Die Stadt soll mit dem Projekt nicht nur grüner, sondern vor allem barrierefreier werden. Bislang ist der Boden der Innenstadt übersät mit Kopfsteinpflaster, das unterschiedlich tief verlegt ist und damit eine tägliche Stolperfalle für Fußgänger ist. Das Kopfsteinpflaster soll abgefräst werden, damit alle Steine eben sind. Ein Blindenleitsystem mit Bodenindikatoren soll dafür sorgen, dass auch sehbehinderte Menschen sich in der Kreutzerstadt wohlfühlen. Diese Bodenindikatoren, oft sind es Rillen- und Noppenplatten oder –pflaster, geben Blinden Orientierung. 

Video: Julia Lutz

Ein neues Lichtsystem in der Innenstadt soll die Aufmerksamkeit auf markante Gebäude lenken. Insgesamt soll die Stadt durch Baumpflanzungen und Sitzmöglichkeiten zum Verweilen einladen. Was aber für Gesprächsstoff in der Stadt sorgt ist der innerstädtische Verkehr. Dieser soll durch Poller geregelt werden, die den Parkplatzsuch-Verkehr in der Innenstadt abstellen. Für Kunden könnte das aber auch bedeuten, sie müssen weitere Wege zu den einzelnen Geschäften in Kauf nehmen. In späteren Bauabschnitten würde das Konzept dann von der Marktbrückle bis zum Rathaus und in Richtung Adlerplatz umgesetzt werden und zuletzt in Richtung Schlossstraße.

Was kostet das Projekt?

Die Baumaßnahmen sollen insgesamt 1,9 Millionen Euro kosten, wovon die Stadt Meßkirch 660 000 Euro bezahlen müsste. Voraussetzung dafür ist, dass Ende Mai eine Zusage des Bundes in den städtischen Briefkasten flattert. Die Kosten hatte Johannes Göpel vom Planungsbüro Freiraumwerkstadt in Überlingen berechnet und dem Stadtrat im Dezember präsentiert. Nicht einberechnet sind Poller, die zur Verkehrsberuhigung in der Innenstadt eingerechnet wurden. Weitere 430 000 Euro hat Stadtbaumeister Stephan Frickinger für die Maßnahmen in Nebenstraßen berechnet.

Stadtbaumeister Stephan Frickinger.
Stadtbaumeister Stephan Frickinger. | Bild: Moser, Gregor

Erste Maßnahmen könnten 2021 beginnen

Stadtbaumeister Stephan Frickinger sagte auf Anfrage des SÜDKURIER, dass die Stadt die Unterlagen bis Ende nächster Woche einreichen werde. Der Stadtrat hatte im letzten Jahr eine Bewerbung beschlossen, in der Hoffnung, Gelder für die Aufwertung der Innenstadt zu erhalten. Bis Ende Mai steht fest, ob der Bund die innerstädtischen Maßnahmen mitfinanziert. „Das wäre auch für uns gut, dann können wir in die genaue Planung einsteigen und 2021 bereits die ersten Baumaßnahmen umsetzen.“ Sollte die Bewerbung keinen Erfolg haben, will die Stadt die Maßnahmen trotzdem umsetzen und sich für Gelder aus dem Förderprogramm „Städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen“ bewerben. „Der Zeitplan gerät dadurch nicht durcheinander“, sagt Frickinger.

Das Kopfsteinpflaster ist uneben und für gehbehinderte Menschen nicht ungefährlich.
Das Kopfsteinpflaster ist uneben und für gehbehinderte Menschen nicht ungefährlich. | Bild: Julia Lutz

Eingang zur Hauptstraße soll schöner werden

Künftig soll die Hauptstraße insgesamt einladender werden. Die Spielgeräte am Eingang, wovon zwei bereits kaputt sind, werden entfernt. Auf die Frage, ob die Spielgeräte am Eingang der Hauptstraße ersatzlos wegfallen sollen, sagte Frickinger, dass es geplant sei, diese in andere Baumaßnahmen der Stadt zu integrieren. Der Standort an der Hauptstraße habe sich aufgrund seiner Nähe zur Straße nicht bewährt. Eltern hätten diese Rückmeldung gegeben, denn die Spielmöglichkeiten werden nicht genutzt.

Mathias Bank, Vorsitzender der Gewerbe- und Handelsvereinigung Meßkirch.
Mathias Bank, Vorsitzender der Gewerbe- und Handelsvereinigung Meßkirch. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Das sagt der Einzelhandel zum Projekt

Dr. Mathias Bank, Vorsitzender der Meßkircher Gewerbe- und Handelsvereinigung (GHV), sieht „Meßkirch im Wandel“ differenziert. „Grundsätzlich denke ich, es ist gut und wichtig, wenn die Innenstadt attraktiver wird.“ Eine verkehrsfreie Innenstadt bringe für Gastronomen den Vorteil, dass sie vor ihrem Betrieb eine Außengastronomie aufstellen könnten. Was für die einen ein Vorteil ist, sieht Bank für andere Betriebe in der GHV als Nachteil. Man habe in der Stadt auch Geschäfte, deren Kundschaft nicht mehr gut zu Fuß sei. „Diese Geschäfte haben das Problem, dass die Menschen zu Fuß nicht kommen können oder wollen“, sagt Bank. Deshalb würden die Mitglieder der GHV das Vorhaben differenziert sehen. Ihnen müsse die Stadt genauso gerecht werden, wie den Anwohnern, die zu jeder Zeit zu ihrer Wohnung kommen möchten.

Auch für leerstehenden Gebäude in der Innenstadt sei das Projekt „Meßkirch im Wandel“ nicht unwichtig, wenngleich die Leerstände oft auf die Eigentümer zurückzuführen seien. Seiner Meinung nach ist das Konzept noch nicht ausgefeilt. „Wenn man die Autos aus der Innenstadt haben will, muss man auch überlegen, wo sie stattdessen parken können“, so Bank. Ausdrücklich begrüßt er aber, dass die Innenstadt verkehrsberuhigter werden soll. „Es gibt in Meßkirch jede Menge unvernünftige Leute, die durch die Innenstadt fahren“, so seine Beobachtungen und auch das Wildparken im Bereich Sparkasse müsse ein Ende finden.

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