Die Zahl ist beeindruckend: Im Jahr 2017 haben bundesweit 778 900, in Baden-Württemberg 86 005 und in Pfullendorf 2014 Menschen die „Auszeichnung für vielfältige Leistung auf dem Gebiet der Leibesübungen“ erworben. So heißt offiziell das Deutsche Sportabzeichen, das am 10. November 1912 von der Hauptversammlung des Deutschen Reichsausschusses für Olympische Spiele unter dem komplizierten Namen eingeführt wurde. Vorbild war das Schwedische Sportabzeichen (Idrottsmärke), das der Begründer des Sportabzeichens, Carl Diem, 1912 während der Olympischen Spiele in Stockholm kennengelernt hatte.

Philippe Kölliker führt die Liste mit 51 Sportabzeichen an

Mittlerweile ist das Sportabzeichen ein echter Renner im Freizeitsport und es gibt nicht wenige Sportbegeisterte, denen reicht ein einziges Sportabzeichen nicht. In Pfullendorf führt Philippe Kölliker die Hitliste mit 51 Sportabzeichen an. Helmut Rebholz (44) und Erhard Nowack (37) kommen gleich hinterher. Keine Frauen? Aber doch! Renate Nowack, Renate Pfeifer und Christel Ruppenthal haben bereits 35 Sportabzeichen in der Vitrine.

Team um Wilhelm Pfeifer organisiert Training und Abnahme

Wilhelm Pfeifer kann auf 28 Teilnahmen zurückblicken. Er ist mittlerweile der „Oberboss“ der Mannschaft des Turnvereins Pfullendorf, die jedes Jahr Training und Endabnahme für das Sportabzeichen organisiert. Die Ehrenamtlichen scheinen das sehr gut zu machen. Denn wenn man beim Training in der Geberit-Arena vorbeischaut und mit Teilnehmern spricht, kommt von ihnen ganz viel Lob.

Sportabzeichen für Bewerbung gefordert

So auch von den 18-jährigen Zwillingen Jann und Kai Butzengeiger aus Sigmaringen. Die beiden Schüler haben sich für Pfullendorf als Trainingsort entschieden, „weil die Leute hier echt sehr nett und hilfsbereit sind“. Wobei die beiden 18-Jährigen nicht so ganz freiwillig trainieren. Sie haben sich als Berufswunsch Polizei, Feuerwehr oder Zoll vorgenommen. Und da wird das Deutsche Sportabzeichen für die Bewerbung gefordert. Tim Menzel studiert in Stuttgart Maschinenbau und ist bereits zum dritten Mal dabei. Der Otterswanger hat einfach Spaß an der Sache. „Es ist abwechslungsreich und du hast gewisse Freiheiten“, wie er sagt. Diese betreffen vor allem die Disziplinen, die man absolvieren muss.

Tim Menzel trainiert schon zum dritten Mal für das Sportabzeichen. Weitsprung ist immer dabei.
Tim Menzel trainiert schon zum dritten Mal für das Sportabzeichen. Weitsprung ist immer dabei. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Disziplinen aus verschiedenen Kategorien wählbar

Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Koordination und Schwimmfertigkeit werden gefordert. Eigentlich Dinge, die man auch im Leben außerhalb eines Stadions brauchen kann. In den einzelnen genannten Gruppen kann man sich dann für die Disziplinen entscheiden, die mehr den eigenen Fähigkeiten entsprechen.

Ausdauer oder Schnelligkeit gefordert

Beim Radfahren kann man wählen, ob man 20 Kilometer (Ausdauer) oder nur 200 Meter (Sprint) absolvieren möchte. Und so ist es auch mit anderen Sportarten. Die Entscheidung zwischen Ausdauer und Schnelligkeit kann jeder Teilnehmer selbst treffen. Welche Leistungen zu erzielen sind, das hängt vom Alter ab. So haben in Pfullendorf im vergangenen Jahr auch 133 Jugendliche mitgemacht. Sogar acht Familien mit bis zu sechs Mitgliedern waren mit dabei.

Abzeichen in Bronze, Silber und Gold

Je nach erreichter Punktezahl gibt es das Sportabzeichen in Bronze, Silber oder Gold. Trainiert wird von Mai bis September. Radfahren, Schwimmen (hier genügt auch ein Leistungsnachweis wie ein Schwimmabzeichen), Kugelstoßen, Medizin- oder Schleuderball, Weitsprung, Hochsprung, verschiedene Laufdisziplinen und Turnen müssen absolviert werden.

Lässt einer das Training schleifen, wird er per Mail erinnert

Die Frage, wie man da den Durchblick behalten soll, die ist in Pfullendorf mit einem Namen zu beantworten: Willi Pfeifer. Er führt genau Buch, schreibt E-Mails, wenn jemand das Training schleifen lässt und teilt auch Punktestände mit. „Das ist einfach super“, sagen viele Freizeitsportler. Denn da könne man sich voll auf das Training konzentrieren und brauche nicht selbst Buch zu führen.

Das Deutsche Sportabzeichen wurde übrigens mit Artikel 4 des Ordenerlasses vom 4. Juli 1958 durch Bundespräsident Theodor Heuss staatlich anerkannt und ist durch das Gesetz über Titel, Orden und Ehrenzeichen ein geschütztes Ehrenzeichen. Es darf grundsätzlich an staatlichen Uniformen in Deutschland getragen werden, so in der Bundeswehr am Dienstanzug als Bandschnalle.

Video: Karlheinz Fahlbusch

"Anforderungen sollten vielleicht angepasst werden"

Willi Pfeifer, beim Turnverein Hauptverantwortlicher für das Sportabzeichen
Willi Pfeifer, beim Turnverein Hauptverantwortlicher für das Sportabzeichen | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Wilhelm Pfeifer ist 71 Jahre alt und seit 1990 der Hauptverantwortliche beim Turnverein für das Sportabzeichen.

Was macht die Faszination Sportabzeichen aus?

Die Vielseitigkeit der Sportarten. Da gibt es für jeden die geeignete Sportart.

Treiben Sie selbst Sport?

Ja, regelmäßig. Einmal die Woche Gymnastik und Ballspiele bei den TV-Montagsmännern, wöchentlich eine Stunde walken und zwei bis zweieinhalb Stunden im Sportcenter, gelegentlich Radfahren und Schwimmen. Außerdem bin ich in Pfullendorf nur zu Fuß unterwegs.

Hat das Deutsche Sportabzeichen Zukunft?

Ja, mit Fragezeichen. Trotz der Rückläufigkeit der Teilnehmerzahlen – beim Badischen Sportbund ging die Zahl von 13 485 im Jahr 2016 auf 12 660 im Jahr 2017 zurück – wird das Sportabzeichen weiterhin Bestand haben. Da in der Masse auch Freizeitsportler, die wenig oder selten Sport betreiben, das Sportabzeichen ablegen wollen, sollten vielleicht die Einstiegsleistungsanforderung angepasst werden. So sind 4,50 Meter im Weitsprung für einen 18- oder 19-Jährigen nicht von der Hand zu weisen.

"Anforderungen anpassen"

Wilhelm Pfeifer ist 71 Jahre alt und seit 1990 der Hauptverantwortliche beim Turnverein für das Sportabzeichen.

Was macht die Faszination Sportabzeichen aus?

Die Vielseitigkeit der Sportarten. Da gibt es für jeden die geeignete Sportart.

Treiben Sie selbst Sport?

Ja, regelmäßig. Einmal die Woche Gymnastik und Ballspiele bei den TV-Montagsmännern, wöchentlich eine Stunde walken und zwei bis zweieinhalb Stunden im Sportcenter, gelegentlich Radfahren und Schwimmen. Außerdem bin ich in Pfullendorf nur zu Fuß unterwegs.

Hat das Deutsche Sportabzeichen
Zukunft?

Ja, mit Fragezeichen. Trotz der Rückläufigkeit der Teilnehmerzahlen – beim Badischen Sportbund ging die Zahl von 13 485 im Jahr 2016 auf 12 660 im Jahr 2017 zurück – wird das Sportabzeichen weiterhin Bestand haben. Da in der Masse auch Freizeitsportler, die wenig oder selten Sport betreiben, das Sportabzeichen ablegen wollen, sollten vielleicht die Einstiegsleistungsanforderung angepasst werden. So sind 4,50 Meter im Weitsprung für einen 18- oder 19-Jährigen nicht von der Hand zu weisen.