Die Region Oberschwaben mit dem Dreiländereck Württemberg, Baden und Hohenzollern ist ein richtiges Räubernest: In Pfullendorf kann man sich von einem Räuber die Stadt zeigen lassen oder mit der Räuberbahn nach Aulendorf fahren. Die Puppenbühne Ostrach widmete dem berühmten Schwarze Vere ein eigenes Stück und auch die Theatergruppe Riedhausen feierte mit ihrer Freilicht-Aufführung über den Räuberhauptmann 2019 große Erfolge. Nun ist die Region um eine Attraktion reicher. In Riedhausen wurde vergangenes Wochenende der Räuberzinken-Baum enthüllt. Zwischen Rathaus, Feuerwehr, Pfarrscheuer und Pfarrhaus ragt die acht Meter hohe und 1,6 Tonnen schwere Skulptur in den Himmel.

Riedhausens Bürgermeister Ekkehard Stettner (rechts) erhält von Bürgermeister Christoph Schulz die Leader-Plakette, einem Förderprogramms der Europäischen Union und des Landes Baden-Württemberg.
Riedhausens Bürgermeister Ekkehard Stettner (rechts) erhält von Bürgermeister Christoph Schulz die Leader-Plakette, einem Förderprogramms der Europäischen Union und des Landes Baden-Württemberg. | Bild: Johanson, Kirsten

Hunderte Arbeitsstunden investiert

Ein Denkinger hatte bei der künstlerischen Gestaltung des Denkmals seine Finger im Spiel: Die handgeschmiedete Mooreiche entstand in der Kunstschmiede von Peter Klink, der mit seinen Mitarbeitern Andreas Rohde, Dominik Bendler und Jonas Stürzenhofecker hunderte Arbeitsstunden in die große Skulptur investierte. „Das war ein außergewöhnliches Kunstobjekt für uns, das die ganze Schmiede ausgefüllt hat“, erinnert sich Klink.

Eine „Räuberbraut“ inspiziert den Räuberzinkenbaum. Die Zinken waren ein Mittel der Kommunikation unter den Räubern: Anhand der Markierungen an Gebäuden konnten sie einander Chancen und Risiken mitteilen.
Eine „Räuberbraut“ inspiziert den Räuberzinkenbaum. Die Zinken waren ein Mittel der Kommunikation unter den Räubern: Anhand der Markierungen an Gebäuden konnten sie einander Chancen und Risiken mitteilen. | Bild: Johanson, Kirsten

Idee von Reinhold Gasser von der Theatergruppe

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Idee und Entwurf gehen auf Reinhold Gasser von der Theatergruppe Riedhausen zurück. Die Skulptur würde es nicht geben, hätte nicht 2019 das Freilichttheaterstück über den Schwarzen Vere auf dem Spielplan gestanden. Denn um Platz für die Zuschauertribüne zu schaffen, wurde die Dorflinde auf das Grundstück der benachbarten Kirche versetzt, erklärt Bürgermeister Ekkehard Stettner bei der feierlichen Enthüllung am vergangenen Wochenende. Es habe Überlegungen gegeben, den Baum nach der Aufführung wieder zurück an Ort und Stelle zu setzen – was der Linde aber wohl nicht so gut bekommen wäre.

Welche Botschaft verbirgt sich hinter diesem Geheimzeichen?
Welche Botschaft verbirgt sich hinter diesem Geheimzeichen? | Bild: Johanson, Kirsten

60 Prozent der Kosten vom Leader-Projekt

Zudem wollte man sich nicht der Chance berauben, die Fläche für zukünftige Veranstaltungen zu nutzen. Denn der Clou am Exemplar aus Stahl: Diese Eiche schlägt keine Wurzen. Sie ist im Boden festgeschraubt und könnte bei Bedarf beiseite geräumt werden. „2018 habe ich meine Idee dem Bürgermeister vorgetragen, Anfang 2019 haben wir dann mit Peter Klink Kontakt aufgenommen und Fördermittel aus dem Leader-Aktionsprogramm beantragt“, schildert Gasser. Das Projekt wurde mit 25 000 Euro zu 60 Prozent von Leader gefördert. Die Theatergruppe steuerte 10 000 Euro bei und den Rest zahlt die Gemeinde.

Unter dem Deckel steht die Antwort. 19 Räuberzinken sind um den Stamm verteilt.
Unter dem Deckel steht die Antwort. 19 Räuberzinken sind um den Stamm verteilt. | Bild: Johanson, Kirsten

Offizielle Enthüllung musste vor dem 31. Oktober sein

Ursprünglich sollte die Enthüllung bereits im April stattfinden – und zwar mit einem großen Fest für das ganze Dorf. „Doch Corona hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht“, bedauert der Bürgermeister. „Schade, dass wir aktuell nicht im großen Stil feiern können, aber vielleicht können wir das im Sommer 2021 nachholen.“ Um den Zuschuss aus dem Leader-Programm nicht zu gefährden, hatte das Regierungspräsidium Tübingen nahegelegt, die Skulptur noch vor dem 31. Oktober ihrer Bestimmung zu übergeben. Und so waren es in erster Linie Vereinsvorstände, Kirchengemeinderäte und Bürgermeisterkollegen, die vergangenes Wochenende der Enthüllung beiwohnten. Mit Altbürgermeisterin Silvia Kugelmann aus Kutzenhausen war sogar eine Abgesandte aus dem 140 Kilometer entfernten Geburtsort des Schwarzen Vere unter den Gästen.

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