Auf Sonnenrain und Vogelsang folgen Flieder- und Rosenweg, die naturnahen Straßennamen sind eine passende Einstimmung für den Besuch bei Erwin und Gisela Schmucker. Das Ehepaar wohnt seit 1970 im Rosenweg und nennt einen rund 500 Quadratmeter großem Garten sein eigen. Beide haben früher bei Alno gearbeitet und genießen mittlerweile ihr Rentnerleben. Dieser Tage sind die Enkel Anna und Jakob zu Besuch. Das erklärt die Schaukel und das Mini-Trampolin auf dem Rasen. Die heißen Tage der vergangenen Wochen haben auch hier für dürres Gras gesorgt. „Es sieht momentan etwas verwahrlost aus, wir waren ein paar Tage verreist und müssen nun alles wieder auf Vordermann bringen“, sagt die 71-Jährige. „Es ist nicht so, dass ich mich jetzt dem Garten mehr widme, wie vor der Rente. Die Gartenarbeit würde ich auch nicht als Hobby bezeichnen, sie ist mein Ausgleich.“

Gisela und Erwin Schmucker auf der kleinen Brücke über ihrem Teich.
Gisela und Erwin Schmucker auf der kleinen Brücke über ihrem Teich.

Bei ihr und ihrem Mann herrscht Arbeitsteilung. Gemüsebeet und Blumen sind der Wirkungsbereich von Gisela Schmucker. Ohne es beabsichtigt zu haben, dominieren in den Beeten je nach Jahreszeit bestimmte Farben. Im Frühling, wenn Forsythien, Narzissen und Tulpen blühen, herrscht Gelb vor. Es folgen Blau – etwa in Form von Kornblumen und Rittersporn – sowie Rosa-Violett mit Pfingstrosen, Geranien, Wicken, Hibiskus und Akelei. Sie hat den grünen Daumen, wie man so schön sagt. Das sieht man übrigens auch im Wohnzimmer. Auf der Fensterbank stehen jede Menge Grünpflanzen. „Die habe ich zum Großteil selber aus Stecklingen gezogen. Nur mit Orchideen habe ich kein Glück.“

Erwin Schmucker mäht den Rasen und sticht die Rasenkanten zu den Beeten ab. Zwei Mal im Jahr düngt er den Rasen, im Herbst wird Kompost in die Beete eingearbeitet. Doch abgesehen davon kommen weder Dünger noch Pestizide zum Einsatz. „Wir spritzen und düngen nicht, was wächst, das wächst“, ist die pragmatische Einstellung der beiden.

Die robuste Hauswurz kommt gut mit Hitze und Trockenheit zurecht.
Die robuste Hauswurz kommt gut mit Hitze und Trockenheit zurecht.

Erwin Schmucker ist zudem für das Schneiden der Hecken und Sträucher zuständig. Davon gibt es reichlich. Das Grundstück ist auf der einen Seite von einer hohen Thujahecke begrenzt. Das Schneiden der Thuja erledigt Erwin Schmucker einmal im Jahr. „Früher war die Hecke noch höher, ich habe sie auf Garagenhöhe runtergekürzt“, erzählt er. Die Wand der Garage ist von wildem Wein bedeckt, dessen Laub sich im Herbst herrlich verfärbt. Roter Hartriegel, Ebereschen, Forsythien, Fieder, Perückenstrauch, Buchs und Eibe wachsen dicht an dicht. Ein Blickfang ist der Hibiskus, der die Ausmaße eines kleinen Baumes hat. „Ich habe es gerne eingewachsen. Mein Elternhaus war ganz freistehend, doch ich mag es lieber so“, erzählt Gisela Schmucker. Handwerklich begabt hat ihr Mann auch die Schieferplatten auf der Terrasse verlegt und das Gartenhäuschen für das Gartenwerkzeug und die Spielsachen der Enkel gebaut. Ein 46 Jahre alter Kirschbaum beschattet das Gartenhäuschen, wo ein weiterer Sitzbereich eingerichtet wurde. Unter dem Fenster der Laube leuchten die orangenen Blüten der Kapuzinerkresse. „Die schmecken lecker“, findet Anna, die sechsjährige Enkeltochter. Vor dem Gartenhaus haben Schmuckers einen Sitzplatz eingerichtet, an dem sie im Naturschatten des Baumes solche Arbeiten erledigen wie Erbsen palen. Relaxt wird dagegen im gelb-weißen Strandkorb, ein Geschenk zum 70. Geburtstag von Erwin Schmucker. „Wir sind Ostseefans!“

Eine Kaktusblüte nebst Knospen aus der Nähe betrachtet.
Eine Kaktusblüte nebst Knospen aus der Nähe betrachtet.

Der Sommerflieder (Buddleja) lockt Schmetterlinge an. Wasserschnecken, Goldfische, Molche und Libellen fühlen sich am und im Teich wohl, der von zwei kleinen Brücken überspannt wird. Binsen, Schilf und andere Gräser wachsen hier. In Tontöpfen schmiegen sich Hauswurz dekorativ aneinander. „Mit Seerosen haben wir es auch schon probiert, aber das hat nicht so gut geklappt.“ Im Gemüsegarten werden Möhren, Zucchini, Salat und Kartoffeln angebaut. Zum Naschen verlocken Himbeeren, Pflaumen, Trauben und Stachelbeeren. Im Gewächshaus reifen die Tomaten und auf dem Kompost werden die Zierkürbisse immer dicker.

Der Strandkorb war ein Geschenk zu Erwin Schmuckers 70. Geburtstag.
Der Strandkorb war ein Geschenk zu Erwin Schmuckers 70. Geburtstag.

Könnte sie eine Pflanze in den Garten zaubern, würde sich Gisela Schmucker für eine Palme entscheiden. „Im Überlinger Stadtgarten gibt es so schöne Kakteen und Palmen“, schwärmt sie. Eine Palme kann ja noch kommen, Kakteen haben im Rosenweg schon viele Einzug gehalten. Es dürften über 100 sein, alle selbst gezogen. Im Sommer stehen diverse Kakteengewächse draußen im Freien und zeigen ihre prächtigen Blüten, zum Überwintern kommen die Töpfe in die Waschküche.

Gartensteckbrief

von Gisela Schmucker

  1. 1Mein Lieblingsplatz: „Der kleine Teich mit seinen zwei Brücken gefällt mir besonders gut. Die erste Brücke habe ich zum 50. Geburtstag bekommen, die zweite anlässlich meines 70. Geburtstags.“
  2. 2Mein Traum: „Wäre das Grundstück größer, hätte ich eine schöne Ecke nur mit Wildblumen und Wildkräutern.“
  3. 3Mein Pflege-Tipp: „Kakteen braucht man kaum gießen, ich gebe ihnen alles sechs Wochen etwas Wasser. Staunässe bekommt ihnen gar nicht.“ Zum Gießen verwendet sie das in Fässern gesammelte Regenwasser.

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