Einen knappen Monat nach der Nachricht vom endgültigen Aus dürfen die Beschäftigten des insolventen Küchenbauers Alno wieder auf Rettung hoffen. Der britische Investor Riverrock hat für rund 20 Millionen Euro wesentliche Teile des Unternehmens wie Maschinen, Grundstücke und auch die Markenrechte übernommen. So bald wie möglich sollen in Pfullendorf wieder Küchen produziert werden, wie Insolvenzverwalter Martin Hörmann am Dienstag mitteilte. Der Kaufvertrag sei bereits unterschrieben, es müssten aber noch einige Bedingungen erfüllt werden.

Riverrock hatte Alno nach der Insolvenz einen Massekredit über sechs Millionen Euro gewährt und damit dazu beigetragen, dass der Geschäftsbetrieb zumindest zunächst aufrecht erhalten werden konnte. Der Investor ist nach eigenen Angaben auf mittelständische Unternehmen in Europa und insbesondere in Deutschland spezialisiert. „Das passt perfekt zu Alno“, sagte Hörmann. Ein Vertreter habe bei der Versammlung deutlich gemacht, dass Riverrock daran glaube, mit der Küchenproduktion Geld verdienen zu können, betonte Hörmann und sprach von einer „eindeutigen Fortführungslösung“.

Hörmann warnt vor zu großer Euphorie

410 Mitarbeiter will die Neue Alno GmbH, so der künftige Name, beschäftigen. Wann es losgeht, ist noch unklar und hängt ebenfalls davon ab, ob und wann die im Kaufvertrag genannten Bedingungen erfüllt werden können. So muss unter anderem der Gläubigerausschuss dem Geschäft noch zustimmen. Außerdem soll für eine Übergangsphase Kurzarbeitergeld für die Beschäftigten bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden. Dass es gewährt wird, ist den Angaben zufolge eine weitere Bedingung. Hinzu kommt die Gründung einer Transfergesellschaft, in die alle Mitarbeiter wechseln sollen, die nicht von der Neuen Alno übernommen werden. Hörmann warnte daher auch vor zu großer Euphorie, bis die Bedingungen erfüllt seien. „Erst dann können wir aufatmen“, sagte er.

Alno hatte im Juli einen Insolvenzantrag gestellt und später aus Geldmangel die Produktion eingestellt. Weil sich kein Käufer fand, hatte Hörmann vor knapp einem Monat das Aus für den Küchenbauer und die Entlassung aller Mitarbeiter verkündet. Nur maximal 60 sollten zunächst bleiben, um spezielle Aufgaben bei der Abwicklung des Unternehmens zu übernehmen. Rund 400 waren zu diesem Zeitpunkt schon freigestellt, 170 waren übrig, um für den Verkaufsprozess nötige Arbeiten zu erledigen.

Das auf das Billigsegment spezialisierte Alno-Tochterunternehmen Pino aus Coswig (Sachsen-Anhalt) war schon Anfang Oktober an eine Investorengruppe um Marktführer Nobilia aus Ostwestfalen verkauft worden. Für die andere Tochter Wellmann aus Enger in Nordrhein-Westfalen bleibt es beim endgültigen Aus.

Wer steckt hinter Riverrock?

Riverrock ist vor allem eins: Eine große Unbekannte. Ein Wikipedia-Eintrag oder eine deutsche Homepage existieren nicht. Fragt man direkt bei Riverrock an, bekommt man zur Antwort, dass sich Riverrock nicht zu seinem Alno-Gebot äußern möchte. "Zu einem passenden Zeitpunkt sind wir gerne bereit mit Ihnen zu sprechen", heißt es weiter.

Im Internet findet man zumindest die Information, dass Riverrock eine britische Investmentgesellschaft ist, die im Jahr 2009 gegründet wurde. Sie hat sich auf die sektorübergreifende Finanzierung von kleinen und mittelständischen europäischen Firmen spezialisiert. Zur Riverrock-Holding gehören mehrere Fonds, die sich auf verschiedene Regionen spezialisiert haben.

Der European Opportunities Fund II, welcher sich für Alno interessiert, wurde 2015 ins Leben gerufen. "Der Fonds investiert in Unternehmen, deren Kapital knapp ist, die aber über ein starkes fundamentales Geschäft verfügen", heißt es auf der Riverrock-Homepage. Manager dieses Fonds ist Jason Carley, der zuvor bei der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch gearbeitet hat.

Hinter Riverrock steckt der deutsche Unternehmensberater Roland Berger, einer von vier Riverrock-Gesellschaftern. Im Aufsichtsrat sitzt unter anderem der ehemalige Wirtschaftsminister Wolfgang Clement.
Riverrock gilt in Branchenkreisen als aktiver Investor, der nicht nur Kapital zur Verfügung stellt, sondern auch aktiv ins Management eingreift. Zum Geschäftsmodell von Riverrock gehört es, sich nach einiger Zeit wieder von den aufgekauften Firmen zu trennen. So kaufte Riverrock 2014 den bayerischen Verpackungshersteller ES-Plastic, um ihn in diesem Jahr wieder zu verkaufen.