Der Aschermittwoch ist seit alter Zeit ein stiller Tag, der zum Innehalten und zur Besinnung einlädt. Was kann uns dieser Tag, mit dem die 40-tägige Fastenzeit beginnt, Hilfreiches sagen – in diesen Tagen, in denen Corona immer noch so stark unser Leben bestimmt, und das nun bald seit einem Jahr? Was bedeutet Fasten in einer Zeit, in der es schon so viel Verzicht und Entbehrung gibt? Eine wertvolle Anregung steckt für mich in der Überschrift einer diesjährigen bundesweiten Fastenzeitaktion, die mit diesem Aschermittwoch startet. Sie heißt „7 Wochen neue Sicht“.

Unterbrechung unserer „gewohnten Sicht“

Der Aschermittwoch lädt uns zu einer bewussten Unterbrechung unserer „gewohnten Sicht“ ein. Unsere „gewohnte Sicht“ ist allzu oft geprägt von dem, was nicht geht, was nicht funktioniert, was schwierig ist, was uns ärgert. Psychologen sprechen von Defizitorientierung. Doch eine einseitige Defizitorientierung raubt uns wertvolle Energie und führt letztlich nicht weiter. Wir könnten unseren Blick viel mehr bewusst auf die Möglichkeiten richten, die es trotz so vieler Widrigkeiten immer noch gibt. „Ich möchte nicht in Grenzen denken und fühlen, sondern in Möglichkeiten“, schreibt der Schriftsteller Pierre Stutz. Das spricht mich sehr an. Unseren „Möglichkeitssinn“ können wir bewusst pflegen. Dankbarkeit hilft uns dabei. „Die Dankbarkeit ist die Quelle alles Guten“, weiß die christliche Tradition. Die Dankbarkeit regt uns an, wach und aufmerksam durchs Leben zu gehen und die kleinen Dinge zu sehen, die trotzdem gut sind, für die wir Tag für Tag in unserem Leben trotzdem dankbar sein können.

Möglichkeitssinn mit den „AHA-Regeln Jesu“ stärken

Unseren Möglichkeitssinn können auch die „AHA-Regeln Jesu“ stärken. Der Jesuit Clemens Kaschorke sprach kürzlich davon. Das erste „A“ steht bei Jesus für „Abstand-Nehmen“ – Jesus nimmt immer wieder Abstand von dem, was ihn alltäglich „überfluten“ will. Er zieht sich nicht nur zu Beginn seiner Sendung 40 Tage in die Wüste zurück, sondern sucht immer wieder im Trubel Orte der Stille auf. Das ermöglicht ihm eine andere Sicht. Das „H“ der AHA-Regeln Jesu steht für „Händefalten“. Jesus faltet immer wieder die Hände, er sucht im Gebet die Beziehung zu Gott und vertraut ihm alles an, was ihn bewegt. Und schließlich das zweite „A“: es steht für „Aufbruch wagen“. Jesus bricht immer wieder auf, lässt sich je neu auf die Menschen ein, die ihn brauchen. Er legt sie nicht auf ihre Defizite und Fehler fest, sondern sieht ihre Möglichkeiten und wendet sich ihnen heilsam zu. Wie wäre es, wenn wir uns mit dem heutigen Aschermittwoch einlassen auf „7 Wochen neue Sicht“ und unseren „Möglichkeitssinn“ trainieren?