Pfullendorf – Majestätisch gleiten die mächtigen japanischen Koikarpfen durch das klare Teichwasser. Sie beeindrucken durch ihre Größe und das faszinierende Farbspiel: Es gibt rot-weiße, schwarz-weiße, schwarz-rote, gelbe, silbergefleckte und orange getupfte Kois. Moby Dick, der einen halben Meter lang ist, ist eindeutig der Größte. "Namen haben nur meine Lieblinge", erklärt Jörg Schmieder aus Pfullendorf. Der gelbe Benno, der schon 16 Jahre bei dem 48-Jährigen lebt und unglaublich zahm ist, der weiße Moby Dick und Mopsi. Mopsi ist nicht nur seinem Namen nach entsprechend üppig, was bei Kois ein Idealbild ist, sondern auch zahm: Bei seinem Halter nuckelt er am Finger.

Seine Gefährten sind ebenfalls zutraulich, aber eben nur bei ihnen bekannten Menschen. "Kois sind nicht doof, die kennen ihre Leute", erklärt Jörg Schmieder. In seinem Berufsleben leitet der in Lautenbach die Betonwerkstatt. Seine Leidenschaft für Kois entstand schrittweise: Angefangen hat alles mit einem Folienteich mit Schleierschwänzen, unter die sich der gelbe Koi Benno verirrt hatte. Doch irgendwann war ein Riss in der Teichfolie und Jörg Schmieder und sein Vater, mit dem er sich das Hobby Koihaltung bis heute teilt, mussten sich entscheiden, ob sie den Teich zuschütten oder neu machen: "Wir haben dann gesagt, machen wir es ordentlich, und haben uns genau informiert." Die Männer lasen Koifachbücher, erkundigten sich beim Fachhändler und Experten Koigarten Müller bezüglich des Filters und besorgten sich Wasser aus einem Baggersee, damit weniger Chlor und mehr nützliche Bakterien im Wasser seien. "Man kann als Laie so viel falsch machen, das glaubt man gar nicht", warnt der erfahrene Koihalter, der vor 15 Jahren den Teich neu richtete.

Auch sind die Zierkarpfen nicht so anspruchslos in der Haltung, wie oft behauptet wird: Sie brauchen viel Platz. Bei dem Pfullendorfer schwimmen 13 große und zehn kleine Kois in 36 Kubikmetern Wasser umher. Sein Teich ist zwei Meter tief, Kois brauchen mindestens 1,60 Meter Wassertiefe. Auch ein guter Filter ist nötig, damit die Wasserqualität stimmt. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Lage des Teiches: Er sollte nicht komplett im Schatten liegen, aber ein paar schattige Stellen haben, damit die Fische sich im Sommer der Sonne entziehen können. Auch um die Kois vor Katzen und Reihern zu schützen, müssen Maßnahmen ergriffen werden. Dazu kommen die im Laufe der Zeit anfallenden Wartungsarbeiten. "Mit einem Teich hat man immer was zu tun", erläutert Jörg Schmieder. Die Kois werden zweimal täglich mit proteinarmer Nahrung gefüttert, im Sommer müssen alle 14 Tage die Filterbürsten gereinigt, im Herbst muss ein Netz gespannt werden, das das Laub auffängt. Nur im Winter hat der Koihalter frei.

Doch die Arbeit lohnt sich, denn Kois begeistern ihre Halter. "Mich fasziniert, dass sie so zahm werden und absolute Ruhe ausstrahlen", schwärmt ihr Besitzer. Außerdem seien die individuelle Farbgebung und die Jahrtausende alte Geschichte der Kois besonders interessant. "Im Sommer sitze ich gerne eine Stunde abends am Teich und komme zur Ruhe", erzählt er. Besonders viel Spaß macht es, die Kois zu streicheln, denn seine Kois genießen das wie Katzen. Schwer ist es für den Halter allerdings, wenn die Fische krank sind: Denn bei Fischen können viele Tierärzte kaum helfen. "Da ist man dann auf sich allein gestellt und natürlich lassen Kois sich nicht leicht behandeln", klagt Jörg Schmieder.

Deshalb sei es wichtig, dass man Kontakte zu einem Fachmann hat, der einen richtig berät. Denn wenn Kois gut gehalten werden, werden sie nicht nur so zahm wie Mopsi und Benno, sondern auch sehr alt: Bis zu 60 Jahre können die japanischen Zierkarpfen werden.

Die bunten Koi-Karpfen

Kois (Cyprinus carpio) sind Karpfenfische, die es in mehr als 100 verschiedenen Farbschlägen gibt. Koi bedeute auf japanisch bunter Karpfen. Das Vaterland der Koizucht ist Japan, von dort stammen die schönsten Kois. Entsprechend sind Kois eigentlich an wärmere Temperaturen gewöhnt, aber dank ihrer Anpassungsfähigkeit können sie in Teichen, die tief genug sind (etwa 1,60 Meter) überwintern, vorausgesetzt, für die Sauerstoffzufuhr ist gesorgt. Füttern sollte man die Karpfen jedoch erst ab einer Wassertemperatur von zehn Grad. Kois sind Allesfresser, die am Teichboden nach Nahrung gründeln. Dennoch sollte man mit proteinarmem Futter aus dem Fachhandel zufüttern. (mal)

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