Als wertvollen Lückenschluss bei der Versorgung von todkranken und sterbenden Menschen werteten am Freitag die Redner beim offiziellen ersten Spatenstich den Hospiz-Neubau in Sigmaringen. Wenn alles nach Plan verläuft, soll das Gebäude im Frühjahr 2022 bezugsfertig sein.

Mit dem symbolischen ersten Spatenstich begannen am Freitag offiziell die Bauarbeiten für das Sigmaringer Hospiz
Mit dem symbolischen ersten Spatenstich begannen am Freitag offiziell die Bauarbeiten für das Sigmaringer Hospiz | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Die Stiftung des verstorbenen ehemaligen Unternehmers und langjährigen Bundestagsabgeordneten Hermann Schwörer finanziert den Bau, der nach Vollendung in die Verantwortung der beiden Landkreise Zollernalb und Sigmaringen übergeht. Über die Bausumme wurde Stillschweigen vereinbart. Betrieben wird das „Haus Johannes“ von der St.-Elisabeth-Stiftung aus Bad Waldsee.

Rolle der Stiftung besonders gewürdigt

Wie wichtig das Projekt für die beiden Landkreise ist, machte die Anwesenheit der beiden Landräte Günther Martin Pauli (Zollernalb) und Stefanie Bürkle (Sigmaringen) deutlich. In ihren Reden unterstrichen die beiden Kreischefs besonders zwei Punkte. Sie würdigten die Rolle der Stiftung, vertreten durch die Witwe des 2017 verstorbenen Sigmaringer Politikers und Unternehmers, Sophie Schwörer. Landrat Pauli erklärte, ohne die Unterstützung durch die Stiftung könnte das Projekt so zeitnah nicht umgesetzt werden.

Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinweg

Der zweite Schwerpunkt, den die Landräte hervorhoben, war die Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinweg. In beiden Landkreisen war der Wunsch nach einem Hospiz seit Jahren vorhanden. Aber jeder der beiden heutigen Partner hätte sich, so Pauli, schwergetan, aufgrund der Einwohnerzahlen jeweils ein eigenes Hospiz einzurichten. Landesweit wird eine Mindesteinwohnerzahl von 150 000 Bürgern vorausgesetzt, um ein Hospiz mit acht Betten zu betreiben.

Auch Kliniken und Heime betreuen sterbende Menschen

Schwerstkranke und sterbende Menschen aus den beiden Kreisen werden bislang in ihrer letzten Lebensphase unter anderem in Häusern benachbarter Landkreise betreut. Selbst wenn die Angehörigen sich mit Hilfe der ambulanten Palliativversorgung und der Hospizgruppen um die Sterbenden kümmerten, kämen sie, sobald die intensivere nächtliche Versorgung notwendig würde, an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Deshalb werden bislang die Sterbenden nicht nur in Hospizen, sondern auch in Kliniken und Pflegeheimen betreut. Diese Einrichtungen, so Pressesprecher Tobias Kolbeck vom Landratsamt Sigmaringen, seien aber wegen ihres Auftrages und ihrer damit zur Verfügung stehenden medizinischen und technischen Ausstattung in vielen Fällen für diese Aufgabe „nur bedingt geeignet“.

Balingens Landrat Günther Martin Pauli (rechts) unterstrich die Bedeutung der kreisübergreifenden Zusammenarbeit beim Bau des Hospizgebäudes.
Balingens Landrat Günther Martin Pauli (rechts) unterstrich die Bedeutung der kreisübergreifenden Zusammenarbeit beim Bau des Hospizgebäudes. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

In ihrer Ansprache zeichnete Sophie Schwörer die Grundsätze der künftigen Arbeit im Sigmaringer Hospiz auf: „Es wird ein christliches Hospiz werden.“ In der letzten Lebensphase solle der Übergang vom jetzigen Leben in ein neues Leben liebevoll und gut begleitet werden. Gleichzeitig machte die 65-Jährige auch die gesellschaftspolitische Dimension deutlich. Das Leben bezeichnete die Stifterin „als Geschenk Gottes“. Sie leitet daraus ein konsequentes „Nein“ zur aktiven Sterbehilfe ab und erklärte: „Die lebensbejahende christliche Grundhaltung schließt eine aktive Lebensbeendigung aus.“

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Sigmaringens Bürgermeister Marcus Ehm zeigte sich besonders über den Standort im Stadtbereich zufrieden. Das Hospiz sei damit „in die Mitte des Lebens“ eingebettet. Diese Wertung teilte Annette Köpfler von der Elisabeth-Stiftung. Sie bekräftigte die von Sophie Schwörer vorgestellte Konzeption mit der Feststellung, es sei das Ziel, die letzte Phase menschlichen Lebens lebenswert zu gestalten. Köpfler bescheinigte allen Mitwirkenden, bei der Planung und Vorbereitung des Baus Herzblut investiert zu haben.

Rotarier-Club unterstützt das Projekt

An der Feier beteiligte sich der Rotarier-Club unter seinem früheren Vorsitzenden, dem ehemaligen Landrat Dirk Gaerte, mit einer Bewirtung. Die Rotarier unterstützen das Projekt mit Benefizveranstaltungen.

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