Kirchenorgeln verbinden wir gemeinhin mit erhabener Musik. Dass die Digitalisierung auch hier längst Einzug gehalten hat, mag den einen oder anderen Laien überraschen. Doch schon seit vielen Jahren zieht der Organist im Konzert nicht mehr selbst die Register. Ein Computer hat diese Aufgabe übernommen. Lange vor dem Konzert pflegt der Organist die Auswahl und Zusammenstellung der Register in die ihm zur Verfügung gestellten Library des Computers ein. Mit dieser Programmierung bestimmt er die Farbe des Orgelklangs. Während seines Spiels bewegen sich die Register später wie von Geisterhand, gesteuert aus dem Programm des Computers.

Bild: Schnurr, Michael

Orgeln werden nun am Computer konstruiert

Auch beim Orgelbau selbst hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten. Der heute 45-jährige Stefan Stürzer, Mitinhaber der Pfullendorfer Orgelbau-Firma Glatter-Götz Orgelbau, erinnert sich: „In meiner Lehre habe ich noch Bleistiftzeichnungen von Bauteilen einer Orgel im Verhältnis 1:10 oder auch 1:1 angefertigt.“ Die seien dann auf eine Massiv- oder Sperrholz-Platte aufgelegt und die Strukturen mit einem Dorn durchgestochen worden. Doch schon damals hatte sein späterer Geschäftspartner Heinz Kremnitzer damit begonnen, am Computer Orgeln zu konstruieren.

Heinz Kremnitzer, einer der beiden Gesellschaft von Glatter-Götz Orgelbau in Pfullendorf, konstruiert heute die Orgeln von vornherein digital mit dem Standardprogramm AutoCAD am Computer, bevor er alle Daten zur weiteren Bearbeitung an eine CNC-Fräse weiterleitet.
Heinz Kremnitzer, einer der beiden Gesellschaft von Glatter-Götz Orgelbau in Pfullendorf, konstruiert heute die Orgeln von vornherein digital mit dem Standardprogramm AutoCAD am Computer, bevor er alle Daten zur weiteren Bearbeitung an eine CNC-Fräse weiterleitet. | Bild: Glatter-Götz Orgelbau

Heute zeichnet der Orgelfachmann von Beginn an mit dem Standardprogramm AutoCAD, wenn er eine Orgel entwirft. Um die Bohrungen in verschiedener Tiefe zu definieren, legt er die Zeichnung in mehreren Ebenen an, um alle Daten schließlich an die CNC-Fräse zur Bearbeitung zu übergeben. Das spart viel Zeit. Hans Stürzer: „Früher mussten wir je nach Orgel 100 bis 1000 Bohrungen von Hand anfertigen, das geht heute mit der digitalen Technik viel schneller.“ Gleichwohl führen Orgelbauer bis heute viele Arbeiten von Hand aus.

In Pfullendorf werden die Orgeln auch zusammengebaut. So hat Heinz Kremnitzer immer den aktuellen Vergleich zwischen der Konstruktion am Bildschirm und dem Exponat.
In Pfullendorf werden die Orgeln auch zusammengebaut. So hat Heinz Kremnitzer immer den aktuellen Vergleich zwischen der Konstruktion am Bildschirm und dem Exponat. | Bild: Glatter-Götz Orgelbau

Sogar die New Yorker Trinity Kirche ist Kunde

Der Orgelfachmann musste früher oft durch die Welt reisen, um sich mit Kunden zu beraten. Die digitale Videokonferenz ersetzt gerade heute immer öfter die Besprechung von Angesicht zu Angesicht. „Wir regeln vieles über diese Plattformen “, sagt Stürzer, der dennoch den persönlichen Kontakt zum Kunden schätzt. So war Heinz Kremnitzer beispielsweise Anfang des Jahrtausend drei Wochen in Los Angeles, als Glatter-Götz Orgelbau zusammen mit Frank Gehry und seinen Architekten die futuristisch anmutende Orgel für die Walt Disney Concert Hall entwarf und baute.

Glatter-Götz Orgelbau baut zurzeit in der New Yorker Trinity Kirche an der Wall Street drei Orgeln. Ein ganz besonderes Projekt, denn die Kirche ist weltbekannt. Durch die Anschläge auf das World Trade Center war die Orgel der Trinity-Kirche durch Staub zerstört worden. Jetzt wird die Kirche renoviert und die zwischenzeitlich eingebaute digitale Orgel wieder durch eine Pfeifenorgel der Marke Glatter-Götz ersetzt. Das Angebot dafür haben die Pfullendorfer natürlich digital erstellt.

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