Die Corona-Krise hat die Mittelalterbaustelle Campus Galli zwar gebremst, aber nicht ausgebremst. Diese gute Botschaft überbrachte Geschäftsführer Hannes Napierala dem Gemeinderat am Dienstagabend im Festsaal im Schloss in seinem umfassenden Bericht zum laufenden Jahr. Zunächst sei überhaupt nicht klar gewesen, ob man den Campus Galli in diesem Jahr überhaupt für Besucher öffnen kann. Dann habe man sich gefragt, ab welchem Punkt sich eine Öffnung überhaupt lohne.

Seit Pfingsten ist die Baustelle wieder geöffnet

„Es bestand das Risiko, dass Campus Galli im schlechtesten Fall gar nicht öffnet oder nicht mehr aus der Krise rauskommt“, sagte Napierala. Man habe nicht gewusst, ob bei einer Öffnung überhaupt Besucher kommen, sich aber im Mai doch entschieden, die Klosterbaustelle an Pfingsten zu öffnen. In den Pfingstferien wurde der Campus Galli täglich geöffnet, danach entschied man sich für eine Öffnung an den Wochenenden.

Noch weniger Besucher als im Vorjahr

Insgesamt habe man jetzt rund 16 000 Besucher weniger, als im selben Zeitraum im vergangenen Jahr. Das sei auf den verspäteten Saisonstart zurückzuführen, aber auch auf die Schließung unter der Woche. Normalerweise beginnt die Saison am 1. April. Letztendlich entscheide auch das Wetter darüber, ob Besucher zur Baustelle kommen. „Trotzdem zeigt sich, dass unser Handeln absolut richtig war“, sagt Napierala.

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Defizit fällt voraussichtlich geringer aus als erwartet

2019 kamen durchschnittlich 513 Personen am Tag auf die Baustelle. Dieses Jahr liegt der Durchschnitt bei 477. Die Freiluftattraktion sei natürlich auch abhängig vom Wetter. Erfreulicherweise falle das Defizit deutlich geringer aus als erwartet und liege voraussichtlich bei 233 000 Euro. „Ich bin positiv überrascht. Ich habe mit Schlimmerem gerechnet“, bekannte Napierala gegenüber den Gemeinderäten. Auch wenn das finanzielle Loch immer noch groß sei, sei es schon deutlich kleiner als noch vor einigen Wochen. Der Geschäftsführer gab an, mit einer halben Million Euro Defizit gerechnet zu haben.

Bild: Dieterle-Jöchle, Manfred

Gestiegene Umsätze in der Gastronomie

Der Pro-Kopf-Umsatz der Besucher sei ähnlich wie im Vorjahr. Was sich bemerkbar mache, sei der Umstand, dass weniger Gruppen anreisen. Die wenigen Gruppen, die zur Baustelle kommen, bezahlen weniger Eintritt. Die Umsätze in der Gastronomie seien sogar etwas besser als im Vorjahr. Der Klosterladen auf dem Campus habe erst seit Kurzem wieder als Selbstbedienungsladen mit Eis, kleinen Souvenirs und Getränken geöffnet. Zum einen sei der Shop viel zu klein, um Mindestabstände zu garantieren, zum anderen seien die Personalaufwendungen gemessen am Umsatz zu hoch. Man habe sich jetzt für ein kleines Kässchen auf Vertrauensbasis entschieden und damit Erfolg. „Es zeigt sich, dass die Besucher sehr ehrlich sind“, freute sich Hannes Napierala. Nun liegen die Hoffnungen auf den Sommerferien und möglichen Corona-Zuschüssen durch das Land. Mit den Landtagsabgeordneten Klaus Burger (CDU) und Andrea Boden-Unden (Grüne) sei man in gutem Kontakt und optimistisch, dass es eine Corona-Hilfe geben wird.

Bürgermeister Zwick bleibt optimistisch

Stadtrat Christian Fecht (CDU) sprach ein Lob aus und erkundigte sich, ob weniger Busse zur Klosterbaustelle nach Meßkirch reisen. Napierala bestätigte den Eindruck und verwies auf die geltenden Corona-Bestimmungen, wonach auch keine Schulausflüge stattfinden dürfen. Die Schulklassen fehlen dem Campus. Bürgermeister Arne Zwick sagte, dass Bussreisende oft der Risikogruppe angehören. Es sei nicht angenehm, während der Fahrt zwei Stunden eine Maske tragen zu müssen. „Unter der Woche fehlt uns natürlich eine große Anzahl an Besuchern“, sagte Zwick. Allerdings sei man optimistisch, das Defizit in den nächsten Wochen und Monaten noch weiter abmildern zu können und werde sich weiter intensiv bemühen. Insa Bix (CDU) freute sich, dass die Lage angesichts der schwierigen Situation doch ganz positiv sei. Vielleicht, so Bix, müsse noch die Normalität im Museumswesen einkehren und Hemmschwellen weiter abgebaut werden. Sie erkundigte sich nach den Öffnungszeiten während der Sommerferien.

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Es finden wieder Führungen für Besucher statt

Hannes Napierala sagte, die Baustelle werde während der kompletten Sommerferien täglich geöffnet sein, bis auf den üblichen Ruhetag am Montag. Die Mitarbeiter befänden sich weiterhin in Kurzarbeit, was die Situation erschwere, da sie keine Überstunden machen dürfen.

Besucher kommen aus der Nachbarschaft

Helmut Weißhaupt (Grüne) wollte wissen, ob weitere Sonderveranstaltungen geplant seien und woher die Besucher kommen. Es gebe, so Napierala, keine Datenerhehung bei den Besuchern. Aus einzelnen Projekten habe man zwar Werte aus den Vorjahren, das meiste erfahre man aber im persönlichen Gespräch mit den Besuchern. Derzeit kämen die Besucher überwiegend aus den benachbarten Landkreisen nach Meßkirch, um sich ein Bild von der mittelalterlichen Baustelle zu machen. Man wolle aufgrund der Corona-Pandemie keine Menschenmassen anlocken, deshalb gebe es keine Sonderveranstaltungen. Es werden jetzt wieder Führungen angeboten und Handwerker seien zu Gast, die ihr besonderes Können zeigen. Am 8. und 9. August werden Schmiede die Kirchentür schmieden.

Schindelmacher Ernst Schwarz erklärt Besuchern sein Handwerk.
Schindelmacher Ernst Schwarz erklärt Besuchern sein Handwerk. | Bild: Christl Eberlein

Übernachtungszahlen fast verdreifacht

Von einem insgesamt sehr positiven Trend konnte Bürgermeister Arne Zwick noch berichten. Die Übernachtungszahlen der meldepflichtigen Betriebe seien richtig gut. 2015 lag die Anzahl der gemeldeten Übernachtungen durchschnittlich bei unter 5000. 2019 wurden über 13 000 Übernachtungen in Meßkirch gemeldet. „Wir haben unsere Übernachtungen also fast verdreifacht“, sagte der Bürgermeister.

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