Geschlossene Schulen, Kindertageseinrichtungen, Spielplätze, kein Nachmittagsangebot der Vereine und Musikschulen. Eltern, die von zu Hause an Computern arbeiten und parallel ihre Kinder betreuen müssen. Getrennt lebende Eltern, die ihre Kinder nicht sehen können, weil sie in der Hausgemeinschaft des anderen Erziehungsberechtigten lebten, aber auch streitende Eltern mit Zukunftssorgen. So sah das Leben Familien während des Lockdowns aus.

Jugendhilfe besonders wachsam

Für Hubert Schatz, Leiter des Fachbereichs Jugend im Landratsamt Sigmaringen, und seine Mitarbeiter brachte die Pandemie-Zeit besondere Herausforderungen, wie er auf Anfrage des SÜDKURIER erläuterte. Unter diesen schwierigen Bedingungen, „mussten die Jugendhilfemitarbeiter besonders wachsam und ansprechbar sein, um Notlagen rechtzeitig zu erkennen.“ Um die Handlungsfähigkeit der Behörde sicherzustellen „wurden zwei Teams gebildet, die isoliert voneinander arbeiteten und sich nicht begegnen durften“.

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Kontaktmöglichkeiten waren eingeschränkt

Die Corona-Pandemie hat die Jugendhilfe als auch der Beratungsstelle häusliche Gewalt vor neue Herausforderungen gestellt, auch weil deren Handlungsfähigkeit aufgrund des Kontaktverbotes monatelang eingeschränkt war. Familienhelfer aus den Hilfeeinrichtungen mussten mit Sorgeberechtigten oder Ansprechpartnern aus dem Umfeld der Betroffenen nach kreativen Kommunikationslösungen suchen, um den Kontakt zu den betreuenden Familien aufrecht zu erhalten.

Extra Hotlines während des Lockdowns

Nach Angaben von Hubert Schatz hatte die Schulsozialarbeit unter der Trägerschaft des Haus Nazareths eine Hotline für Kinder und Jugendliche eingerichtet. Auch die Beratungsstellen hätten eine Hotline eingerichtet, die auch außerhalb der sonst üblichen Geschäftszeiten erreichbar war. Diese Hotlines seien mittlerweile wieder eingestellt, „da nur noch sehr wenige Anrufe kamen“. Um mögliche Gefährdungen von Kindern abzuschätzen, hätten die Mitarbeiter auch während der Kontaktbeschränkungen weiterhin Hausbesuche durchgeführt, erläutert Hubert Schatz.

Hubert Schatz, Leiter des Fachbereichs Jugend beim Landratsamt Sigmaringen.
Hubert Schatz, Leiter des Fachbereichs Jugend beim Landratsamt Sigmaringen. | Bild: Landratsamt Sigmaringen

Keine Gewaltzunahme gegenüber Kinder im Kreisgebiet

Die Befürchtung einer Gewaltzunahme gegen Kinder hat sich im Landkreis Sigmaringen nicht bestätigt, so Schatz. Aber die Dunkelziffer der Gewalt gegen Kinder sei noch nicht absehbar, weil vieles erst auffalle, wenn alle Beschränkungen aufgehoben sind, so Schatz weiter.

Beratung vor allem am Telefon

Fabian Oswald, stellvertretender Pressesprecher des Landratsamtes, ergänzt, dass in den Beratungen die Fragen zu Trennung, Scheidung und Umgang im Fokus stehen. Während des Lockdowns (zwischen Mitte März und Ende Mai) erfolgten insgesamt etwa 550 Beratungskontakte, vorwiegend durch Telefonate und Mailverkehr, so Oswald weiter. Seit Juni fanden die rund 400 weiteren Beratungskontakte in 250 Familien hauptsächlich wieder persönlich statt.

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Beratungsstelle häusliche Gewalt

Auch die Beratungsstelle häusliche Gewalt der Caritas Sigmaringen hat auf das gestiegene Stresslevel in Familien seit Beginn der Corona-Krise reagiert. Leiterin Bettina Häberle hat sich anfangs gewundert, dass so gut wie keine Anfragen kamen. „Betroffene hatten wohl weniger die Möglichkeit, sich Hilfe zu organisieren oder zu fliehen“. Vornehmlich Frauen sind nach ihrer Erfahrung von häuslicher Gewalt betroffen. Bettina Häberle erläutert, dass sie Hilfe oftmals erst dann in Anspruch nehmen, wenn es ihnen gelingt, die eigenen vier Wände zu verlassen. Häberle ergänzt: „Dies war in Zeiten von Homeoffice und Kurzarbeit viel schwieriger, denn durch die Präsenz des dominanten Partners konnte dieser eine verstärkte Kontrolle ausüben“.