Der Haldenhof, eines der Glanzstücke im Gebäudebestand des Freilichtmuseums (FLM) des Kreises Tuttlingen in Neuhausen ob Eck, wirkt im spärlichen Licht des Spätwintertages eher beängstigend und unheimlich. Und tatsächlich – in der Mitte des 19. Jahrhunderts sahen sich die Bewohner des stattlichen Gebäudes einem harten Alltag gegenüber. Das haben die historischen Nachforschungen von Museumsleiterin Almut Grüner und ihrer Mitarbeiter in alten Akten ans Tageslicht gebracht. Um diesen Bewohnern und ihren Lebensumständen wieder ein Gesicht zu geben, ist der Haldenhof das "Haus des Jahres". Stichworte sind der frühe Tod einer Bäuerin und der Selbstmord eines Jugendlichen. Vom 28. Juni an sollen die ehemaligen Bewohner mit elektronischer Hilfe zu Wort kommen und aus ihrem Leben berichten. An Schautafeln mit entsprechenden Informationen sei, so die Leiterin, nicht gedacht.

Der heute heimelig wirkende Blick durch die kleinteiligen Fenster der Wohnstube im Haldenhof war für die Hausbewohner vor 150 Jahren ein Blick auf einen schweren Alltag
Der heute heimelig wirkende Blick durch die kleinteiligen Fenster der Wohnstube im Haldenhof war für die Hausbewohner vor 150 Jahren ein Blick auf einen schweren Alltag | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Am Donnerstag stellten Almut Grüner und ihre Mitarbeiterin Andrea Blumers das Jahresprogramm für die 31. Saison des FLM vor. Nach wie vor ist, so betonte die Leiterin, das FLM ein Besuchermagnet. "Wir hatten in der Saison 2018 rund 92 000 Besucher", bilanzierte Grüner und verband diese Zahl mit der Feststellung: "Wir sind mit diesem Ergebnis sehr zufrieden!" Besonders positiv bewertete die FLM-Chefin, dass unter den Museumsbesuchern alle Altersgruppen vertreten seien. Um den Stellenwert der Neuhauser Einrichtung zu unterstreichen, erwähnte Almut Grüner, dass in allen sieben baden-württembergischen Freilichtmuseen im Jahresdurchschnitt rund 700 000 Besucher registriert werden.

Planungen für Empfangsgebäude

Der Landkreis als Museumsträger wird sich allerdings auf diesen hohen Besucherzahlen nicht ausruhen. Gegenwärtig laufen für Neuhausen die Planungen für ein modernes Empfangsgebäude. Details, Kosten oder gar eine konkrete Zeitplanung stünden noch nicht fest. Für den laufenden Betrieb stellt der Kreis pro Jahr 1,5 Millionen Euro bereit. Außerdem ist Landrat Stefan Bär in den kommenden drei Jahren Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Freilichtmuseen im Land. Die Freilichtmuseen wollen einen höheren finanziellen Stellenwert im Kulturhaushalt des Kreises erreichen.

Andrea Blumers (links) und Almut Grüner stellten das Jahresprogramm für das Freilichtmuseum in Neuhausen vor.
Andrea Blumers (links) und Almut Grüner stellten das Jahresprogramm für das Freilichtmuseum in Neuhausen vor. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Das Jahresprogramm, das die beiden Museumsmitarbeiterinnen vorstellten, ist entsprechend umfangreich. Das FLM soll wieder zum Leben erwachen und jenseits allen Museumsstaubs auch junge Leute und Familien ansprechen. Ein erster Höhepunkt in diesem Jahr wird der 19. Mai werden. Als Beitrag zum internationalen Museumstag organisieren die Neuhauser "Das belebte Dorf". Almut Grüner: "Überall im Dorf sind die Bewohner unterwegs, gehen ihrem Tagwerk nach, haben gerne mal Zeit für einen Schwatz." Geplant sind für diesen Tag ein Feuerwehreinsatz und zwei Hochzeiten. Grüner: "Natürlich gespielt, weil die Braut vom Vormittag am Nachmittag schon wieder heiratet." An diesem Tag zählt die Museums-Managerin erneut auf die Mithilfe der Neuhauser Vereine. Unter anderem werden auch wieder die Radler auf ihren historischen Drahteseln das Museumsgelände beleben. Einbezogen werden die Kinder der Neuhauser Schule.

Museums-Brennerei wird vorgestellt

Selbstverständlich gehören die beim Publikum beliebten Veranstaltungen wie der Fuhrmannstag am 7. Juli oder die Kirbe am ersten Oktober-Wochenende zum Programm. Außer diesen Großveranstaltungen gibt es zahlreiche Kurse, Führungen, Theater- und Filmvorführungen. Zum ersten Mal wird in der kommenden Saison die Museums-Brennerei vorgestellt. Grüner erläuterte: "Die komplette Anlage befindet sich schon immer in einem unserer Häuser. Nach einem Probelauf im vergangenen Jahr gehen wir in diesem Jahr, wenn auch zunächst nur probeweise, an die Öffentlichkeit." Ziel sei es, Spirituosen aus museumsgereiften Früchten herzustellen und diese auch im Museumsladen zu verkaufen. Grüner ist zuversichtlich – der Probebrand im vergangenen Herbst sei bei den Mitarbeitern gut angekommen. Neu ist außerdem ein jahreszeitlicher Stammtisch in der Museumsgaststätte "Ochsen" zum Austausch alter Kochrezepte. Im Oktober wird Kirbemetzger Gerhard Beppler im Rahmen einer Veranstaltung alle Fragen rund um die Herstellung von Fleisch- und Wurstwaren beantworten.

Buntes Angebot an Kursen

Bunt ist in diesem Jahr wieder das Angebot an Kursen. Hier nur einige Beispiele. Am 5. April geht es um den richtigen Obstbaumschnitt, am 4. Mai wird ein Schmiedekurs für Erwachsene angeboten, am 18. Mai erfahren die Kursteilnehmer, wie Mann oder Frau selbst Käse herstellen kann. Am 29. Juni geht es um das Mähen mit einer Sense, und wer Tipps zum Einkochen braucht, ist beim Einmach-Kurs am 14. September an der richtigen Adresse.