Für einen Laien ist es auf Anhieb nicht als Kostbarkeit zu erkennen – ein Eisengestell eben mit einem Gitter vorne und jeweils zwei Rädern an jeder Seite. Für einen Fachmann ist es jedoch eine absolute Besonderheit, für die ein Sammler tief in Tasche greifen würde. Diese Rarität gehört seit dem Wochenende zum Fundus des Oldtimer-Museums in Meßkirch. Bei dem "Eisengestell mit Rädern" handelt es sich um das Chassis, das Fahrgestell, eines der 20 jemals in Meßkirch gebauten Rennautos vom Typ "Veritas". Hinter dem Unterteil des Sportwagens liegt eine jahrzehntelange Geschichte. Dass das Chassis wieder in Meßkirch ist, hat der Oldtimer-Club zwei Männern aus Villingen-Schwenningen zu verdanken. Hans Distel (Jahrgang 1935) war in seinem Berufsleben nicht nur Automechaniker, der sich mit dem Reparieren von Fahrzeugen begnügte. Mit seinem Zwillingsbruder Günter baute er 1952 einen eigenen Rennwagen auf dem Fahrgestell aus Meßkirch auf. Die beiden jungen Autobauer bekamen noch im gleichen Jahr den Segen des Technischen Überwachungsvereins (TÜV) für ihre Eigenkonstruktion. Sie fuhren damit bis zum Kauf eines gemeinsamen Käfers zum 21. Geburtstag 1956. Den Aufbau ihres Veritas machten die jungen Männer beim Altmetallhändler wieder zu Geld. Das Fahrgestell blieb 60 Jahre lang in der Obhut von Hans Distel. Im Alter von 81 Jahren wollte sich der Autobastler von seinem Fahrgestell trennen. Sohn Ralf (57) kümmerte sich darum und fand im Meßkircher Automuseum den geeigneten Platz.

Die Zwillinge Heinz und Günter Distel fertigten 1952 auf dem Fahrgestell eines Veritas-RS-Rennwagens ihren eigenen Aufbau
Die Zwillinge Heinz und Günter Distel fertigten 1952 auf dem Fahrgestell eines Veritas-RS-Rennwagens ihren eigenen Aufbau
Egon Pfeiffer hat auf der auf der "Retro Classic"-Messe" in Stuttgart diesen originale Veritas fotografiert. <em>Bild: Egon Pfeiffer</em>
Egon Pfeiffer hat auf der auf der "Retro Classic"-Messe" in Stuttgart diesen originale Veritas fotografiert. Bild: Egon Pfeiffer

Kurz dem Krieg waren damals Kraftfahrzeuge Mangelware. Die Gebrüder Distel kamen 1952 durch einen Zufall an "ihr" Fahrgestell. Heinz Distel berichtet: "Ein Rennfahrer aus Pfohren verkaufte das Fahrgestell, das wir für 500 Mark bei einem Händler in Schwenningen erwerben konnten." Denn damals verkaufte Veritas nur die Fahrgestelle mit Motor. Um die Karosserie mussten sich die Kunden selbst kümmern. Die Jugendlichen hatten nun ein Fahrgestell. Zwei Häuser weiter war eine Blechnerwerkstatt. Hier konnten sie die Vorrichtungen benutzen, um aus Blechteilen vom Schrottplatz Seitenwände oder Kotflügel zu formen. Natürlich hatte das Fahrgestell beim Kauf keinen Motor mehr. Der Senior erinnert sich: "Wir konnten einen defekten Opel-Motor bekommen und haben ihn wieder zum Laufen gebracht." Ihr "Rennwagen" brachte damals mit seinen 37-Opel-PS immerhin schon rund 100 Kilometer auf den Tachometer, auf ebener Strecke und machte den jungen Autofreaks viel Spaß.


 

"Originalteile sind sehr begehrt"

Egon Pfeifer ist Vorsitzender der Oldtimer-Freunde Meßkirch und Umgebung.

Herr Pfeifer, was bedeutet das Veritabel-Fahrgestell für das Museum?

Das bedeutet eine deutliche Aufwertung. Es wurden in Meßkirch nur 20 Rennwagen gebaut und wir haben jetzt eines dieser 20 Fahrgestelle im Museum.

Dann war es eine gute Idee von Vater und Sohn Distel, auf Sie zuzukommen?

Natürlich. Solche Originalteile sind bei Sammlern sehr beliebt. Für das Fahrgestell hätten die Distels auf dem Sammlermarkt weit mehr als 10 000 Euro bekommen.

Hat der Verein so viel bezahlt?

Nein, das haben wir nicht. Wir konnten uns auf einen guten und fairen Preis einigen. Trotzdem haben Vater und Sohn auf Geld verzichtet, um das Fahrgestell langfristig zu erhalten.

Können Sie sicher sein, ein wirkliches Originalstück aus Meßkircher Produktion zu haben?

Wir haben mit unserem Vereinsmitglied Fritz Kummerer einen ausgewiesenen Veritas-Fachmann zur Verfügung. Er bescheinigte uns absolut sicher, ein Originalstück zu haben