Wenn das Fohlen noch klein ist, dann kümmert sich Mutti ganz liebevoll.
Wenn das Fohlen noch klein ist, dann kümmert sich Mutti ganz liebevoll. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Wenn man in der Region etwas abseits der Durchgangsstraßen unterwegs ist, dann kann man ab und zu auch Dinge entdecken, die auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheinen. So auch bei Rast. Da stehen manchmal Tiere auf einer Weide, die den Beobachter an Filme aus Südamerika erinnern. Filmstars sind die Vierbeiner nicht, aber sie haben einen Blick, in den man sich einfach verlieben muss. Es handelt sich um Alpakas. Und die gehören der Familie Pfeifer.

Die Verwandtschaft zum Kamel lässt sich nicht leugnen.
Die Verwandtschaft zum Kamel lässt sich nicht leugnen. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Jürgen Pfeifer ist von Beruf Vermessungsingenieur und arbeitet in Liechtenstein bei einer bekannten Firma im Produktmanagement. 2006 hat er gemeinsam mit seiner Frau Rosina in Rast ein altes Bauernhaus gekauft, umgebaut und ein Jahr später eingezogen. Pferde und Schafe hat er mitgebracht. Seine Frau Rosina ist gelernte Arzthelferin und in der Pharmaindustrie tätig. Genau betrachtet haben beide Tätigkeiten eigentlich nichts mit Tierhaltung zu tun. Und mit Alpakas schon gar nicht. Da stellt sich schon die Frage, wie man darauf kommt, ausgerechnet diese Tiere zu halten. Liegt es am freundlichen Blick der zotteligen Vierbeiner?

Hochwertige Faser

Das Sortieren der Wolle übernimmt Rosina Pfeifer.
Das Sortieren der Wolle übernimmt Rosina Pfeifer. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

„Mit der Schafwolle gab es Probleme“, erinnert sich Jürgen Pfeifer. Die war einfach nicht mehr an den Mann zu bekommen. Da stellte sich die Frage, ob es nicht ein anderes Tier gibt, das gute Wolle hat. Jürgen hatte damals eine Arbeitskollegin aus Peru. Und die berichtete von einer hochwertigen Faser, mit der man ganz tolle Sachen machen kann: Alpaka. Die weiche, seidig-glänzende Naturfaser ist im Vergleich zur Schafswolle wärmer, feiner und sie hat einen geringeren Fettgehalt. Die gesamte Verarbeitung der Alpaka-Faser wie das Vorbereiten, Kardieren, Spinnen, Weben und weitere Veredelungsverfahren sind den Verfahren der Schafwollverarbeitung sehr ähnlich. Da die Pfeifers da bereits Kontakte hatten, bringen sie die Alpaka-Wolle zum Waschen und Kämmen, das in der Fachsprache Kardieren heißt, bis nach Brandenburg. Das Sortieren der Wolle wird in Rast erledigt. Die Tiere werden in der Regel einmal jährlich geschoren. Die Rohwolle kann zu hochwertigem Alpakagarn und Bettdecken verarbeitet werden. Der Faserertrag beim Scheren eines Tieres liegt bei drei bis sechs Kilogramm pro Tier und pro Jahr, davon sind jedoch nur etwa ein bis drei Kilogramm nutzbar.

Wenn ein Alpaka geschoren ist, dann sieht es noch etwas nackt aus. Doch die Wolle wächst natürlich nach.
Wenn ein Alpaka geschoren ist, dann sieht es noch etwas nackt aus. Doch die Wolle wächst natürlich nach. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

Die Schafhaltung hat man mittlerweile reduziert und im vergangenen Jahr die ersten Alpakas angeschafft. Zuerst kamen drei tragende Stuten auf den Hof. Die holten sich die Raster bei einem Züchter, von denen es in Baden-Württemberg bereits einige gibt. Der Züchter hatte natürlich auch noch jede Menge Informationen, die das Paar brauchen konnte. Und ein Tierarzt war auch nötig. Kaum zu glauben: Ihr Veterinär hatte bereits Erfahrung mit diesen wunderbaren Tieren. Alpakas gehören zu den Neuweltkameliden und sind wie alle Kamel-Arten soziale Tiere (Herdentiere) und fühlen sich in Gruppen am wohlsten. Das prädestiniert sie auch für den Umgang mit Menschen. Die Pfeifers bieten geführte Alpaka-Spaziergänge an, bei denen man mit so einem Tier ganz gemütlich durch die Gegend wandert. „Das klappt prima und wer es bereits gemacht hat, der findet das sehr entspannend“, berichtet Rosina Pfeifer. So eine Alpaka-Wanderung sei sehr entschleunigend und ein besonderes Erlebnis. Alpakas werden auch zur tiergestützten Therapie erfolgreich eingesetzt. „Das Angebot gibt es auch anderswo und das macht deutlich, dass der Bedarf da ist“, sagt Rosina.

„Rocco“, Rosina Pfeifer, „Heavens King“ und Jürgen Pfeifer (von links) verstehen sich prima. Dass die Tiere Namen und keine Nummern haben, das ist hier ganz normal. Bilder: Karlheinz Fahlbusch
„Rocco“, Rosina Pfeifer, „Heavens King“ und Jürgen Pfeifer (von links) verstehen sich prima. Dass die Tiere Namen und keine Nummern haben, das ist hier ganz normal. | Bild: Fahlbusch, Karlheinz

20 bis 25 Tiere sind das Ziel. Doch bis es soweit ist, braucht es Zeit. Eine Stute trägt knapp zwölf Monate und Mehrlingsgeburten sind sehr selten. Die vorhandene Fläche von 2,5 Hektar ist für die Alpaka-Haltung ausreichend. Ein Landwirt macht das Heu und liefert das Stroh. Zusätzlich braucht man ein spezielles Mineralfutter. Denn die Böden in der Region haben andere Zusammensetzung als die in den Anden. Salzleckstein und Tränkebecken sind selbstverständlich.

Könnte man die drolligen Tiere auch melken? „Schon“, sagt Rosina, aber der Ertrag wäre wohl nur gering. Dagegen kann man den Kot der Tiere gut verwerten. Die Pfeifers machen daraus Dünger. Die Alpakas lassen ihren Kot nicht überfall fallen, sondern bevorzugen bestimmte Plätze. Da ist das Einsammeln einfach. Getrocknet haben die Pfeifers den Kot an ihr Gemüse gegeben und dann festgesellt, „das wächst wie wild“, wie Jürgen erklärt. Da kamen die Beiden auf die Idee, den Dünger auch zu verkaufen. Die Mengen sind noch gering, und nun gibt es organischen NPK-Dünger aus Rast in kleinen Papiertüten. Die Buchstaben stehen für Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K). Blaue Körner wie aus der industriellen Produktion sind aber nicht in den Tüten. Es ist mehr ein Pulver, das auch gar nicht unangenehm riecht und auch keine Samenreste enthält. Denn die Verdauung der kleinen Kamele aus Südamerika ist exzellent.