Im Jahr 2017 war Pfullendorf ziemlich oft in den bundesweiten Schlagzeilen. Bundeswehrskandal, Alno-Turbulenzen. Wie erging es Ihnen, wenn die Stadt immer wieder für Negativ-Schlagzeilen sorgte?

Solche Schlagzeilen braucht niemand.

Es scheint, dass bei Alno doch nicht die Lichter ausgehen? Wie sehen Sie die aktuelle Wendung und wie sind Sie als Bürgermeister in Investorengespräche etc. eingebunden?

Mit der Geschäftsführung war ich in den vergangenen Monaten immer im Gespräch und auch über die Agentur für Arbeit und über das Wirtschaftsministerium bin ich eingebunden. Über die aktuelle Entwicklung, also dem Einstieg von Riverrock, wurde ich am Wochenende vorher informiert. Die Kommunikation mit den handelnden Personen hat gestimmt.

Wird, beziehungsweise kann sich die Stadtverwaltung überhaupt an der künftigen Entwicklung des riesigen Alno-Areals beteiligen? Wenn ja, in welcher Form?

In dieser Woche hat es ein Gespräch mit der Geschäftsführung der „Neuen Alno GmbH“ gegeben, wobei Andreas Sandmann mein Ansprechpartner war. Dabei geht es Bauleitplanungen und das aktive Vermarkten des großen Areals. Riverrock hat das gesamte 32 Hektar große Gelände gekauft, aber die „Neue Alno“ wird ja nur einen Teil des Areals nutzen; einige Gebäude werden wohl nicht mehr gebraucht.

Dann verfügt Pfullendorf ja über weitere Industrieflächen und kann ansiedlungswilligen Firmen viel Fläche anbieten?

Im Prinzip richtig, aber das Betriebsgelände ist eine enorme Herausforderung. Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Ver- und Entsorgungsleitungen und es kostet Millionen Euro, diese zu entflechten. Die Vermarktung in Teilbereiche wäre sehr schwierig.

Die Neugestaltung des Bahnareals wird immer offensichtlicher. In diesem Jahr war Baubeginn für das neue Hotel und den Sanierungsstart beim Bahnhofsgebäude. Wie sieht es mit den restlichen Flächen aus?

Wir haben noch eine Restfläche von 9000 Quadratmetern, wobei wir seit einigen Wochen im Gespräch mit einem Investor sind, der 3500 Quadratmeter kaufen und eine Art Dienstleistungszentrum bauen will.

Mit dem neuen Seniorenwohneheim am Stadtsee wurden zusätzliche Wohneinheiten für ältere Bewohner geschaffen. Aber der Bedarf wächst weiter – gibt es Überlegungen seitens der Stadt, diesen Bedarf abzudecken?

Wir haben ja den Ersatzbau für das spitälische Alten- und Pflegeheim beschlossen, wobei als Standorte der Stadtgartenvorplatz und die Fläche unterhalb des Krankenhauses geprüft werden. Und für das geplante Betreute Wohnen auf dem „Bihl-Areal“ ist diese Woche das Baugesuch eingegangen.

Auch in Pfullendorf wird bezahlbarer Wohnraum für Normalverdiener knapp. Könnte nicht die Stadt den sozialen Wohnungsbau ankurbeln?

Das ist ein ganz wichtiges Thema, denn es gibt einen großen Bedarf. In der Klausurtagung des Gemeinderates im Oktober herrschte Einigkeit, dass wir hier aktiv werden müssen.

Könnte die Stadt nicht als kommunaler Bauträger auftreten?

Nein, das würde zu viel Kapital erfordern. Eine Idee wäre, den Wohnungsbestand des Spitalfonds zu sanieren und dort preisgünstigen Wohnraum anzubieten. Möglich wäre auch, die Immobilien zu verkaufen und das Geld als Grundstock für den sozialen Wohnungsbau zu verwenden. Dies werden wir 2018 auf alle Fälle entscheiden müssen, wie wir da weiter machen.

Im nächsten Jahr wird die Grundschule am Härle endlich fertig, was die Kommune letztlich rund sieben Millionen Euro kosten wird. Gleichzeitig entwickelt sich die Sanierung des Dominikanerinnenklosters zu einer millionenteuren Baustelle. Verführt die sprudelnde Gewerbesteuer womöglich die Stadtoberen zu kostspieligen Projekten?

Ein klares Nein. Die Klostersanierung war nie auf unserer Agenda. Geplant war eine statische Ertüchtigung, für die eine Million Euro im Haushalt vorgesehen war. Aber, es ist einfach so, wenn man ein altes Gebäude öffnet, dann tun sich viele, viele Baustellen auf. Bei der Grundschule am Härle kommen wir auf 9,5 Millionen Euro Gesamtkosten. Ein Neubau wäre sicher günstiger gekommen. Aber, was ist mit der Infrastruktur wie Hallenbad und Sportplatz? Und der Gemeinderat wollte eine Schule in der Stadtmitte behalten. Ich weiß, der Umbau verlangt Kindern, Eltern und vor allem den Lehrern viel ab. Aber zwischen Ostern und Pfingsten werden wir ein großes Einweihungsfest feiern und nun haben wir moderne Unterrichtsräume und Medientechnik, eine Mensa, sämtliche Altlasten saniert und dann hoffentlich für viele Jahre Ruhe.

Wie steht es um den Ersatzbau für das marode Kindertagheim?

Das Tagheim wird evtl. am bisherigen Standort des Kindergartens am Stadtgarten entstehen, für den bekanntlich im „Roßlauf“ ein neuer Kindergarten gebaut wird. Die Kosten für das Tagheim sollen laut Vertrag im Verhältnis 70:30 zwischen Stadt und der evangelischen Kirche aufgeteilt werden, wobei wir hier nochmals verhandeln müssen. Pfarrer Hans Wirkner ist die Nähe zur Christuskirche wichtig. Eine Standortalternative wäre auch eine Fläche beim Stov-Areal, das der Stadt bereits gehört.

Gibt es schon Pläne für das 800-jährige Stadtjubiläum im Jahr 2020?

Wir haben verwaltungsintern einen Arbeitskreis gegründet und im Haushalt 2019/2020 werden Mittel eingestellt. Es ist kein großer Festumzug geplant, aber einige Veranstaltungen. Möglich wäre vielleicht auch ein Theater wie in Großschönach. Im ersten Quartal 2018 werden wir auf Vereine, Kulturschaffende und andere wegen der Mitwirkung am Jubiläum zukommen.

Auf welches Problem hätten Sie 2017 gerne verzichtet?

Auf die Schlagzeilen zu Alno und zur Bundeswehr. Insgesamt war 2017 ein gutes Jahr, ein Jahr der Richtfeste und Spatenstiche.

Welche Schlagzeile würden Sie 2018 gerne im SÜDKURIER lesen?

Der Neuanfang bei Alno läuft besser als erwartet.

Fragen: Siegfried Volk

 

Zur Person

Der 57-jährige Thomas Kugler ist seit 2007 Bürgermeister der Stadt. Der dreifache Familienvater wurde 2014 im Amt bestätigt und war zuvor 16 Jahre Bürgermeister der Gemeinde Sauldorf. Kraft Amt ist er unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der Sparkasse Pfullendorf-Meßkirch. Vor drei Jahren wurde er zudem zum Vorsitzenden des Regionalverbandes Bodensee-Oberschwaben gewählt.

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