Herr Hörner, wie haben Sie den bisherigen Wahlkampf erlebt?

Bei mehreren Wahlkampfständen und auch bei Gesprächen mit Wählern habe ich viel positiven Nachhall erlebt, aber auch viel Trauriges. Damit meine ich nicht die Ablehnung oder gar Diffamierung unserer Partei. Viele alte Menschen, welche 45 Jahre und mehr hart gearbeitet haben, vertrauten sich mir ebenso an wie unverschuldete Hartz-IV-Empfänger, die jetzt fast vor dem Nichts stehen, ebenso junge Familien, die gerne mehr für ihre/unsere Kinder tun würden, aber nicht können. Ich durfte viele Menschen kennenlernen, die schwer arbeiten und sich ungerecht entlohnt fühlen, allgemein möchte ich sagen, vielen Leistungsträgern, die ihre Arbeit gerne tun (würden), fehlt die so notwendige Wertschätzung – nicht nur im finanziellen Sinne.

Vor einigen Tagen wurde ein AfD-Wahlstand in Hechingen von vermummten "Clowns" gestört. Ist das bisher ein Einzelfall?

Wichtig ist hier nicht die Frage, ob Einzelfall oder nicht. Was ist die (gewünschte?) Folge davon? Besucher des Hechinger Marktes – zufällig Zeugen dieser Schandtat – fühlten sich verunsichert, teilweise panisch verängstigt. Wir von der AfD lassen uns durch solche Handlungen nicht verunsichern, aber unsere Mitmenschen leiden darunter. Heute im Clownskostüm, schön bunt, in den 30er und 40er Jahren war das Kostüm braun.

Was ist der politische Neuansatz, der die AfD motiviert, von einer "Alternative" zu sprechen?

In Deutschland "brennt" es an vielen Ecken. Die Entwicklungspolitik der letzten Jahrzehnte hat keine wirkliche Entwicklungshilfe geleistet, es waren eher Schutzgelder an Diktatoren in afrikanischen und anderen entsprechenden Ländern und das in Höhe von vielen Milliarden. Dass die unterdrückten Menschen irgendwann sich zur Wehr setzten werden, war abzusehen. Anstelle rechtzeitig – also schon vor Jahrzehnten und bis heute – den Menschen zu helfen, wohnte man lieber Beifall gebend sogar Kaiserkrönungen in afrikanischen Diktaturen bei.

Und im Inneren?

In der Sozialpolitik ist der leistende Mensch auf der Strecke geblieben. Aufgrund hoher Abgaben (fast ein halbes Jahr arbeitet der "kleine Mann" inzwischen, bis er endlich in seine eigene Tasche wirtschaftet) hat sich eine Gesellschaft aufgebaut, in der eine große Zahl von Sozialfällen einer immer kleineren Zahl von Leistungsträgern gegenübersteht – wobei sich diese Tendenz weiterhin zu verstärken droht.

In der Energiepolitik wurde die Wende zu früh – aus wahltaktischen Gründen – vollzogen, ohne dabei die Wirkung für unsere Volkswirtschaft richtig abzuschätzen.

Wo sehen Sie die thematischen Schwerpunkte in Ihrem Wahlkampf?

Es geht mir ganz wesentlich um die Zukunftssicherung für die Generationen unserer Kinder und Enkel. Dabei spielt die Offenheit für neue Technologien, beispielsweise für die Gentechnologie, eine große Rolle.

Wo sehen Sie als studierter Biologe die Chance dieser bei vielen umstrittenen Technologie?

Nehmen wir einmal an, jemand braucht eine neue Niere oder eine neue Leber. Bislang ist das nur durch eine Organtransplantation möglich. Mit Hilfe der Gentechnik wird es möglich sein, aus den Stammzellen einer Nabelschnur oder aus den eigenen Stammzellen des erwachsenen Körpers das benötigte Organ wachsen zu lassen.

Gibt es aus Ihrer Sicht noch weitere Vorteile?

Sie haben sicher schon vom "Golden Rice" gehört. Das ist eine gentechnische gezüchtete Reisart, die ertragreicher ist als die herkömmlichen Sorten und die gleichzeitig widerstandsfähiger ist. Mit ihr könnte großen Hungerkatastrophen entgegengewirkt werden. Riesige Ölteppiche könnten mit gentechnisch veränderten Bakterien wirkungsvoll bekämpft werden.

Aber hat diese Technologie nicht auch immense Gefahren in sich?

Gefahr bedeutet nicht, dass die Gentechnik insgesamt schlecht ist. Der Gesetzgeber und die demokratische Gesellschaft sind aufgerufen, den Forschern die Grenzen aufzuzeigen, innerhalb der die Gentechnik gewünscht wird. Ein völliges No-Go sind für mich beispielsweise Designer-Babys. Eine weitere Gefahr sehe ich in der Kombination von gentechnisch veränderten Lebewesen mit künstlicher Intelligenz.

Woher nehmen Sie den Maßstab dessen, was gentechnisch erlaubt sein sollte und was nicht?

Ich bin evangelischer Christ. Ich gehe zwar nicht jeden Sonntag zur Kirche, aber ich denke, wir Menschen sollten in Verantwortung vor der Schöpfung handeln.

Wo wir gerade im Bereich der Ethik sind, wie stehen Sie zum Problem des ehemaligen AfD-Abgeordneten Wolfgang Gedeon, der wegen seiner antisemitischen Aussagen in die öffentliche Kritik geriet?

Mit Wolfgang Gedeon habe ich geredet. Er verwahrt sich gegen den Vorwurf des Antisemitismus. Ich sehe ihn nicht als Antisemit. Völlig klar ist auch ihm, dass das, was vor rund 80 Jahren in Deutschland passiert ist, eine Schande für unser Land ist. Die Bundesrepublik hat sich aber seit Jahrzehnten darum bemüht, Wiedergutmachung in Israel zu leisten. Es ist sehr viel Geld in dieses Land geflossen. Ich teile die Ansicht Gedeons, dass diese Hilfe in Israel nicht anerkannt und wertgeschätzt wird.

Sie haben das Wort "Schande" benutzt. Ihr Parteifreund Björn Höcke hat das Holocaust-Denkmal in Berlin als "Schande" bezeichnet. Wie stehen Sie dazu?

Zunächst bin ich der Meinung, dass es in der Bundeshauptstadt ein solches Mahnmal geben sollte. Aber bitte nicht das, was uns da gegenwärtig geboten wird. Es ist nichtssagend und daher ohne vorherige Einführung überhaupt nicht zu verstehen. Wenn ich beispielsweise mit einer Schülergruppe durch das Mahnmal gehen würde, ohne sie vorher mit dessen Bedeutung vertraut gemacht zu haben, würden sie nur einige Reihe von Steinquadern sehen.

Was wäre Ihre Alternative?

Es müsste ein Gebäude sein, in dem vor allem jüngeren Besuchern plastisch gezeigt werden sollte, was in den Jahren von 1933 bis 1945 in Deutschland geschah.

Ihrer Partei wird Rechtslastigkeit und ein zumindest latenter Antisemitismus vorgeworfen. Wie sehen Sie das?

Die AfD ist eine nationale Partei, welche die Rechte in unserer Gesellschaftsordnung nicht nur bejaht, sondern voll und ganz verteidigt. In keinem anderen Staat auf dieser Welt wird einer Partei, welche auf die Leistung des Volkes – gemeint ist hier natürlich die Leistung seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, sowohl innen- als auch außenpolitisch – stolz hinweist, Rechtspopulismus oder gar Rassismus unterstellt. Warum ist das in Deutschland so?

Einer der Schwerpunkte in der AfD sind die Migranten. Wie stehen Sie zu diesem Problemkreis?

Ich rede hier nicht von den Menschen, die aus Kriegsgebieten wie dem Irak oder Syrien fliehen. Asylbewerber sind nicht mein Problem. Für diese Leute habe ich großes Verständnis. Für Menschen, die sonst in unser Land kommen wollen, brauchen wir ein Einwanderungsgesetz. Ich denke, Kanada bietet dafür ein sehr gutes Vorbild.

Worin sehen Sie das Problem?

Deutschland wird überrannt. Das sind sehr oft junge Männer aus Nordafrika, häufig ohne Ausbildung. Sie sind in die bundesdeutsche Gesellschaft nicht integrierbar. Viele dieser jungen Männer sind überhaupt nicht bestrebt, Deutsch zu lernen, ihr Wissen zu mehren. Hinzu kommt die unzureichende Vorbildung und die fehlende Bereitschaft, sich an unser Ordnungssystem anzupassen – leider bis zur Bereitschaft von Gewaltausübung.

Müssen nicht die Fluchtursachen bekämpft werden?

Doch, natürlich. Da hat der Westen, da hat die Bundesrepublik viele Fehler gemacht. Milliarden an Entwicklungshilfe wurden an unfähige, korrupte Regierungen bezahlt. Bei den einfachen Menschen in diesen Ländern kam nichts von der Hilfe an. Ich habe auch Verständnis für deren Fluchtgründe. Aber das kann Deutschland nicht leisten.

Inwiefern?

2016 wurden alleine von der Bundesregierung 22 Milliarden Euro für die Flüchtlinge ausgegeben. Dabei hat unser Land bereits jetzt 2,2 Billionen Euro Schulden. Durch diese Politik gefährden wir die Existenz der nächsten und übernächsten Generation.

Aber brauchen wir angesichts des Bevölkerungsrückgangs nicht die Migration?

Ich darf daran erinnern, dass in Deutschland nach offiziellen Zahlen jährlich rund 100 000 Kinder abgetrieben werden. Das ist wie gesagt die offizielle Zahl, dazu kommt noch eine Dunkelziffer in unbekannter Höhe.

Die meisten der Migranten sind Muslime. Ist das ebenfalls ein Problem?

Schauen Sie, ich teile die Meinung, dass der Islam so lange für Toleranz eintritt, solange er in der Minderheit ist. Sobald aber eine islamische oder gar eine islamistische Mehrheit vorhanden ist, ist es mit der Toleranz und dem Plädoyer für Menschenrechte vorbei.

Aber es gibt doch Muslime, die ernsthaft an einer Neuausrichtung des Islam arbeiten?

Sicher, aber es gibt nicht nur den Koran, es gibt auch die Scharia. Das ist ein ethisches Konzept, das sogar Sex mit Kindern erlaubt. Ich lehne jede Art von sexueller Gewalt ab. Jeder Mensch hat sein Selbstbestimmungsrecht auch auf diesem Sektor.

Kommen wir zu einem anderen Thema. Es geht in der AfD-Programmatik ja auch um Familien und um die Betreuung alter, oft pflegebedürftiger Menschen. Was sind dazu ihre Stichworte?

Wir brauchen wesentlich mehr und wesentlich besser bezahlte Fachkräfte, sowohl im Kindergarten- und Vorschulbereich, als auch in der Altenpflege und -betreuung. Es geht nicht an, dass ein Mensch, der 45 Jahre gearbeitet und Beiträge bezahlt hat, später im Altersheim nach vorgeschriebenen "Taktzeiten" von zu wenig Personal betreut wird.

Wie wollen Sie, wie will die AfD Familien finanziell entlasten?

Ich nenne hier nur zwei Punkte. Zunächst finanziell fordere ich die Einführung eines Familiensplittings. Für eine fünfköpfige Familie wäre das ein fünffacher Grundfreibetrag. Das würde das Familieneinkommen um 260 Euro pro Monat erhöhen. Der zweite Punkt hat zwar nichts mit Finanzen zu tun, gehört aber dennoch hierher. Ich wehre mich gegen die Abwertung von Müttern, die Zuhause bleiben, als "Nur-Hausfrauen".

Erläutern Sie das bitte näher.

Diese Wertschätzung steht jedem Menschen zu, der an seiner Stelle sich für den anderen und damit für unsere Gemeinschaft und unsere Heimat einsetzt, die es wert ist, für sie da zu sein.

Mit welchem Ergebnis rechnen Sie am Abend des 24. September?

Für die AfD rechne ich persönlich mit einem zweistelligen Ergebnis im Bund, wobei sie die drittstärkste Partei werden könnte und damit eine starke Opposition im Bundestag endlich wieder für den Bürger einstehen würde. Im Land Baden-Württemberg würde ich mit einem Ergebnis von um 20 Prozent rechnen.

Fragen: Hermann-Peter Steinmüller

Zur Person

  • Hans-Peter Hörner, Jahrgang 1951, wohnt in Hechingen-Stein und arbeitet als Oberstudienrat an der kaufmännischen Schule in Hechingen. Er ist verheiratet und Vater von sechs erwachsenen Kindern. Der AfD-Kandidat stammt aus dem Remchinger Ortsteil Singen im Enzkreis. Nach dem Besuch der Volksschule in Singen absolvierte Hans-Peter Hörner zunächst das altsprachliche Gymnasium in Karlsruhe-Durlach. Die letzten drei Jahre bis zum Abitur 1970 lernte Hörner am Wirtschaftsgymnasium in Karlsruhe-Durlach. An der Tübinger Eberhard-Karls-Universität studierte der heutige Kandidat Biologie und Volkswirtschaft, mit den ersten Staatsexamina 1974 und 1975. Als Begleitstudium belegte Hörner Rechtswissenschaften mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsrecht. Während des Schulbesuchs und des Studiums absolvierte der Remchinger verschiedene Tätigkeiten im Handwerk und Bankpraktika zur Finanzierung des Studiums. Weitere Stationen auf seinem beruflichen Lebensweg waren 1976 und 1977 das Referendariat am Seminar in Ravensburg-Weingarten und an der Kaufmännischen Schule Ulm. Nach dem zweiten Staatsexamen für das höhere Lehramt an beruflichen Schulen wechselte Hörner 1978 als Berufsschullehrer an die heutige Kaufmännische Schule mit Wirtschaftsgymnasium in Hechingen. Dort unterrichtet der Pädagoge bis heute. Neben seiner Hauptaufgabe als Lehrer ist Hörner als Fachleiter, Personalrat, Mentor, Suchtpräventionslehrer und schulischer Beauftragter für Verkehrssicherheit tätig. Privat engagiert sich der Kandidat in der Evangelischen Jugendarbeit und bei den Kaninchenzüchtern auf Orts-, Kreis- und Landesebene. Seit 1993 ist Hans-Peter Hörner Preisrichter bei Zuchtschauen.
  • Podiumsdiskussion: Der SÜDKURIER lädt auf Dienstag, 19. September, zu einer Podiumsdiskussion mit den Bundestagskandidaten von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Die Linke und AfD ein. Beginn ist um 19.30 Uhr im Festsaal von Schloss Meßkirch. Die Bewirtung der Gäste wird die Badminton-Abteilung des TV Meßkirch übernehmen. An dem Abend wird es für die Besucher Gelegenheit geben, selbst Fragen an die Kandidaten zu stellen. Leser können Ihre Fragen aber auch schon vorab unter messkirch.redaktion@suedkurier.de an die Heimatzeitung schicken. (hps)

Drei Argumente, die für mich sprechen: Zentrale Wahlaussagen von Hans-Peter Hörner

  • "für unsere Familien": als Vater von sechs Kindern und Berufsschullehrer, der über 10.000 Schüler unterrichtete, liegt mir diese Unterstützung besonders am Herzen
  • "für unsere Sicherheit": ohne Sicherheit in allen Bereichen sind alle anderen politischen Ansätze sinnlos
  • "für unsere Heimat": Deutschland ist ein schönes Land, Dank unserer Arbeit und der unserer Väter und Großväter. Dafür lohnt sich jeder Einsatz!

Vorgeschichte: Der Kandidat Heinrich Fiechtner

Ursprünglich war der auch innerhalb der AfD heftig umstrittene Landtagsabgeordnete Heinrich Fiechtner für den Wahlkreis Zollenalb-Sigmaringen als Kandidat nominiert. Die AfD-Kreisverbände Sigmaringen und Zollernalb hatten den Mediziner und Landtagsabgeordneten im Januar als Kandidaten aufgestellt. Erst Ende Juni wurde – nach diversen Querelen – Hans-Peter Hörner nominiert. Fiechtner wollte im Vorfeld mit juristischen Mitteln verhindern, dass seine Partei ihn als Bundestagskandidaten absetzt – und klagte. Das Landgericht Stuttgart wies diesen Antrag aber als unzulässig zurück. Damit machte es der Weg frei für eine neue Versammlung der Partei, bei der Hans-Peter Hörner als neuer Kandidat nominiert wurde.

Die AfD hatte dem Stuttgarter Arzt Fiechtner mangelnde Präsenz in der Region und zu geringes Engagement vorgeworfen. Er habe mehrfach bei Treffen mit Bürgern gefehlt. Die Wahl Fiechtners im Januar hatte das Landesschiedsgericht der Partei Ende Mai wegen Formfehlern für ungültig erklärt. Fiechtner ist ein Multifunktionär bei der AfD, zu deren Gründungsmitgliedern der Mediziner gehörte. In Stuttgart sitzt er im Gemeinderat, im Landesparlament vertritt der 56-Jährige den Wahlkreis Göppingen. Ende Juni brachte die AfD-Landtagsfraktion ein Ausschlussverfahren auf den Weg. 16 von 21 Abgeordneten unterschrieben den Antrag. In seiner Partei gilt er als Provokateur, der immer wieder politische Alleingänge macht.