Schwere Fahrzeuge schwenkten auf den Platz vor dem Feuerwehrgerätehaus ein. Bei der Truppe der Freiwilligen Feuerwehr Meßkirch herrschte muntere Aufbruchstimmung während ihren Vorbereitungen zum Hilfseinsatz im Ahrtal. Bei all den belastenden Eindrücken nach der Flutkatastrophe gibt es den Männern ein gutes Gefühl, anzupacken und helfen zu können. Sie hievten schweres Gerät und Ausrüstung auf die Ladeflächen der Lkws, darunter zwei Bautrockner, die sie von Spendengeldern kauften. Regelmäßig, etwa alle zwei Wochen bis zum Wintereinbruch, wird ein Trupp der Männer, teilweise mit Partnerinnen, ins Ahrtal aufbrechen, um drei Familien zu helfen, die bei der Flutkatastrophe im Juli fast alles verloren haben.

Mit zwölf Leuten ins Ahrtal

„Wir konzentrieren unsere Hilfe vor allem auf drei Familien“, erklärt Feuerwehrkommandant Tobias Lumb. Es sei sinnvoll, den Hilfseinsatz auf diese Weise zu organisieren, damit er effektiv ist und nicht durch einen zu großen Streuungseffekt versandet. Andere Organisationen würden ähnlich vorgehen. Mit zwölf Personen fuhren sie zuletzt ins Ahrtal, neun Helferinnen und Helfer aus Meßkirch sowie drei von der Freiwilligen Feuerwehr Ludwigshafen, mit der sie eng zusammenarbeiten.

In der Dunkelheit um 3.30 Uhr starteten die Feuerwehrleute zu ihrem Einsatz ins Ahrtal.
In der Dunkelheit um 3.30 Uhr starteten die Feuerwehrleute zu ihrem Einsatz ins Ahrtal. | Bild: Tobias Lumb

Unterstützung von Unternehmen

Mit acht Fahrzeugen, darunter fünf Lkws, ein Abschleppwagen, ein Servicebus und ein Pkw mit Anhänger, machten sie sich auf den siebenstündigen Weg. Auf die Ladeflächen der Fahrzeuge hatten sie Minibagger, Bagger mit Greifer, Kehrmaschine, Schaufellader und Ölradiatoren geladen. Dass sie mit einer so großen und dringend gebrauchten Ausrüstung aufbrechen konnte, verdankt die Freiwillige Feuerwehr zahlreichen Sponsoren und Unterstützern. „Wir brauchen keine Fahrzeugmiete, keinen Diesel und keine Maut zu bezahlen“, freut sich Mario Droxner mit seinen Kollegen über die Hilfsbereitschaft der Firmen Gruber Kachelofenbau, Ummenhofer Baumaschinen, Hager Umwelttechnik, Halder Baggerbetrieb, Hopp Baggerbetrieb und dem Autohaus Ruprecht. Vor allem sind die Helfer stolz auf das Vertrauen, das ihnen die Firmen entgegenbringen. Als Wegzehrung spendierte ihnen die Metzgerei Knoll eine große Tüte mit Proviant.

Täglich zwölf Stunden waren die Helfenden im Einsatz, um Zufahrten und Höfe von Schutt zu befreien.
Täglich zwölf Stunden waren die Helfenden im Einsatz, um Zufahrten und Höfe von Schutt zu befreien. | Bild: Tobias Lumb

Straßen zum Teil nicht befahrbar

Bereits auf der Autobahn trennten sich die Helfenden aus Meßkirch. Ein Teil fuhr nach Mayschoß und Laach, die anderen nach Schuld. „An das Ziel kommt man nur auf Umwegen, da die Straßen zum Teil noch fehlen“, beschreibt Tobias Lumb die Infrastruktur. Zunächst machte sich die Gruppe daran, die Hofflächen freizubaggern sowie die Zufahrtsstraße aufzumachen. „Dort lag ein Meter Schutt“, erzählt der Feuerwehr-Kommandant. Dass sie in diesen Schuttbergen auf Leichen stoßen könnten, sei unwahrscheinlich. „Dort, wo wir im Einsatz sind, haben die Suchhunde schon alles abgesucht“, erklärt er. In Laach räumte der Hilfstrupp aus Meßkirch um die Häuser herum auf, wobei sie viele Rebstöcke herausreißen mussten. In Schuld halfen sie mit, das Ufer der Ahr freizuräumen. „Die Aufräumarbeiten werden noch lange anhalten“, vermutet Lumb.

Um die Häuser lag jede Menge angeschwemmter Schutt, der Meter für Meter weggeschafft werden muss.
Um die Häuser lag jede Menge angeschwemmter Schutt, der Meter für Meter weggeschafft werden muss. | Bild: Tobias Lumb

Zwölf Stunden am Tag im Einsatz

Zwölf Stunden sind die Männer und Frauen pro Tag im Einsatz, doch werden sie im Ahrtal gut versorgt. In Schuld übernachteten sie im Pfarrheim, vor dem Dusch- und Toilettencontainer installiert sind. Die Familien im Oberdorf, die von der Flut verschont wurden, sorgen für die Verpflegung der Helfenden und der Flutopfer. „Wir spüren einen guten Zusammenhalt vor Ort und eine optimistische Grundstimmung“, erzählt Tobias Lumb.

Nach getaner Arbeit saß der Hilfstrupp der Freiwilligen Feuerwehr aus Meßkirch und Ludwigshafen mit Flutopfern zusammen beim ruhigen Ausklang des Tages.
Nach getaner Arbeit saß der Hilfstrupp der Freiwilligen Feuerwehr aus Meßkirch und Ludwigshafen mit Flutopfern zusammen beim ruhigen Ausklang des Tages. | Bild: Tobias Lumb

Die drei Familien, die von den Meßkirchern und Ludwigshafenern betreut werden, haben zumindest wieder Wasser und Strom. „Wichtig ist es, die Häuser vor dem Winter trocken zu bekommen“, erläutert der Kommandant die Ziele. Dafür braucht die Hilfsmannschaft ganz dringend Ölradiatoren. „Es wäre toll, wenn jemand noch Geräte im Keller hat, die er uns zur Verfügung stellen könnte“, hofft der Feuerwehr-Mann auf weitere Unterstützung.

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