Marina Jung ist die neue Bürgermeisterin von Neuhausen ob Eck. Am Sonntag entschieden sich 90,98 Prozent der 1090 wahlberechtigten Dorfbewohner, die ihre Stimme abgegeben hatten, für die Verwaltungswirtin aus Villingen-Schwenningen. Sie war die einzige Kandidatin. Die Wahlbeteiligung lag bei 35,46 Prozent. Die 38-Jährige wird ihr Amt am 1. November antreten. Sie löst Hans-Jürgen Osswald ab, der sich nach 16 Amtsjahren nicht mehr zur Wiederwahl stellte.

Scheidender Amtsinhaber Hans-Jürgen Osswald gibt Wahlergebnis bekannt

Unter dem Beifall von rund zwei Dutzend Bürgern, die sich vor dem Rathaus versammelt hatten, gab Osswald kurz nach 19 Uhr das vorläufige Wahlergebnis bekannt. Mit Rücksicht auf die Corona-Pandemie entfiel der sonst nach Bürgermeisterwahlen übliche große Bahnhof mit musikalischen Beiträgen der Vereine. Marina Jung ist damit nach Heike Ollech in Gunningen und Claudette Kölzow in der Nachbargemeinde Buchheim die dritte Bürgermeisterin im Landkreis Tuttlingen.

Insgesamt 35,46 Prozent der Neuhausener Wähler machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch.
Insgesamt 35,46 Prozent der Neuhausener Wähler machten von ihrem Stimmrecht Gebrauch. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Ungewohnt viele Bürger wählen aufgrund Corona-Situation per Briefwahl

Die Wahl war von der Pandemie überschattet. Das machte nicht nur die ungewohnt hohe Briefwahlbeteiligung von 13,84 Prozent deutlich. Wer trotzdem lieber persönlich seine Stimme abgeben wollte, musste sich in den drei Wahllokalen in Schwandorf, Worndorf und Neuhausen an die gegenwärtigen Hygienebestimmungen halten. Im Rathaus der Kerngemeinde war der große Ratssaal zum Wahlraum umfunktioniert worden. Die letzten Wähler kamen kurz vor 18 Uhr. Danach begann die Stimmenauszählung. Dazu teilte Hans-Jürgen Osswald mit: „Wegen des großen Anteils von 425 Briefwählern mussten wir zwei Auszählungsteams mit je sechs Auswertern bilden.“ Das dritte Team kümmerte sich im Ratssaal um die Stimmenzählung.

In mehreren Arbeitsgruppen wurden in Neuhausen, Schwandorf und Worndorf die Stimmen ausgezählt. In Neuhausen mussten zusätzlich die Briefwählstimmzettel ausgewertet werden
In mehreren Arbeitsgruppen wurden in Neuhausen, Schwandorf und Worndorf die Stimmen ausgezählt. In Neuhausen mussten zusätzlich die Briefwählstimmzettel ausgewertet werden | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Fast 100 Stimmberechtigte schreiben Namen wählbarer Mitbürger auf Stimmzettel

Eine Besonderheit des baden-württembergischen Wahlrechts machte den ehrenamtlichen Helfern zusätzlich Mühe. Die Wähler können Namen von wählbaren Mitbürgern auf den Stimmzetteln vermerken, die sich gar nicht zur Wahl gestellt haben. 9,02 Prozent, das entspricht 96 Stimmberechtigten, machten von dieser Möglichkeit Gebrauch und führten 35 verschiedene Namen auf. Den größten Anteil heimste der nicht mehr kandidierende bisherige Rathauschef ein, den 18 Bürger gern weiter im Amt gesehen hätten. Kämmerer Artur Muschalek, der an der Stimmenauswertung mitwirkte, erinnerte daran, dass es vor acht Jahren 46 solcher Namen gegeben habe.

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Positive Resonanz auf erste Frau im Bürgermeisteramt in Neuhausen

Die Tatsache, dass zum ersten Mal eine Frau das Sagen im Neuhausener Rathaus haben wird, stieß unter den Gratulanten auf dem Rathausplatz auf positive Resonanz. Einer der ersten Gratulanten war der Bürgermeister der Nachbarstadt Fridingen. Im SÜDKURIER-Gespräch sagte Stefan Waizenegger, er freue sich über den Erfolg einer Frau. Der Kommunalpolitiker zeigte sich überzeugt, dass in Zukunft noch mehr Rathäuser in der Region von Frauen geführt werden.

Gemeinderätin Ramona Rudischhauser sagt Unterstützung des Gremiums zu

Johannes Steppacher war aus Schwandorf zur Gratulationsrunde gekommen. Er hatte die neue Bürgermeisterin während des Wahlkampfs erlebt und dabei den Eindruck gewonnen, sie habe hohe Sachkompetenz. „Ich bin gespannt, wie sich der kommunalpolitische Alltag in Zukunft gestalten wird“, erklärte er mit Blick auf die kommenden Jahre. Irina Rebholz aus Worndorf bedauerte, dass es nur eine einzige Kandidatin gegeben habe, meinte aber: „Ich freue mich, dass es eine Frau geworden ist.“ Ramona Rudischhauser gehört zur vierköpfigen Damenriege im Gemeinderat. Sie wertete die Wahl Jungs als positives Ergebnis und sagte zur Zukunft der Gemeinderatsarbeit: „Wir werden die Bürgermeisterin unterstützen.“

In einer ersten Stellungnahme dankte Marina Jung ihren Wählern und lud zu einem Umtrunk ein.

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