Auf dem Southside-Festival wollen die Besucher vor allem: Musik, gute Laune und eine schöne Zeit erleben. Bei etwa 60.000 Besuchern kann es jedoch vorkommen, dass sich der eine oder andere verletzt. Für diesen Fall sind sie vor Ort: Die rund 450 ehrenamtlichen Helfer der Johanniter, die mit mehreren Ortsgruppen an sechs Stationen auf dem Festivalgelände mit ihren Zelten präsent sind.

Bild: Halter, Maximilian

Den größten Teil davon stellt die Ortsgruppe Ravensburg. Sie besetzen die sogenannte „Unfallhilfsstelle 1“ (UHS), die sich hinter den Bühnen befindet. Hierhin, so Stationsleiter Björn Gold, werden alle Verletzten der anderen Stationen hergebracht. Circa 50 Helfer arbeiten in Zwölf-Stunden-Schichten, um eine medizinische Versorgung im Notfall zu gewährleisten. Im Schnitt, so Golds Schätzung, werden pro Southside 1000 Patienten in der UHS 1 behandelt – den Donnerstag eingeschlossen.

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In der Station hinter den Bühnen werden die Patienten wie in einem Krankenhaus an einem Empfang aufgenommen. Es wird protokolliert, ob eine größere oder kleinere Verletzung vorliegt.

Paolo Petrino (von links), Aylin Agtas und Samuel Klech in der Annahme der Unfallhilfsstelle 1.
Paolo Petrino (von links), Aylin Agtas und Samuel Klech in der Annahme der Unfallhilfsstelle 1. | Bild: Singler, Julian

„In diesem Zelt landen 90,9 Prozent der Fälle“, erklärt Björn Gold. Viele davon seien Bagatellen: „Platzwunden, Schnittverletzungen, zu viel Alkoholgenuss.“ Aber auch ernsthaftere Verletzungen gebe es jedes Jahr, betont er: Stark blutende Schnittverletzungen oder Knalltraumata, verursacht durch explodierte Gaskurtuschen, die die Besucher auf dem Campingplatz zum Kochen verwenden, erklärt Gold.

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Wie viele schwere Verletzungen es jedoch jedes Jahr gebe, sei schwierig zu sagen. „Im Schnitt gibt es ungefähr fünf Unfälle pro Festival, die teilweise lebensbedrohlich sind. Diese Patienten werden dann in das Krankenhaus in Tuttlingen gebracht“, berichtet Gold. Manchmal komme dabei auch ein Rettungshubschrauber zum Einsatz. Das sei zum Beispiel nötig, wenn die Person in eine Spezialklinik gebracht werden müsse. Um Patienten selbst zu überwachen, habe man vor Ort auch vier Plätze auf einer Intensivstation.

Daniel Gretz, Sanitäter, und Anna Lena Neuburger, Rettungssanitäterin, bei der Kontrolle der Ausrüstung in der Intensivstation der Unfallhilfsstelle 1.
Daniel Gretz, Sanitäter, und Anna Lena Neuburger, Rettungssanitäterin, bei der Kontrolle der Ausrüstung in der Intensivstation der Unfallhilfsstelle 1. | Bild: Singler, Julian

„Wer hier liegt, kommt definitiv ins Krankenhaus“, erklärt der Stationsleiter. Denn trotz aller Ausrüstung vor Ort: „Wir können und wollen hier kein Krankenhaus nachstellen“, betont er. Auch wenn die Logistik dem sehr nahe komme. Bei der Logistik werden die Johanniter vom Technischen Hilfswerk (THW) Weingarten unterstützt, zum Beispiel beim Aufbau der Leitstelle. „Sie haben das Wissen und Können in diesem Bereich“, sagt Gold. Außerdem koche das THW für die Johanniter, fährt er fort.

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Das Festival sei für seine Kollegen eine „tolle, kameradschaftliche Erfahrung“, ist sich der Stationsleiter sicher. Denn die gute Stimmung bekommen auch die Helfer mit, die unter anderem auf dem Festival-Gelände zu Fuß unterwegs sind.

„Es ist einfach cool hier“

Annika Niederer ist bereits zum zweiten Mal für die Johanniter auf dem Southside im Einsatz.

Bild: Marcel Jud

Die Zwölf-Stunden-Schichten machen der 17-jährigen Gymnasiastin aus Ravensburg nichts aus, wie sie sagt: „Es ist einfach cool hier. Man wächst als Gemeinschaft zusammen und lernt auch viele Leute von anderen Johanniter-Ortsverbänden und Hilfsorganisationen kennen.“ Und nach dem Ende ihrer Schicht habe sie ja jeweils auch noch Zeit, sich ein paar Bands anzuschauen, sagt Annika Niederer und lächelt.