemannenhalle bot genügend Platz, um die Abstandsregeln einzuhalten. Jeder Lernpartner durfte zwei Begleitpersonen mitbringen. | Bild: Gerd Feuerstein

Maximal zwei Begleitpersonen

Den geltenden Vorgaben und Abstandsregeln geschuldet, fanden die Feierlichkeiten der Klassen neun (Hauptschulabschluss) und zehn (Realschulabschluss) zeitversetzt in der Alemannenhalle statt.

Die Neuner freuen sich mit ihren Lernpartnern, dass alle den Abschluss in der Tasche haben.
Die Neuner freuen sich mit ihren Lernpartnern, dass alle den Abschluss in der Tasche haben. | Bild: Gerd Feuerstein

Jeder Lernpartner durfte maximal zwei Begleitpersonen mitbringen, die in der festlich geschmückten Halle problemlos Platz fanden: „Die heutige Feier unterscheidet sich stark von allem bisher dagewesenen“, ging Rektor Klaus Flockerzie auf die besonderen Umstände ein.

Erinnerungen an herausfordernde Zeit zu Beginn des Lockdowns

Auf den Tag genau vor vier Monaten waren die Schulschließungen in Baden-Württemberg verfügt worden. Seitdem seien Schlagworte wie Home-Schooling, Videokonferenzen, Materialbörse, Abstand, Desinfektion oder auch Präsenzunterricht und dergleichen an der Tagesordnung gewesen.

„Es war eine gewaltige Herausforderung, Schule unter diesen Bedingungen zu gestalten, zu erleben und weiter voranzubringen“, sagte der Schulleiter und nutzte die Gelegenheit, dem gesamten Kollegium, den Schulsekretärinnen sowie den vielen Eltern für deren „unglaublich engagierte Mehrarbeit“ zu danken.

Appell an die jungen Absolventen, ihren Weg engagiert weiterzugehen

Flockerzie freute sich, dass sämtliche Lernpartner ihre jeweiligen Prüfungen bestanden, und für die Zukunft „einen Plan in der Tasche“ hätten. Anhand eines Goethe-Zitats machte er allerdings auch deutlich, dass das Leben zukünftig „kein Zuckerschlecken“ sei. Denn wo „viel Licht ist, ist auch viel Schatten“, führte er den Schülern vor Augen. An die Eltern appellierte er, den eingeschlagenen Weg mit ihren Kindern weiter zu gehen.

Sie haben es geschafft: Die Abschlussschüler der Klasse 10.1 mit Klassenlehrerin Marijke Hörger (rechts) sind rundum glücklich.
Sie haben es geschafft: Die Abschlussschüler der Klasse 10.1 mit Klassenlehrerin Marijke Hörger (rechts) sind rundum glücklich. | Bild: Gerd Feuerstein
Sie waren eine eingeschworene Gemeinschaft: Klassenlehrerin Kathrin Spröder (hinten links) mit ihren Lernpartnern der Klasse 10.2
Sie waren eine eingeschworene Gemeinschaft: Klassenlehrerin Kathrin Spröder (hinten links) mit ihren Lernpartnern der Klasse 10.2 | Bild: Gerd Feuerstein

Anerkennung für die Absolventen

„Das erste Etappenziel ist erreicht“, gratulierte dann auch Bürgermeister Maik Lehn und zollte allen Lernpartnern „Respekt und Anerkennung“, weil sie „ihr Ding trotz der Pandemie voll durchgezogen“ hätten: „Die Türen für eine erfolgreiche Zukunft stehen euch nun offen“, sagte Lehn. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es auch in Zukunft immer darum gehe, sich ständig weiter- und fortzubilden.

Diese Schüler erhielten Preise und Belobigungen

Lehn überreichte im Anschluss zwei Preise und Belobigungen für die besten Leistungen in den beiden Abschlussklassen. In der Klasse neun konnte sich Pia Nitt mit einem Notendurchschnitt von 1,8 über eine Belobigung freuen. Bei den Zehntklässlern erreichte Anna Gröner mit 1,1 einen hervorragenden Realschulabschluss.

Mit der Durchschnittsnote 1,1 legte Anna Gröner einen traumhaften Realschulabschluss hin. Bürgermeister Maik Lehn (rechts) und Rektor Klaus Flockerzie gratulieren.
Mit der Durchschnittsnote 1,1 legte Anna Gröner einen traumhaften Realschulabschluss hin. Bürgermeister Maik Lehn (rechts) und Rektor Klaus Flockerzie gratulieren. | Bild: Gerd Feuerstein

Ohnehin seien die Zehner „eine tolle Klassengemeinschaft mit hoher Sozialkompetenz“ gewesen, wie Rektor Klaus Flockerzie hervorhob. Sein Stellvertreter Jürgen Lebherz ergänzte: „Ihr wart ein absoluter Top-Jahrgang, der ein Maß an Selbstständigkeit entwickelt hat, das sich ‚von‘ schreibt“.

Jürgen Lebherz hob die „Außergewöhnlichkeit des Jahrgangs“ hervor, bei dem das besondere Konzept der Gemeinschaftschule „reichlich Früchte“ getragen habe.
Jürgen Lebherz hob die „Außergewöhnlichkeit des Jahrgangs“ hervor, bei dem das besondere Konzept der Gemeinschaftschule „reichlich Früchte“ getragen habe. | Bild: Gerd Feuerstein

Er lobte auch die Eltern des Jahrgangs, mit denen es in sechs Jahren nie Probleme gegeben habe, als „absolut außergewöhnlich“. Dass auch das Verhältnis zwischen Lernbegleitern und Lernpartnern ein außergewöhnliches war, kam bei der Feier, insbesondere bei der Übergabe der Zeugnisse, der Preise und Belobigungen sowie bei den abschließenden Dankesworten der Schüler zum Ausdruck.

Videoschalte ins Schloss Bellevue

Daneben gehörte eine Videoschalte ins Schloss Bellevue zu Frank-Walter Steinmeier zu den Höhepunkten. Der Bundespräsident hat in den vergangenen Tagen eine Kampagne zum Schulabschluss 2020 ins Leben gerufen, der sich inzwischen zahlreiche Prominente angeschlossen haben.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Kampagne Abschlussfeier 2020 gestartet, der sich mittlerweile viele Prominente angeschlossen haben.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Kampagne Abschlussfeier 2020 gestartet, der sich mittlerweile viele Prominente angeschlossen haben. | Bild: Gerd Feuerstein