Bundesweit dürften es 80 000 Menschen sein, die das Spiel lieben und in einem Verein betreiben. In Pfullendorf sind es derzeit 34 aktive Spieler, die sich regelmäßig treffen und sich mit ihrem Konzentrationsvermögen und ihre Strategiekunst bei Wettbewerben mit Gleichgesinnten messen. Die Rede ist von Schach. Dieses Spiel, dessen Vorläufer aus Indien kommt, ist weltweit beliebt. Und es hat einen ganz großen Vorteil: Die Regeln sind überall gleich.

Im Haus Linzgau treffen sich immer am Freitag ab 18.30 Uhr die Schachfreunde des SC Pfullendorf. Der ist eigentlich durch Fußball bekannt, bildet aber auch den Dachverein für den Schachclub. Gegründet wurde er vor 60 Jahren von vier Fußballern, die nicht nur das Spiel auf dem großen Rasenfeld liebten, sondern auch das Duell auf dem Brett mit den 64 Feldern. Es kamen immer mehr Schachfreunde dazu, doch geblieben ist die Zugehörigkeit zum SCP. Durch eine intensive Jugendarbeit ist es dem Club gelungen, immer wieder Nachwuchs zu gewinnen.

Kooperation mit Staufer-Gymnasium

Seit sechs Jahren betreibt man die Kooperation mit dem Staufer-Gymnasium. Alle Fünftklässler müssen erst mal einige Wochen an der Schach AG teilnehmen. "Und da finden viele Geschmack an dem Spiel und kommen dann zu uns", sagt Herbert Schmieder, der seit vielen Jahren Vorsitzender der Schachabteilung ist. Er ist regelmäßig dabei, wenn junge Leute trainieren. Sei es in der Schule oder beim Übungsabend. Schmieder gibt Tipps, macht Vorschläge für Spielzüge und geizt auch nicht mit Lob und Tadel. Im Laufe des Abends kommen dann immer mehr ältere Spieler dazu und haben den Blick nicht nur auf das eigene Brett gerichtet, sondern schauen auch mal nach den Spielzügen des Nachwuchses. Und der ist konzentriert bei der Sache. 
 

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Der zehnjährige Nathaniel ist auch durch die Schach AG zu dem jahrhundertealten Strategiespiel gekommen. "Ich spiele natürlich auch mal Schach mit dem Smartphone oder dem PC", sagt er. Doch das Spiel mit einem lebendigen Gegner habe schon seinen besonderen Reiz. Das ist auch bei Arthur so. Er spielt schon seit fünf Jahren Schach und war natürlich auch in der Schul-AG . Zudem hat er noch einen ganz besonderen Vorteil: auch sein Vater ist angetan von dem königlichen Spiel. Und wer ist besser? "Momentan noch mein Vater", sagt Arthur schmunzelnd. Er ist aber sicher, dass sich das schon bald ändern wird. Das Training im Verein sei da sehr hilfreich. Als Vater Gerd seinen Sohn abholt, schaut er schon mal auf die Partien, die gerade im Gang sind. Hier wird auf Zeit gespielt. Meistens stehen einem Spieler zehn Minuten für seine Züge zur Verfügung. "Zu Hause sitzen wir gerne auf der Terrasse und spielen eine Partie", sagt er. Und die darf dann ruhig auch mal eine Stunde dauern.

Schachspiele am Computer sind keineswegs verpönt. Herbert Schmieder spielt auch gerne Partien im Internet in Echtzeit. Und da kann es schon mal fünf bis sechs Stunden dauern, bis ein Sieger feststeht. Oder auch nicht. Denn auch ein Unentschieden, das im Schach "Remis" heißt, ist mal drin. "Gestern hatte ich einen Spielpartner aus Australien", erklärt der Schachfan. Auf dem Laptop zeigt er, wie man seine Spiele analysieren lassen kann oder auch berühmte Partien nachvollziehen.

Bei Wettbewerben ist die moderne Technik natürlich tabu. Da sitzt man sich gegenüber und hat nur das Ziel, den Gegner in Bedrängnis zu bringen und möglichst den König so anzugreifen, dass er keine Züge mehr machen kann. Dann heißt es "schachmatt". Die erste Mannschaft der Pfullendorfer tritt immer mit acht Mann an und hat es schon bis in die Verbandsliga geschafft. In der Bezirksliga bestehen Mannschaften aus jeweils vier Spielern. Meistens sind es Männer. Laut dem Deutschen Schachverband sind es nur sechs Prozent Frauen, die aktiv am Spielgeschehen teilnehmen.