Für sein herausragendes, jahrzehntelanges Engagement wurde Jürgen Tetzner am Sonntagabend beim Neujahrsempfang in der voll besetzten Stadthalle ausgezeichnet. Der Gemeinderat hatte ihm die goldene Verdienstmedaille der Stadt verliehen, die ihm Bürgermeister Thomas Kugler mitsamt Urkunde überreichte. Als Musterbeispiel eines engagierten, sozialen und verantwortungsvoll denkenden Mitbürgers, bezeichnete der Rathauschef den Geehrten, der 36 Jahre als Lehrer am Staufer-Gymnasium tätig war. Der profilierte Pädagoge engagiert sich seit Jahrzehnten in der evangelischen Kirche, war im Planungs- und Leitungskreis des Beschäftigungsprojekts "Werkstättle", war ehrenamtlicher Geschäftsführer des Kindertagheims und hat seit dem Zuzug der Asylbewerber das "Weltcafe'" als Begegnungsstätte mit initiiert. "Nicht nur Kinder und sozial Schwache lagen ihm am Herzen, sondern auch die Erwachsenenbildung im Bonhoeffer-Haus", listete Kugler das Engagement von Tetzner im dortigen Kuratorium auf. Im Sommer 2017 hatte der 68-Jährige für sein vielfältiges Engagement mit dem goldenen Kronenkreuz die höchste Auszeichnung der Diakonie in Baden erhalten. Im Gespräch mit dem SÜDKURIER schilderte Jürgen Tetzner seine große Überraschung, als ihn eine Woche vor Weihnachten der Anruf aus dem Rathaus erreichte, dass ihm vom Gemeinderat die höchste Auszeichnung verliehen worden war und er diese beim Neujahrsempfang erhalten sollte. "Das ist, ausgehend von meinem christlichen Menschenbild, eine Selbstverständlichkeit", antwortet er auf die Frage, nach der Motivation für sein ehrenamtliches Engagement. Von seinem Grundverständnis her, sei es selbstverständlich, denen zu helfen, die in Schwierigkeiten sind. Mit viel Beifall quittierten die Besucher diese seltene Auszeichnung.

Zu Beginn des Empfangs hatte Thomas Kugler an viele Ereignisse des Vorjahres wie Bundeswehrskandalschlagzeilen, Alno und viele Spatenstiche erinnert, und dann etliche zukunftsweisende Themen aufgelistet. In der Verwaltung werden bis 2019 altersbedingt mehrere Schlüsselpositionen vakant, und Kugler will den Mitarbeiterwechsel für eine Umorganisation nutzen. Für die Schulkonzeption wird ein Raum- und Funktionsprogramm erstellt. Auch für das neue Alten- und Pflegeheim wird eine Konzeption in Auftrag gegeben, und noch in diesem Jahr die Standortfrage entschieden. Der Feuerwehrbedarfsplan wird weiter abgearbeitet und für die Wehren mehrere Fahrzeuge gekauft. In mehreren Ortsteilen werden neue Baugebiete ausgewiesen.

Für die Belebung der Altstand wird es seitens der Stadt in diesem Jahr noch einmal eine Aktion geben, wobei der Rathauschef an die Bevölkerung appellierte, durch ihr Einkaufsverhalten mitzuhelfen, die noch bestehenden Geschäfte zu erhalten und nicht nur stupide den Angebotsverlust zu beklagen: "Meines Erachtens ist es eine Bürgerpflicht, unsere Einrichtungen und Angebote zu unterstützen." Gute Nachrichten hatte er für die Fußballspieler parat, denn der Kunstrasenplatz im Tiefental, der gemeinsam von den Vereinen der Kernstadt, Aach-Linz und Denkingen genutzt werden soll, wird realisiert. Die Sanierung der Grundschule am Härle wird nach vierjährige Umbauzeit beendet und auch die Sanierung des Dominikanerinnenklosters werde auf die Zielgerade einbiegen, versprach Kugler. Saniert wird auch das Entree zur Altstadt, die Straße "Am Alten Spital" und klare Worte fand der Bürgermeister zum Thema "Windenergie", das die Kommune in den nächsten Jahren nochmals stark fordern werde.

"Die bestehenden Anlagen sind meines Erachtens schon zu nahe an der Bebauung, und mit zehn weiteren Anlagen ist der Bogen bei Weitem überspannt", wiederholte Kugler seine ablehnende Haltung zu den Windkraftplänen zwischen Denkingen und Heiligenberg. Die Lacher hatte der Rathauschef auf seiner Seite, als er erklärte, dass mit 117 Geburten im Jahr 2017 das Rekordjahr 2015 mit 123 Geburten nicht erreicht wurde. "Ranhalten und Anschluss nicht verlieren", gab er als Motto für 2018 aus. Insgesamt sei die Kommune aber ein Zuzugsort und verzeichnete 2017 ein Bevölkerungswachstum von rund 120 Neubürgern. "Pfullendorf ist eine Stadt mit Zukunft", ist Kugler überzeugt, was nicht zuletzt am hohen ehrenamtlichen Engagement vieler Bürger und der Arbeit der 120 Vereine liege.

Für die Kirchen sprach der evangelische Pfarrer Hans Wirkner von einem bewegten Jahr, in dem die Kirchen vieles gemeinsam gemacht hätten. Er erinnere sich auch an Tränen, die entlassene Alno-Beschäftigte und freudige Gottesdienstbesucher beim Klang der neuen Glocken in der Christuskirche in den Augen hatten. Sorgenvoll blickt der Geistliche auf die stetig steigende Zahl an Kirchenaustritten. Für ruhige Momente sorgte das musikalische Duo Stefanie Menacher und Christoph Betz, bevor beim Stehempfang im Foyer die Trachtengruppe in bewährter Weise noch lange die Verköstigung der Besucher gewährleistete. Ein Gesprächsthema war der Gastvortrag von Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Stern-Chefredaktion, über den der SÜDKURIER noch berichten wird.

Der evangelische Pfarrer Hans Wirkner übernahm das Grußwort der Kirchen.
Der evangelische Pfarrer Hans Wirkner übernahm das Grußwort der Kirchen. | Bild: Kirsten Johanson
Oberst Carsten Jahnel nahm auch Stellung zu den Skandalvorwürfen 2017.
Oberst Carsten Jahnel nahm auch Stellung zu den Skandalvorwürfen 2017. | Bild: Kirsten Johanson

Oberst nimmt Stellung zu Skandalvorwürfen in der Staufer-Kaserne

Beim Neujahrsempfang ging Oberst Carsten Jahnel, seit 1. März Kommandeur der Staufer-Kaserne, auch auf die Skandal-Vorwürfe zu Jahresbeginn 2017 ein, die bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatten. Im Zuge der Ermittlungen seien fünf Soldaten entlassen worden, und die Staatsanwaltschaft habe mangels Anfangsverdacht bei einigen Vorwürfen gar keine Ermittlungen aufgenommen. "Es wurde Personal ausgetauscht und Strukturen verändert", ergänzte Jahnel, dass man intern Konsequenzen gezogen habe. "Es wird nichts unter den Teppich gekehrt", erklärte Jahnel zu den jüngsten Vorwürfen, die im Dezember öffentlichkeitswirksam präsentiert worden waren, und bei denen es unter anderem um Volksverhetzung ging. Die Staatsanwaltschaft Hechingen hatte aufgrund einer anonymen Anzeige ein Ermittlungsverfahren gegen einen Soldaten wegen Volksverhetzung und gegen dessen Dienstvorgesetzten wegen unterlassener Mitwirkung bei Strafverfahren eingeleitet. In der Strafanzeige wurde vorgebracht, dass der Soldat von seinem Dienstcomputer eine E-Mail samt Bilddatei verschickt habe, auf der das Eingangstor des Konzentrationslagers Auschwitz abgebildet sei, durch das Flüchtlinge strömen. "Hier ist für jeden von euch ein Platz", habe über dem Bild gestanden und der Dienstvorgesetzte habe nichts unternommen.

"Es wurde zeitgerecht ermittelt", versicherte Jahnel am Sonntagabend in der Stadthalle, und wie zur Bestätigung informierten gestern die Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium Konstanz in einer Pressemitteilung, dass die Ermittlungen keinen Nachweis über den Versand dieser E-Mail erbracht hätten und eine Strafbarkeit nicht festgestellt werden konnte. Einer der beiden Soldaten war vom Amtsgericht schon verurteilt worden, weil er 2016 eine Bilddatei verschickte, auf der Hakenkreuze zu sehen war. Sein Vorgesetzter hatte damals den Vorfall unverzüglich gemeldet, heißt es in der Mitteilung (siv)

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