Wenn es nach Egon Pfeifer und seinen Vereinskollegen geht, ist Meßkirch nicht allein wegen Martin Heidegger, Conradin Kreutzer und anderen als badischer Geniewinkel bekannt, auch Namen wie Autohausbesitzer und Motorradgespann-Rennfahrer Ernst Kramer, Zweiradsportfahrer Johann Häusler sowie die Marken Veritas und Schakomobil gehören für ihn in diese Reihe.

"Die vier Größen der Motorsportgeschichte werden total vergessen", daher wolle ihr Museum diese zeigen. Das 25-jährige Jubiläum ist jetzt einmal mehr Anlass für die Oldtimerfreunde, anderen einen Blick auf ihre motorisierten Schätze zu erlauben.

Dieter Karl (links) und Marvin Hobein (rechts) bei einer Bewirtung. Hobein hatte die Vereinsgründung initiiert.
Dieter Karl (links) und Marvin Hobein (rechts) bei einer Bewirtung. Hobein hatte die Vereinsgründung initiiert. | Bild: Isabelle Arndt

Weil sie ein Museum gründen wollten, mussten sie vor 25 Jahren einen Verein gründen, erklärt der Vereinsvorsitzende Egon Pfeifer. Zuvor traf sich eine Interessensgemeinschaft alle vier Wochen im damaligen Restaurant Hofgarten, mit der Vereinsgründung wurde es offiziell.

Und jetzt, 25 Jahre später, feiern die Oldtimerfreunde ihr Jubiläum mit einem Fest am Samstag, 23. September. Eingeladen sind neben Vertretern von Vereinen und Stadtverwaltung auch 17 Gründungsmitglieder. Daher arbeitet Pfeifer derzeit daran, die Vereinschronik zu aktualisieren – und wer könnte das besser als er: "Ich bin von der Stunde Null dabei", sagt Pfeifer.

 

Das Jubiläumsfest werfe seine Schatten voraus. Ein Höhepunkt wird sein, dass es am Sonntag, 24. September, erstmals wieder ein Oldtimertreffen geben wird. Pfeifer rechnet je nach Wetterlage mit 300 Fahrzeugen und noch mehr Besuchern, auch da das Fest mit dem verkaufsoffenen Sonntag kombiniert wird. Die Vorbereitungen laufen seit Wochen: Die Straßensperrung muss beantragt, die Bewirtung seitens Sportverein organisiert und Ehrenurkunden, Abzeichen sowie Gastgeschenke müssen veranlasst werden.

Rückblick auf gemeinsames Basteln

Die Zeiten haben sich in den vergangenen 25 Jahren deutlich verändert: "Damals waren das wirklich noch Verrückte, die sich ein Auto zusammen geschustert haben", erzählt Pfeifer. Damals habe man sich selbst ein Lager von Teilen angesammelt und mit anderen getauscht. Teile fand er auf Teilemärkten, durch Verbindungen oder bastelte sie selbst. Heute dagegen bestelle man das im Internet und habe es zwei Tage später im Briefkasten. "Das ist ja eine richtige Industrie geworden."

Für Oldtimerfreunde wie Pfeifer sei die Werkstatt das zweite Wohnzimmer. "Da ist ständig was zu machen" und ein Oldtimer-Begeisterter lebe mit regelmäßigen Reparaturen – die könne aber auch ein Halblaie leisten. Pfeifer hat inzwischen zehn Fahrzeuge, angefangen mit einem Quickly-Motorrad. Er spricht vom "Oldtimer-Bazillus", denn mit der Fertigstellung eines Projekts beginne er ein neues. Dadurch würden obligatorisch Sammlungen entstehen und die sind bei den Vereinsmitgliedern unterschiedlich groß: "Manche haben 50 Motorräder, manche nur zwei Fahrzeuge", sagt Pfeifer. Sein Herz schlägt besonders für Kleinwagen wie einen Messerschmitt.
 

Alexandra und Anita Hofmann im Museum mit einem der ältesten Fahrzeuge, einem DeDion Motorwagen von 1899.
Alexandra und Anita Hofmann im Museum mit einem der ältesten Fahrzeuge, einem DeDion Motorwagen von 1899. | Bild: Isabelle Arndt

Museum in Eigenleistung saniert

Viele der geliebten Stücke stehen in dem Museum, das der ganze Stolz der Oldtimerfreunde ist: Sieben Jahre Bauzeit hat es gekostet, aus der Remise am Meßkircher Schloss einen Ausstellungsraum zu machen. Mit bloßen Händen habe man 1992 mit der Kernsanierung begonnen, der Verein wollte keinen Kredit aufnehmen und hat mit Spenden und Festeinnahmen nach und nach gebaut. Dem ein oder anderen sei auf dem Weg der Mut verloren gegangen, doch 1999 war es geschafft: "Die Frist haben wir uns selbst gesetzt. Wir haben gesagt, jetzt oder nie", sagt Pfeifer.

Während die Popularität des Museums seitdem steigt, sinken die Mitgliederzahlen. Pfeifer wählt einen Vergleich, um die Gründe zu veranschaulichen: Ein Fußballer brauche ein Fußballfeld und Mitspieler, doch ein Oldtimerfreund kann auch allein in der Garage schrauben. Sie würden die Hoffnung aber nicht aufgeben, das Durchschnittsalter von 65 Jahren künftig wieder senken zu können.

Dass auch Zuschauer sich für die Fahrzeuge der Oldtimerfreunde begeistern können, genießen die Bastler bei Treffen mit Vorsicht: "Jeder klopft dran, um zu demonstrieren, dass das damals noch Blech war", sagt Egon Pfeifer. Mancher würde die Schalter drücken, andere gar ihre Kinder in den Wagen setzen – deshalb bleibe er bei Oldtimertreffen immer an seinem Auto. Im Museum ist stets ein Vereinsmitglied vor Ort, auch um Fragen zu Besonderheiten wie den in Meßkirch gebauten Schakomobil oder einem Veritas zu beantworten. Was Pfeifer sich von Besuchern wünscht? "Angucken und Fotografieren, den Besitzer nach Informationen fragen." Und wer nett fragt, dürfe auch mal mitfahren.

2005, 2007 und 2009 fand das Oldtimertreffen am Meßkircher Schloss statt, bis es Bedenken wegen des Naturschutzes gab. Zum Jubiläum sollen am 24. September wieder hunderte Wagen in Meßkirch sein.
2005, 2007 und 2009 fand das Oldtimertreffen am Meßkircher Schloss statt, bis es Bedenken wegen des Naturschutzes gab. Zum Jubiläum sollen am 24. September wieder hunderte Wagen in Meßkirch sein. | Bild: Isabelle Arndt

Verein und Museum

  • Gründung: Die Oldtimerfreunde Meßkirch wurden 1992 auf Initiative von Manfred Wildmann gegründet, der Beschluss dafür fiel innerhalb der zuvor bestehenden Interessensgemeinschaft Mitte/Ende 1991. Heute hat der Verein rund 120 Mitglieder aus einem Umkreis von rund 70 Kilometern, Egon Pfeifer ist seit April 2000 Vorsitzender. Das Museum war Anlass der Vereinsgründung. Die Sanierung der einstigen Remise am Meßkircher Schloss erfolgte in Eigenleistung von 1992 bis 1999, Einweihung war am 10. Juni 1999 mit einem Oldtimertreffen auf dem Schlossareal.
  • Exponate: Die gezeigten Stücke stammen aus den privaten Sammlungen der Vereinsmitglieder und wechseln regelmäßig. "Wenn ein Besucher beim dritten Mal das Gleiche sieht, kommt er nicht mehr", sagt Pfeifer, außerdem sei die Ausstellungsfläche recht klein. Gezeigt werden auch andere Gegenstände der jeweiligen Zeit, etwa eine alte Waschmaschine. "Die Kleingeräte, die man früher hatte, kennt ja keiner mehr", sagt Pfeifer.
  • Öffnungszeiten: Im vergangenen Jahr haben die Oldtimerfreunde ihre Öffnungszeiten auf Wunsch von Landratsamt und Stadt an die Kreisgalerie angepasst, von April bis Oktober ist das Museum Samstag ab 14 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Gruppen nach Anmeldung ganzjährig, nach Absprache auch außerhalb der Öffnungszeiten. Der Eintritt kostet Erwachsene 3 Euro, ermäßigt sowie in einer Gruppe von zehn Personen 2,50 Euro, und Kinder bis 14 Jahren sind frei. Besucher von Campus Galli müssen mit einer Kombikarte nur den halben Eintritt zahlen.