Das Goldene Reitabzeichen ist ohnehin schon die höchste Auszeichnung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Warendorf. Noch seltener erreichen Reiter die Qualifikation für die kombinierte Ausgabe. "Kombiniert" bedeutet in diesem Zusammenhang, dass damit sowohl Spitzenleistungen in der Dressur, als auch im Springreiten gewürdigt werden. Wie Martina Pfeifer vom Landes-Pferdesportverband Baden-Württemberg in Kornwestheim berichtet, wurde diese Auszeichnung 2017 im Land erst zwei Mal vergeben, zunächst an Marcel Wolf aus Bad Waldsee und jetzt an Frank Angst.

Angst ist das krasse Gegenteil von einem Herrenreiter-Typ. Im Gespräch ist nichts von der manchen Reitern zu Recht oder Unrecht nachgesagten Arroganz zu spüren. Angst, 1965 in Heinstetten geboren, ist trotz seiner Erfolge ein Kind der Alb geblieben. Allerdings ein Kind mit einem sehr starken Leistungswillen. Angst: "Mein Vater hat sich vom Hilfsarbeiter bis zum Chef einer Baufirma hochgearbeitet." Auf die gleiche Weise hat sich Frank Angst seinen Weg in die Pferde- und Reiterwelt gebahnt – durch Leistung. Dabei war der Weg in den Sattel nicht vorgezeichnet. Mit dreizehn Jahren wollte er Profi-Fußballer werden und spielte schon in einer Auswahlmannschaft. Doch dann kam sein Vater, lockte ihn auf den Pferderücken und da befindet sich Frank Angst bis heute. Sein Vater gehört zu den Gründungsmitgliedern des Reitvereins Heinstetten.

Bei der Überreichung des Goldenen Reitabzeichens am Sonntag in Boll an Frank Angst kommen seine Schüler Philipp Wolf (Bildmitte) und ...
Bei der Überreichung des Goldenen Reitabzeichens am Sonntag in Boll an Frank Angst kommen seine Schüler Philipp Wolf (Bildmitte) und Sandra Deufel mit Satteldecke und Bildwand. Rechts ist Turnierleiter Adrian Schmid zu sehen. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Schon sehr früh entdeckte Angst seine Befähigung, sowohl im Springparcours als auch im Dressurviereck eine gute Figur zu machen. Ein Ausflug in die Vielseitigkeitsreiterei, also die Kombination von Dressur, Springen und Geländereiten, zeigte ihm, dass seine sportliche Heimat eindeutig auf der Dressur und im Springreiten liegt. Ein Problem machte ihn zusätzlich zum Züchter. "Die Pferde, die ich brauchte, konnte ich mir nicht leisten", sagt er. Darum beschäftigte er sich intensiv mit der Pferdezucht. Und wie im Springen und in der Dressur gelang ihm der Sprung nach oben. Natürlich blieben der Fachwelt die Erfolge nicht verborgen. Deshalb entwickelte die Nachfrage nach Sportpferden von der Alb. Bereits das erste Fohlen schaffte es zum Nationenpreis. Angst sagt: "Zum Erfolg unserer Zucht gehört, dass die Pferde sehr robust gehalten werden und nur bei äußerst schlechten Witterungsverhältnissen in den Stall kommen."

Der Weg, der so gradlinig beschrieben ist, war in Wirklichkeit auch mit Härten verbunden. Einen Rückschlag versetzte dem willensstarken Reiter seine Gesundheit. Eine Krankheit zwang ihn vor einigen Jahren fast nieder. Doch ist diese Periode überwunden. Angst meldete sich genesen in der Sportwelt zurück. Nach seinem Abschluss an der Realschule in Meßstetten absolvierte er die Ausbildung zum Pferdewirt, die er 1987 mit der Meisterprüfung abschloss. Das Hofgut "Meisterhof" hat sich Angst seit 1991 mit seiner ebenfalls reitenden Ehefrau Karin aufgebaut. Das 20-Hektar-Anwesen mit rund 40 Pferden betreut das Ehepaar zusammen mit einer seit Jahren festangestellten Fachkraft. Inzwischen reitet auch die 13-jährige Tochter.

 

Goldenes Reitabzeichen

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) in Warendorf ist der Dachverband aller Züchter, Reiter, Fahrer und Voltigierer in der Bundesrepublik. Die FN ist in den Bundesländern mit den Pferdesportverbänden (früher Landeskommissionen) vertreten. Das Goldene Reitabzeichen wird beim Vorliegen entsprechender Erfolge von den betroffenen Reitern bei der FN beantragt. (hps)