Es kann eigentlich nur gut werden. Sollte man zumindest denken, wenn man auf die zahlreichen Initiativen blickt, die sich bei einem Zukunftsforum auf dem Überlinger Weltacker mit ihren Konzepten vorstellten. Bereits im zweiten Jahr wächst bei diesem Projekt in Andelshofen auf rund 2000 Quadratmetern nahezu alles, wovon sich die Menschen auf dem Globus ernähren und was sie genießen. Denn neben Reis, Weizen, Kartoffeln und Co. lassen sich viele Raritäten bestaunen, selbst Maniok- und Erdnusspflanzen können die Besucher hier ebenfalls betrachten.

Miteinander anstatt Konkurrenz pflegen

Zu Gast beim Zukunftsforum war der international angelegte Bodenfruchtbarkeitsfonds ebenso wie das „SlowFood Convivium Bodensee“, das mit Blick auf Qualität und Regionalität das Bewusstsein der Verbraucher bereits seit 15 Jahren zu schärfen versucht. Kooperative Wirtschaftsformen, die der Konkurrenz ein Miteinander gegenüberstellen und erfolgreich praktizieren, waren mit von der Partie – wie Vereine der Solidarischen Landwirtschaft (Solawi).

„Wir BioPower vom Bodensee“ vernetzt und stärkt ökologisch arbeitende Betriebe.
„Wir BioPower vom Bodensee“ vernetzt und stärkt ökologisch arbeitende Betriebe. | Bild: Hanspeter Walter Journalist-Texte-Bilder

Bereits seit gut zehn Jahren besteht die in Bermatingen ansässige Initiative „Wir und jetzt“, die Simon Neitzel repräsentierte. „Als kulturschaffende Netzwerker und Netzwerkerinnen bieten wir eine Plattform, einen Raum der Begegnung, in dem Synergien entstehen und entwickelt werden“, sagte Neitzel. Der Verein befasst sich mit ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Themen und will mit positiven Beispielen aus der Region Mut machen. Zu den Partnern des Netzwerks gehören zum Beispiel Unverpacktläden und die Wasserkarawane, Saatgutinitiativen und die Bio-Musterregion.

Simon Neitzel (rechts) vom Bermatinger Verein „Wir und jetzt“ erläutert die Ziele der Initiative, über Netzwerke Synergien zu erzielen.
Simon Neitzel (rechts) vom Bermatinger Verein „Wir und jetzt“ erläutert die Ziele der Initiative, über Netzwerke Synergien zu erzielen. | Bild: Hanspeter Walter

Die Saat ist gelegt, jetzt müsste sie nur noch stärker gehegt und gepflegt werden, um noch mehr Frucht zu tragen. Doch gerade dazu versuchte das Zukunftsforum auf dem Weltacker einen weiteren Beitrag zu leisten. „Das war eine tolle Veranstaltung“, erklärt Katharina Staib, die an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten Umweltbildung studiert und ein Praktikum beim Weltacker absolvierte. „Es gab hier viele interessante Anregungen“, bestätigte auch der Überlinger Joachim Becker, der selbst mehrere Jahrzehnte Erfahrungen in der Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika hat und sich mit Wegen und Abwegen der landwirtschaftlichen Nutzung auseinandergesetzt hat

„Wir sitzen doch alle in einem Boot“

Auf einem bunt gemischten Podium, das vom Berliner Co-Projektleiter Felix Grünziger moderiert wurde, tauschten Vertreter der Initiativen ihre Positionen aus. Mit dabei auch Antonia Kitt vom Überlinger Obsthof, die zugleich die Initiative Lernort Bauernhof repräsentierte. Kitt versuchte, eine Brücke zwischen konventioneller und biologischer Landwirtschaft zu bauen, und wehrte sich gegen eine Stigmatisierung. „Wir sitzen doch alle in einem Boot“, erklärte sie.

Felix Grünziger (rechts) aus Berlin moderiert ein Podium, an dem unter anderem Antonia Kitt vom Verein Lernort Bauernhof, Julia Brantner von der Sielmann-Stiftung, Mathias Forster von der Bio-Stiftung Schweiz und David Steyer von der Solawi Ravensburg teilnahmen.
Felix Grünziger (rechts) aus Berlin moderiert ein Podium, an dem unter anderem Antonia Kitt vom Verein Lernort Bauernhof, Julia Brantner von der Sielmann-Stiftung, Mathias Forster von der Bio-Stiftung Schweiz und David Steyer von der Solawi Ravensburg teilnahmen. | Bild: Hanspeter Walter

So einfach wollte dies der Schweizer Mathias Forster nicht gelten lassen. „Jahrzehntelang ist doch die biologische Landwirtschaft stigmatisiert worden“, meinte Forster und verwies auf die aus seiner Sicht dramatischen Folgen der synthetischen Pestizide für die Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit. Der Geschäftsführer der Biostiftung Schweiz und Gründer des grenzübergreifenden Bodenfruchtbarkeitsfonds ist Mitautor des Buches „Das Gift und wir: Wie der Tod über die Äcker kam und wie wir das Leben zurückbringen können“.

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Das praktische Engagement der Heinz-Sielmann-Stiftung zur Schaffung von Biotopen und Stärkung der Artenvielfalt schilderte die Überlinger Projektleiterin Julia Brantner an den Beispielen aus der Region. David Steyer, Bertiebsleiter von Solawi Ravensburg, versteht sich als „integrativer Garten-und Landschaftstherapeut“, der die Verbindungen zwischen Mensch und Natur sowie Natur und Kultur stärken will, um Lebensprozesse sowie Selbstwirksamkeit erfahrbar zu machen, wie er selbst formulierte. Sein Verein in Hübscher ist nur eine von mehreren ähnlichen Initiativen in der Bodenseeregion. Die Verpächter des Hofes sind bereits seit mehreren Jahren Partner des Bodenfruchtbarkeitsfonds.

Förderung für Demeter-Betriebe

Mit dem Bodenfruchtbarkeitsfonds werden anerkannte Demeter-Betriebe oder im Bio-Landbau anerkannte Betriebe oder solche, die sich in Umstellung befinden, gefördert. An der Pilot­phase beteiligten sich insgesamt 32 Höfe in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Liechtenstein. Die Auswahl zeichnet sich durch eine große Vielfalt der Bewirtschaftung aus: Getreideanbau, Gemüse, Obst, Soja, Wein, Tierzucht, Grünland. Jeder Boden ist anders, jeder Boden hat seine eigenen Erfordernisse in der Bearbeitung.

Das Spektrum der Betriebsgrößen reicht hierbei von vier bis 180 Hektar. „Wichtig ist uns, dass die Landwirte in keiner Phase des gesamten Projektes als Bittsteller um Spenden auftreten“, betonen die Verantwortlichen. „Denn sie führen im Auftrag der Gesellschaft konkrete Maßnahmen am Boden durch.“ Damit dieser auch für kommende Generationen noch genügend Frucht tragen kann.

Foodsharing ist eine Plattform, die helfen kann Lebensmittel zu retten.
Foodsharing ist eine Plattform, die helfen kann Lebensmittel zu retten. | Bild: Hanspeter Walter
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