Sie ist kreativ, sehr wortgewandt und gut vernetzt und zieht Interesse auf sich: Luisa Boos, die junge SPD-Generelsekretärin von Baden-Württemberg. Sie verkörpert gewissermaßen den Erneuerungsprozess der Partei und gilt als neue Hoffnungsträgerin nach einem desaströsen Abschneiden bei der Landtagswahl 2016. Über 40 weibliche und männliche Genossen versammeln sich trotz schwülwarmen Wetters im Nebenraum des Hotel-Gasthofs Traube. Sie wollen hören, wie sie das Thema „Wie wir unser Land zum Besseren verändern“ umzusetzen gedenkt.

Luisa Boos, die junge SPD-Generalsekräterin des Landes, wirkt sehr zupackend, erfrischend und dynamisch und hat sich in Sigmaringen detailliert mit dem Thema Gerechtigkeit befasst.
Luisa Boos, die junge SPD-Generalsekräterin des Landes, wirkt sehr zupackend, erfrischend und dynamisch und hat sich in Sigmaringen detailliert mit dem Thema Gerechtigkeit befasst. | Bild: Jürgen Witt

Winfried Köpfer, der sie im Namen des Sigmaringer SPD-Ortsvereins begrüßt, freut sich auf die fundierte Rednerin, in einer Zeit der sozialen Spaltung weltweit. Schon in ihrer Betrachtung der Außenpolitik zeigt Luisa Boos klare Kante anhand der USA und ihrem Präsidenten Donald Trump, den sie für einen „sexistischen, rassistischen und bigotten Milliardär“ hält. Auch den Muskelspielen der NATO und ihrer Aufrüstungslogik dürfe man sich nicht ergeben: „Diplomatie muss die Waffe der Demokratie sein!“

Sodann macht sie deutlich, an welchen Konzepten die Sozialdemokraten feilen wollen. Beispielsweise in der Familienpolitik: Da gilt es, diejenigen mit niederem Einkommen zu entlasten, Frauen das Rückkehrrecht auf Vollzeitbeschäftigung zu ermöglichen und sich um eine soziale Staffelung der Kindergartenfreibeträge zu kümmern. Bezahlbarer Wohnraum erachtet sie als wichtig, zumal der Verdrängungswettbewerb gerade die am wenigsten mobilen Menschen träfe. Dabei gebe es im Genossenschaftbau genügend Firmen, die bereit wären, schnellen und günstigen Wohnraum zu schaffen.

Bei der Digitalisierung bemerke sie ein Phänomen: Dass die Angst, vom Arbeitsprozess abgehängt zu werden, zunimmt: „Wir wollen die Weiterqualifizierung voranbringen, damit die Betroffenen nicht gleich auf Hartz IV herunterkippen“, verteidigt sie das vom Bundeskanzlerkandidaten Martin Schulz vorgestellte „Arbeitslosengeld Q“ mit Vehemenz.

Beim Thema Rente wollen die Sozialdemokraten etwas auf den Weg bringen, mit dem sie gegenüber der Union ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. So beabsichtigen sie, das aktuelle Rentenniveau auf den heutigen Stand von 48 Prozent zu stabilisieren, langfristig soll er auf 50 Prozent angehoben werden. „Da sorgen wir für ein bisschen Zunder unter dem Dach“, sagt Luisa Boos, das Rentenkonzept müsse zum Lebensleistungskonzept umgemodelt werden. Eine umfassend in Angriff genommene Regulierung soll das Koordinatensystem für eine gerechtere Gesellschaft sein – damit ließe sich das Profil der SPD stärken.

Dass sie vor siebeneinhalb Monaten auf dem Landesparteitag in Heilbronn auf Wunsch der neuen SPD-Landeschefin Leni Breymaier zur SPD-Generalsekretärin des Landes gewählt wurde, „damit hätte ich nie gerechnet“, sagt Luisa Boos im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Die Landespartei stehe vor einem „Mega-Aufbruch“: Über 2000 Neumitglieder hätte sie gewonnen. 35 000 Mitglieder in Baden-Württemberg habe es zuletzt vor zwei Jahren gegeben, stellt sie voller Genugtuung fest.

„Wir haben ein gutes Programm, nur keine Transsporter“, merkt ein Genosse an. „Ihr seid die Paketboten“, spornt Luisa Boos sie alle zum engagierten Bundestagswahlkampf an. Schon in der Frühe hatte sie sich mit Stella Kirgiane-Efremidou, der SPD-Bundestagswahlkandidatin von Zollernalb-Sigmaringen, auf den Weg gemacht und die Arbeiterwohlfahrt in Balingen besucht. Dort, mitten in der Fußgängerzone führten sie „anregende Diskussionen“, berichtet die Deutschgriechin. Ihr Motto in Balingen und Albstadt-Ebingen hieß nämlich „Auf einen Kaffee mit Luisa und Stella“ – ein guter Auftakt.

Zur Person

Luisa Boos ist 32 Jahre alt. Vor elf Jahren ist sie in die SPD eingetreten. Seit 2009 arbeitet sie für die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis. Sie hatte den Juso-Kreisverband in Emmendingen neu gegründet und wurde später zur Vize-Chefin der Jusos in Baden-Württemberg. Seit 2016 ist sie SPD-Generalsekretärin dieses Bundeslandes. Zudem ist sie Vize-Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen im Südwesten (ASF) sowie Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit des Landesfrauenrates. Boos hat deutsch-jugoslawische Wurzeln, sie ist alleinstehende Mutter eines Sohnes und lebt in Sexau. (jüw)