In den ersten Monaten der Corona-Pandemie war der Landkreis Sigmaringen ein Hotspot in Baden-Württemberg – die Zahl der Infizierten erhöhte sich stetig, ebenso die Anzahl der an Covid-19-Verstorbenen. In den vergangenen Monaten hat die Situation merklich entspannt, auch weil der Landkreis rasch handelte und viele Schutzmaßnahmen auf den Weg brachte. Vom 23. Mai bis 19. Juli ging die Zahl der Neuinfektionen bis auf Null zurück, mit Ausnahme von zwei Einzelfällen. Diese Zahl hat sich nun auf sieben erhöht, sowie allerorten die Infiziertenzahl sich erhöht und die Unsicherheit wächst.

Wie bereitet sich der Kreis auf eine mögliche zweite Infektionswelle vor?

Ist der Landkreis Sigmaringen auf eine mögliche zweite Infektionswelle gewappnet beziehungsweise wie bereitet man sich vor? Auf Anfrage des SÜDKURIER wiederholt Fabian Oswald, stellvertretender Sprecher des Landratsamtes, den Appell von Landrätin Stefanie Bürkle: „Damit die Zahlen nicht weiter steigen appellieren unsere Mediziner eindringlich an ihre Mitbürger im Landkreis, sich an die AHA Regel zu halten: Abstand – Hygiene – Alltagsmaske.“

Abstandsregeln und Quarantäneauflagen einhalten

Man wünsche sich, dass nach den Ferien alle Schüler wieder die Schulen besuchen, die Wirtschaft sich weiter erhole oder auch Veranstaltungen wieder stattfinden könnten. Voraussetzung hierfür sei aber, dass die Infektionszahlen weiter niedrig bleiben. Somit habe es jeder selbst ein Stück mit in der Hand, mit welchen Freiheiten oder auch Beschränkungen man in den nächsten Wochen und Monate leben werden. „Denn auch wenn wir im Landkreis Sigmaringen aktuell nur leicht steigende Infektionszahlen haben, zeigen die Beispiele aus anderen Landkreisen, wie rasch sich das Virus wieder ausbreiten kann, wenn Quarantäneauflagen nicht eingehalten oder Abstandsregeln oder das Maske-Tragen außer Acht gelassen werden“, mahnt Oswald namens der Behörde.

Bislang nur wenige infizierte Urlaubsrückkehrer

Durch die Lockerungen in den Kontaktbeschränkungen und insbesondere auch die Reisetätigkeit in der Hauptferienzeit sei wie überall mit einer gewissen Zunahme zu rechnen. Vermehrt gibt es nach den Beobachtungen des Landratsamtes aber warnende Beispiele, nach denen Personen die Regeln missachteten: „So treten auch im Kreis Sigmaringen nun vereinzelt Infektionen beispielsweise durch Urlaubsrückkehrer auf, die unser Gesundheitsamt in der Infektionskettenunterbrechung fordern.“

In der ehemaligen Oberschwabenkaserne in Mengen wurde für mehrere Wochen ein Testzentrum eingerichtet, in dem Bürger auf den Corona-Virus getestet wurden.
In der ehemaligen Oberschwabenkaserne in Mengen wurde für mehrere Wochen ein Testzentrum eingerichtet, in dem Bürger auf den Corona-Virus getestet wurden. | Bild: Volk, Siegfried
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Zusätzliche Kräfte beim Gesundheitsamt und „Containment Scout“

Hierfür ist nach Angaben des Pressesprechers das Gesundheitsamt gut vorbereitet. Zum einen, da das Team durch zusätzliche Mitarbeiter aus dem Landratsamt personell verstärkt wurde und bei Bedarf sofort weitere Kräfte aus der Kreisbelegschaft, die bereits geschult und eingearbeitet sind, aktiviert und zur Unterstützung hinzugezogen werden können. Zusätzlich sei derzeit im Gesundheitsamt ein sogenannter „Containment Scout“ beschäftigt, der die Kollegen beim Management von Kontaktpersonen unterstützt. Zum anderen weil durch die neue Teststrategie und die Ausweitung der Testkapazitäten Infektionsketten effektiver nachverfolgt und unterbrochen werden können.

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Vorrat an 500 000 MNS und 85 000 FFP2-Masken

Darüber hinaus sieht sich die Behörde in Sachen Schutzausrüstung für eine mögliche zweite Welle gut vorbereitet. Bereits im März wurde Ausrüstung gekauft, und dann an Kliniken, Arztpraxen, Pflegeheime und sonstigen Gesundheitseinrichtungen weitergereicht. An Schutzmasken hat der Landkreis insgesamt 175 000 Mund-Nasen-Schutzmasken und 75 000 FFP2 Masken ausgeliefert. Durch sehr hohe Zulieferungen durch das Sozialministerium verfügt der Kreis derzeit über einen Lagerbestand von 500 000 MNS und 85 000 FFP2 Masken, der zur weiteren Versorgung der Einrichtungen und teilweise als Bevorratung für den Fall eines wieder zunehmenden Infektionsgeschehens verwenden wird.

Gemeinsames Konzept zum Management von Coronafällen

Mit den Krankenhäusern und Pflegeheimen wurden gute Konzepte zum Management von Coronafällen und möglichen Ausbruchgeschehen erstellt, die sich bewährten. „Sollte es zu einem größeren Infektionsgeschehen oder zur zweiten Infektionswelle kommen, so können wir kurzerhand auch wieder unseren Verwaltungsstab einberufen“, erläutert Oswald. Diese Runde habe sich bereits im Frühjahr bewährt. Jeden Morgen stimmten sich dabei alle relevanten Institutionen über die zu treffenden Maßnahmen ab und sondierten die Lage. Hierzu gehörten neben der Verwaltungsspitze, unter anderem Vertreter der Gemeinden, Kliniken, Ärzteschaft, Rettungsdienste, Feuerwehr, Polizei und Bundeswehr.

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