Zwei besondere technische Kostbarkeiten im Freilichtmuseum des Kreises Tuttlingen in Neuhausen stehen jeweils am Pfingstmontag im Zentrum des Museumsprogramms. An diesem Tag werden bundesweit Mühlen vorgestellt. Seit 25 Jahren beteiligen sich die Neuhausener an diesem Mühlentag. Das Museum verfügt über eine Hochgangsäge aus Unterkirnach im Schwarzwald und die kleinere Hofmühle vom Hochbrunner Hof bei St. Georgen. Beide sind voll funktionsfähig.

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In dieser Welt von früher ist Christian Pierstorff heimisch. Der Mühlenspezialist hatte am Montag alle Hände voll zu tun, um abwechselnd die Hochgangsäge und die Hofmühle in Betrieb zu halten. Alleine dabei blieb es nicht. Pierstorff verfügt über eine Menge Hintergrundwissen. So konnte er nicht nur die vielen Fragen der Besucher nach einzelnen technischen Details beantworten, sondern zeigte sich auch über den sozialen und geschichtlichen Hintergrund informiert.

Einige Redensarten stammen noch aus dieser Zeit

Wie wurde der Müller eigentlich bezahlt? Christian Pierstorff hatte in der Hofmühle einige Hohlmaßbehälter, die sogenannten Scheffel, bereit: „Jeder siebte gefüllte Scheffel stand dem Müller als Lohn zu.“ Damit es nicht zum Streit zwischen dem Müller und dem Landwirt kam, wurden die Anzahl der abgemessenen Scheffel auf einem Holz mit jeweils einer Kerbe gekennzeichnet. Daher komme die heute noch verwendete Redensart vom Kerbholz, erläuterte der Mühlenexperte.

Bis der letzte Rest aus dem Schlauch verschwunden war

Eine andere Redensart hat ebenfalls ihren Ursprung im Mühlenwesen. Wenn sich jemand „arg gebeutelt fühlt“, erinnere das an eine Vorrichtung in der Mühle, bei der der Schlauch, durch den das fertige Mehl rieselt, mit einem Holzstab geschlagen wird, bis der letzte Rest Mahlgut aus dem Schlauch verschwunden war, so Pierstorff.

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In diesem Jahr wurde in Neuhausen zum ersten Mal ein „Göpel“ vorgestellt. Das ist eine Art Energieerzeugung für landwirtschaftliche technische Geräte ohne Strom- und Motorantrieb – Ochsen, Pferde oder Menschen mussten sich dafür in Bewegung setzen. Wie die beiden Mühlen ist die Museumskraftmaschine in bestem Zustand und könnte jederzeit in Betrieb genommen werden. Das erläuterte Rainer Liehner, der beim Stichwort Göpel sachkundige Museumsmitarbeiter: „Wir haben heute keine Tiere da, Besucher können sich aber mal selbst bewegen und die Kraftmaschine in Gang setzen.“

Mühlenmärchen, wie das vom Rumpelstilzchen, erzählt von Sigrid Maute (rechts), gehörten zum Programm des Mühlentages am Pfingstmontag im Freilichtmuseum Neuhausen.
Mühlenmärchen, wie das vom Rumpelstilzchen, erzählt von Sigrid Maute (rechts), gehörten zum Programm des Mühlentages am Pfingstmontag im Freilichtmuseum Neuhausen. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Der Regen machte dieser Freiluftvorführung am Montag allerdings einen Strich durch die Rechnung. Wer sich von technischen Details versorgt fühlte und den Regentropfen entgehen wollte, fand bei Sigrid Maute vorübergehendes Exil. Die Märchenerzählerin aus Balingen unterhielt immer wieder kleine Gruppen von Besuchern in einer der gemütlichen Bauernstuben mit Märchen rund um die Mühle und ihre Bewohner.

Regen sorgt für weniger Besucher

Am Mühlentag kamen rund 500 Besucher. Museumsleiterin Almut Grüner sagte: „Das waren zwar weniger als in den Vorjahren. Aber das lag am Regen.“