Zu Beginn des Wirkens Jesu steht eine Kurzpredigt. Wirklich nur wenige Worte. „Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15) „Tut Buße!“ Man kann es auch anders sagen: „Ändert euer Leben!“ Es wird im Neuen Testament berichtet, dass Jesus zuvor vierzig Tage in der Wüste war: „Und er war in der Wüste vierzig Tage und wurde versucht von dem Satan“, das heißt auf die Probe gestellt, „und er war bei den wilden Tieren, und die Engel dienten ihm“ (Markus 1,13).

„Wüstenzeiten“ kennen wir alle. Es sind Zeiten und Lebensphasen, die herausfordernd und bedrohlich sind. Krisenzeiten, in denen sich entscheidet, wer man selber ist und wohin sich eine Gemeinschaft oder Gesellschaft entwickelt.

Wüste als Ort der Verwandlung

Die Wüste als Ort der Verwandlung; der Konzentration auf das Wichtige; der Begegnung mit Gott und sich selbst; mit dem Satan, den wilden Tieren und den Engeln; der Versuchung und der Kunst, die Geister zu scheiden. Aus den vielen Stimmen die eine Stimme heraushören, die einen sicher leitet.

Vielleicht kann man die bisherige und zu erwartende Pandemie-Zeit in diese Richtung verstehen. Solch eine „Wüstenzeit“ leitet uns zur Rechenschaft über unser eigenes Leben. Die Pandemie erschüttert uns doch so sehr, weil wir nun feststellen müsse, dass alte Sicherheiten nicht mehr gelten. Bei vielen Menschen geht es um die Existenz. Kaum etwas ist noch planbar. Wüstenzeit. Krisenzeit.

Welt nach der Pandemie wird eine andere sein

Es geht eine gewisse Art zu leben zu Ende. Die Welt nach der Pandemie wird eine andere sein. Wunden brechen auf, die bisher verdeckt oder nur ansatzweise sichtbar waren. Was vorher nicht heil war, tritt nun verstärkt offen zu Tage: Konflikte in Beziehungen und Familien, Versäumnisse im Bildungs- und Gesundheitssystem; Ungerechtigkeiten in unserem sozialen Gefüge. Und auch die Kirchen sind genötigt, über ihr Selbstverständnis nachzudenken.

Verändern wir uns nicht, so werden wir nach der Pandemie mit größeren Problemen zu kämpfen haben als davor. Und das ist vielleicht die größte Herausforderung: In der wirklich „ver-rückten“ Zeit der Pandemie so miteinander über uns selbst, über unser Miteinander und Gott und die Welt zu sprechen, dass sich neue, befreiende Horizonte auftun und sich unser Denken, Handeln und Tun verändert. Eine Chance, die wir nicht versäumen sollten, weder in den privaten noch in „öffentlichen“ Lebenszusammenhängen. Es gilt jetzt erst recht: Miteinander Reden!

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