Gefragt sind private Träger und Investoren. Die Landratsämter sehen sich als Moderatoren in diesem Gesprächsprozess. Allerdings sind die Voraussetzungen in beiden Kreisen unterschiedlich. Während sich der Balinger Kreistag schon mit dem Thema beschäftigt hat, gab es eine solche Diskussion im Sigmaringer Kreistag noch nicht.

Die meisten Landkreise haben bereits feste Hospize. Natürlich bedeutet das nicht, dass bislang nichts für die Versorgung todkranker Menschen im Zollernalb-Kreis oder im Kreis Sigmaringen getan worden wäre. Ehrenamtliche und hauptamtliche Betreuer, Pflegekräfte und Ärzte kümmern sich um die unheilbar kranken Menschen. Allerdings nicht in einer festen Einrichtung im Hospizrahmen, sondern meist zu Hause in der angestammten Umgebung mithilfe der Familien, der Angehörigen und des Pflegedienstes. Schwierig wird es, wenn die betroffenen Patienten beispielsweise alleine leben. Dann bleibt nur noch der Weg in das Hospiz eines benachbarten Landkreises, unter anderem nach Spaichingen im Landkreis Tuttlingen.

Tobias Kolbeck, Pressesprecher im Landratsamt Sigmaringen, formuliert den gegenwärtigen Sachstand so: "Der Zollernalbkreis und der Landkreis Sigmaringen sind gut mit spezialisierter ambulanter Palliativversorgung ausgestattet. Immer wieder sind an die Landkreisverwaltung auch Wünsche nach einem stationären Hospiz herangetragen worden. Daher prüfen die Landkreise dies. Bisher, so bestätigt Kolbeck, haben bereits mehrere Gesprächsrunden mit unterschiedlichen Vertretern, auch aus Hospizgruppen, zu diesem Thema stattgefunden. Gegenwärtig laufen Gespräche zwischen den Landkreisen, bei denen eine mögliche Struktur und verschiedene Träger für eine gemeinsame Hospizeinrichtung geprüft werden. "Bisher gibt es noch keine Ergebnisse. Insbesondere ein möglicher Standort ist noch offen," sagt der Sigmaringer Pressesprecher zum Stand dieser Sondierungen.

Für die Balinger Kreisverwaltung ist die Notwendigkeit einer Hospizeinrichtung keine Frage. Das ergibt sich aus der Vorlage des Sozialamts an den Kreistag. Darin heißt es: "Bisher werden unheilbar kranke und sterbende Menschen aus dem Zollernalbkreis in den Hospizen in den Nachbarlandkreisen Tuttlingen und Reutlingen betreut. Es liegt deshalb nahe, zu prüfen, ob eine Möglichkeit besteht, im Zollernalbkreis ein stationäres Hospiz zu errichten." Wieso nun der Landkreis Sigmaringen mit ins Spiel kommt, liegt an den gesetzlichen Vorgaben des Landes. Gefordert wird nämlich eine Mindestzahl von acht Plätzen. Aufgrund seiner Einwohnerzahlen wird für den Zollernalb-Kreis ein Bedarf von drei bis vier Plätzen ermittelt. Weil Sigmaringen als einziger Nachbarkreis noch über kein Hospiz verfügt, sieht Balingens Landrat Günther-Martin Pauli im Kreis Sigmaringen einen möglichen Partner. Das sieht auch Sigmaringens Sozialdezernent Frank Veser so: "Aktuell verfügt weder der Zollernalb-Kreis, noch der Landkreis Sigmaringen über einen Bedarf, der ein eigenes Hospiz ermöglichen würde. Insofern wäre eine mögliche Kooperation mit dem Zollernalbkreis eine Chance, die wir derzeit prüfen."

 

Palliativversorgung

Für die ambulante medizische Palliativbetreuung sterbenskranker Patienten gibt es im Landkreis Sigmaringen seit 2013 die "Spezialisierte ambulante Palliativversorgung" (SAPV). Ihnen zur Seite stehen in vielen Orten ehrenamtlich organisierte Hospizgruppen. Beide Einrichtungen arbeiten zwar vor Ort im konkreten Fall zusammen, haben aber organisatorisch nichts miteinander zu tun. Die Gruppe, sagt Sprecherin Claudia Fotiou, umfasst heute sieben festangestellte und speziell geschulte Pflegekräfte, die sich 5,5 Stellen teilten. Ihnen stehen rund um die Uhr acht Ärzte aus dem Krankenhaus- und Niedergelassenenbereich auf Honorarbasis zur Seite. Kostenträger sind die Krankenkassen. (hps)