Im Zuge der Verlängerung der Landeserstaufnahmestelle für Flüchtlinge in Meßstetten (LEA) habe sich das Land gegenüber dem Zollernalbkreis sowie der Stadt Meßstetten verpflichtet, die Stadt bei ihren Bemühungen, um eine Nachfolgenutzung des Kasernengeländes, zu unterstützen, erinnert er. Diese Vereinbarung sei vom damaligen und heutigen Amtschef des Innenministeriums unterschrieben worden. "Insofern mussten wir davon ausgehen, dass diese Zusage zeitnah eingelöst wird." Zwar sei ihm bewusst, dass diese Formulierung nicht auf die Ansiedlung einer Polizeischule abzielt, dennoch behalte es sich die Stadt vor, den Vereinbarungstext gerichtlich überprüfen zu lassen. "Dieses Vorgehen streben wir zwar keineswegs an, sofern es entsprechende Alternativlösungen für unseren Standort geben sollte, dennoch können Sie an dieser Überlegung erkennen, wie ernst es uns mit der Vertragstreue der Landesregierung ist", schreibt Schroft.

Man sei an einem Punkt angelangt, an dem sich weder die Stadt, noch der Konversionsraum Alb mit Albstadt, Winterlingen, Bitz, Nusplingen, Straßberg, Schwenningen und Obernheim sowie dem Landkreis vorstellen könnten, wie eine künftige Unterstützung bei den Konversionsbemühungen aussehen kann.

Nachdem die Region bereits im Zuge der Diskussion um die Ansiedlung eines Großgefängnisses das Nachsehen hatte, gehe sie nun zum zweiten Mal leer aus. Im Zusammenhang mit der Vermutung, dass nicht ausschließlich unter Berücksichtigung von Sachargumenten entschieden wurde, bittet Schroft um Offenlegung der Bewertung und der Kriterien für die Entscheidung.

Weiter schreibt Schroft: "Nachdem die Zusammenarbeit zwischen Land und Stadt in Zeiten des Betriebs der LEA bestens funktioniert hat ... müssen wir nun leider feststellen, dass wir seit Ende des LEA-Betriebs kein Gehör mehr bei der Landesregierung finden und man sich an gemachte Zusagen und Versprechen nicht mehr gebunden fühlt."

Die nun getroffene Entscheidung sei in keiner Weise nachvollziehbar und alle sachlichen Argumente hätten für Meßstetten gesprochen – die Verfügbarkeit, die Infrastruktur, die Gebäude, die Sportanlagen, die überschaubaren Investitionen, die Synergien beim Einsatz von Ausbildungspersonal mit dem Standort Villingen-Schwenningen sowie der bestehende Vertrag mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Mit seinem Schreiben wolle er nachdrücklich darum bitten, diese Entscheidung zu überdenken und bei der Beschlussfassung im Kabinett, für den Standort Meßstetten zu werben.

Nach Bekanntwerden der Entscheidung hatte ein Sprecher des Innenministeriums indes betont, die Entscheidung sei keine Entscheidung gegen Meßstetten und Sigmaringen. Aber hier habe die Gesamtschau mit Kapazität, Kosten und baulichem Zustand den Ausschlag gegeben. Das Land werde Sigmaringen und Meßstetten bei der Nutzung der Konversionsflächen nicht allein lassen, hatte der Sprecher des Innenministeriums betont.