Eure Band Tonbandgerät hat sich 2007 als Schülerband gegründet. Welche Erinnerungen habt ihr an diese Anfangsphase?

Isa Poppensieker: Ich hab relativ viele Erinnerungen an Proberäume in Bunkern. Die haben wir ziemlich häufig gewechselt, weil es von ihnen in Hamburg nicht so viele gab. Dort gab es kein Tageslicht. Und in diesen Bunkern haben wir die Sommer verbracht und geprobt, während unsere Freunde draußen in der Sonne Spaß hatten.

Ole Specht: Wenn ich zurückblicke, denke ich an Konzerte, bei denen vier, fünf zahlende Gäste zugehört haben. Eigentlich erstaunlich, dass wir trotzdem weiter gemacht haben. Es gibt, glaube ich, dieses Verklärungssyndrom, dass man im Nachhinein Dinge schöner in Erinnerungen hat, als sie eigentlich waren. Und mit diesem Verklärungssyndrom sind wir ziemlich lange herumgelaufen. (lacht)

Apropos Verklärung: Wovon habt ihr denn damals geträumt? Was waren eure Ziele?

Isa: Wir haben gar nicht so weit gedacht, dass wir irgendwann auf Festivals wie dem Southside oder dem Hurricane spielen. Wir wollten einfach nur Konzerte spielen, wollten dass Leute kommen. So richtig konkrete und große Ziele hatten wir gar nicht, das haben wir uns nicht herausgenommen. Es war damals ziemlich klein gedacht und ist dann doch umso größer geworden. Irgendwie ist das sehr schön so.

Hattet ihr Alternativen, falls es mit der Musik nicht klappt?

Isa: Ja, wir haben nach der Schule angefangen, zu studieren. Ein Teil von uns hat das Studium auch beendet. Ich studiere beispielsweise immer noch Jura.

Ole: In welchem Semester bist du? Isa: Achtzehntes vielleicht? Ich hab irgendwann aufgehört, zu zählen. (lacht) Ole hat Lehramt studiert, Sophia Kulturwissenschaften und Jakob Media Systems, eine Art Informatik.

Was haben eure Eltern dazu gesagt, dass ihr die Musik als Beruf auserwählt habt?

Ole: Komischerweise fanden die Idee mit der Musik alle ziemlich gut. Sophia hat zum bestandenen Abitur ihren ersten richtigen Gitarrenverstärker geschenkt bekommen. Es gab eigentlich nie einen Moment, in dem irgendjemand von unseren Eltern gesagt hat: Macht lieber etwas Vernünftiges. Eher im Gegenteil: Unsere Eltern sind eigentlich immer dabei, wenn wir irgendwo in der Nähe spielen.

Vor etwa fünf Jahren hattet ihr euren Durchbruch. Was hat sich seither für euch verändert? 

Ole: Gar nicht so viel. Wir sind im Kern immer noch eine überschaubare Crew, die natürlich größer geworden ist. Aber es fühlt sich immer noch an wie damals. Nur dass wir nicht mehr in einem verschimmelten Luftschutzbunker proben, sondern in einem verschimmelten kleinen Raum. (lacht)

Isa: Außerdem kommen mittlerweile natürlich ein paar mehr als fünf bis sechs Leute zu unseren Konzerten.

SÜDKURIER-Volontär Lukas Reinhardt (rechts) im Interview mit Isa und Ole. | Bild: Wiebke Wetschera

Anderes Thema: Ihr wart auf Initiative des Goethe-Instituts auch in den USA, in China, in Israel unterwegs, um Deutsch als Fremdsprache dort attraktiver zu machen. Welche Erfahrungen habt ihr dabei gemacht?

Ole: Die Schulen und Universitäten haben ein Jahr vor unseren Auftritten dort unsere Songs als Lehrmaterial bekommen. Damit haben die Schüler und Studenten dann Deutsch gelernt. Und der Abschluss war dann ein großes Konzert. Wir hatten damals etwas Angst, dass es ein blödes Event wird, worauf niemand wirklich Lust hat. Aber genau das Gegenteil war der Fall. Gerade in den USA waren über tausend Schüler und Studenten bei den Konzerten, haben uns total abgefeiert und sind komplett ausgerastet. Das war eine sehr, sehr gute Erfahrung.

Konnten sie eure Texte dann auswendig?

Ole: Ja, die haben die Texte mitgesungen – von vorne bis hinten. Echt unglaublich.

Was würdet ihr all den Schülerbands da draußen raten, die wie ihr damals noch am Anfang stehen und vom Durchbruch träumen?

Isa: Einfach weitermachen. Sie sollten sich nicht davon beirren lassen, wenn mal nicht so viele Leute zum Konzert kommen. Weiterspielen, weiter üben, irgendwann wird es vielleicht cool – vielleicht aber auch nicht, aber dann macht man halt etwas anderes. Wichtig ist, sich nicht den Spaß verderben zu lassen, wenn der Plan nicht sofort aufgeht.

Ole: Ich würde ihnen sagen, dass so ein Plan Zeit braucht. Wir haben unser fünfjähriges Jubiläum im Hamburg in einer Bar gespielt, in die 80 Leute passen. Damals war das Konzert ausverkauft und wir konnten unser Glück kaum fassen. Aber so etwas dauert eben. Gerade junge Bands gehen manchmal vielleicht auch etwas unrealistisch an die Sache heran. Trotzdem braucht man Durchhaltevermögen. Und natürlich Spaß, das ist die Grundlage von allem.

Eine letzte Frage: Ihr kommt aus dem hohen Norden, aus Hamburg. Merkt ihr den Unterschied zwischen dem Hurricane und dem Southside?

Ole: Das ist ja unseres erstes Mal, dass wir auf dem Southside spielen. Deswegen kann ich es noch nicht sagen.

Isa: Hier ist das Wetter schon mal besser. Beim Hurricane regnet es gerade total, da ist superschlechtes Wetter. Das ist hier schon mal besser. Ansonsten müssen wir uns erst mal umschauen, um die Frage richtig beantworten zu können.