Die Agentur für Arbeit Balingen hat gegenüber den Medienvertretern in ihrer Dienststelle in Sigmaringen die neuesten Arbeitsmarktzahlen präsentiert. "Die Erfolgsgeschichte geht weiter. 2017 war wieder ein gutes Jahr für den heimischen Arbeitsmarkt", sagte Georg Link, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Balingen.

Wie auch in einer Präsentation dargestellt, lag die Zahl der Arbeitslosen bis einschließlich Oktober stets unter den Vergleichswerten des Jahres 2016. Dann aber führten in die Entlassungen bei Alno in Pfullendorf (siehe Interview) im November/Dezember 2017 zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen. "Aber das konnte die positive Gesamtentwicklung kaum trüben", verwies Link auf den Jahresdurchschnitt der Arbeitslosigkeit, die um 7 Prozent niedriger gegenüber dem Vorjahr liegt. "Das zeigt die sehr gute Verfassung des regionalen Arbeitsmarktes", zog der Balinger Chef der Agentur für Arbeit sein Resümee. Dieser Schnitt stelle somit die niedrigste Arbeitslosenzahl in den vergangenen 25 Jahren dar (siehe Grafik).

Gleichwohl dürfe man hier nicht von Vollbeschäftigung sprechen. Immerhin sind es, so Link und sein Pressesprecher Rolf Gehring, 571 Personen im Landkreis, die länger als ein Jahr ohne Beschäftigung sind. Hier könnten die Qualifizierungsprogramme greifen.

Entwicklung der Arbeitslosigkeit: 2313 Menschen waren durchschnittlich 2017 im Landkreis Sigmaringen arbeitslos gemeldet – 175 weniger als im Vorjahr. Der Höchststand mit 2580 Beschäftigungslosen sei im Januar erreicht worden, der niedrigste Stand habe sich im Oktober mit 2070 abgezeichnet. Von der guten Entwicklung hätten besonders Jüngere und Langzeitarbeitslose profitiert: Die Jugendarbeitslosigkeit habe sich um ein Zehntel verringert. Durchschnittlich seien 230 Arbeitslose unter 25 Jahre alt. Auffällig ist in der Statistik die überdurchschnittliche Verringerung der Arbeitslosenrate bei Menschen ohne Berufsausbildung. Sie liegt bei den Langzeitarbeitslosen bei 17 Prozent und bei den 15- bis unter 25-Jährigen bei 10 Prozent. "Es ist wie in der Politik: Wir müssen jeden einzelnen Jugendlichen überzeugen, dass die Ausbildung der beste Schutz gegen Arbeitslosigkeit ist," erklärte Pressesprecher Rolf Gehring.

Arbeitskräftenachfrage: Der Bedarf an Arbeitskräften hat im Vergleich zu 2016 um 18,6 Prozent zugenommen, sagte Link. So meldeten Betriebe und Verwaltungen im Landkreis insgesamt 4240 Stellenangebote, ein Plus von 665 Stellen. Es herrscht also eine hohe Einstellungsbereitschaft vor. Allerdings hätten die Älteren der über 50-Jährigen von der guten konjunkturellen Entwicklung nicht so profitieren können wie im Vergleichsjahr. Was die Vertreter der Arbeitsagentur auf den gesundheitlichen Aspekt, auf gewisse Einschränkungen, zurückführen.

Fachkräftemangel: Firmen sind wegen dieses Tatbestands bereit, auch nicht Qualifizierte einzustellen und dann anzulernen, wofür die Arbeitsagentur Eingliederungszuschüsse bewilligt.

Ausländer: Die Zahl der erwerbstätigen und arbeitssuchenden Flüchtlinge ist angestiegen, sie kommen aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern wie Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien. Der Rückgang von 315 auf 115 arbeitssuchenden und erwerbslosen Flüchtlingen liege darin begründet, dass 200 Personen in Qualifizierungsmaßnahmen aufgenommen wurden, um in Arbeit und Ausbildung Fuß fassen zu können. Darüber hinaus seien viele Betriebe bereit, ungelernte Flüchtlinge einzustellen, um sie nachträglich zu qualifizieren. Enorm gesteigert hat sich unter diesen Flüchtlingen die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten: von 97 im Juni 2016 auf 161 im Juni 2017.

Berufsgruppen: Im Jahresbericht 2017 wird analysiert, das die Beschäftigungsentwicklung branchenabhängig ist. Demzufolge steht unter den Top 10 im Juni 2017 die Metallerzeugung und -bearbeitung, der Metallbau mit 4713 Beschäftigten an der Spitze, dicht gefolgt von Berufen der Unternehmungsorganisation (4558) sowie die Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufe (3935). Stärkste Zuwächse sind in der Kunststoff- und Holzherstellung beziehungsweise -verarbeitung (plus 192 Personen), in den Maschinen- und Fahrzeugtechnikberufen (plus 146) sowie in Verkehr und Logistik (plus 121 vermerkt. Den stärkten Rückgang verzeichnen mit Abstand die Schutz-, Sicherheits- und Überwachungsberufe mit 116 Personen weniger.

Zukunftsprognose: Befragt zur erwarteten Entwicklung im Januar, stellte Georg Link fest, dass es schwierig sei, eine verlässliche Prognose für 2018 abzugeben. Dennoch ist seiner Einschätzung gemäß die Entwicklung optimistisch zu betrachten: "Wir haben noch mit den Nachwirkungen der Veränderungen bei Alno zu tun. Und natürlich gibt es andere Unsicherheiten, die sich auf unseren regionalen Arbeitsmarkt auswirken können." Link denkt dabei neben der Zuwanderung von Flüchtlingen und Asylbewerbern an die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung in der Arbeitswelt. Die Stimmung der Wirtschaft sei aber zuversichtlich. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erwartet für den Gesamtbezirk der Agentur für Arbeit, Balingen eine weiter zurückgehende Arbeitslosigkeit.

Schwerpunkte der Agentur: Im Blickpunkt des Handelns für 2018 dürfte unverändert die Qualifizierung und Weiterbildung von An- und Ungelernten sein. Denn es dürfte schwieriger werden, Stellen mit geeignetem, qualifiziertem Personal zu besetzen. Der Bedarf an Fachkräften dürfte weiter steigen. Rolf Gehring erwähnte noch einen weiteren Nebeneffekt für die Arbeitsagentur im Zuge der aktuellen Arbeitsmarktentwicklung: "Auch wir müssen Personal abbauen. Da geht sehr viel Dynamik weg."

"Bei Alno waren wir mit im Boot"

Georg Link, Geschäftsführer der Balinger Agentur für Arbeit äußert sich zu Arbeitnehmern der Firma Alno, die dort nicht mehr beschäftigt wurden und Geld für die Überbrückungszeit erhielten. 60 von ihnen sind in eine Transfergesellschaft überführt worden.

Herr Link, inwieweit ist die Agentur für Arbeit in die Vorgänge bei Alno einbezogen worden?

Ab Mitte September waren wir mit unseren Beratungsfachkräften im Boot, als die Löhne nicht mehr gezahlt und erste Mitarbeiter freigestellt wurden. Wir waren mit acht Beratern und Beraterinnen tageweise direkt im Betrieb.

Wie lange wird Kurzarbeiter- oder Arbeitslosengeld für einen frei gestellten Alno-Beschäftigten gewährt?

Anspruch auf Kurzarbeitergeld besteht grundsätzlich für längstens 12 Monate. Ob im konkreten Einzelfall Kurzarbeitergeld gezahlt wird, hängt unter anderem vom Umfang ausgefallener Arbeit ab. Die Prüfung und gegegebenfalls Zahlung ist Sache unserer Experten im Operativen Service, da sind wir in Balingen nicht mehr direkt eingebunden.

Und wie ging die Gründung der Transfergesellschaft vonstatten – 65 Mitglieder sollen sich augenblicklich darin befinden?

Das ist ein im Moment laufender Prozess. Ursprünglich sollten hundert von Arbeitslosigkeit bedrohte Mitarbeiter in die Gesellschaft rein, augenblicklich sind es etwa sechzig. Der Sachstand kann sich stetig ändern. Denn die neue Alno AG versucht gerade, eine Stammmannschaft aufzustellen.

Fragen: Jürgen Witt