Mit kämpferischen Festreden hat sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) mit seinem Sigmaringer Kreisverband am Vorabend des 1. Mai auf den Tag der Arbeit eingestimmt. Unter dem Motto "Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit", sprach Rudolf Luz, Leiter des Funktionsbereichs Betriebspolitik beim IG-Metall-Vorstand, im gut besuchten Bürgersaal des Laizer Rathauses.

Luz blickte in die Zukunft. Man müsse kein Hellseher zu sein, um zu wissen, dass die Digitalisierung die Betriebe umkrempeln werde. "Durch Industrie 4.0 findet eine neue Qualität der Rationalisierung statt: Maschinen agieren vernetzt." Dies beträfe Kaufleute und Techniker in den Büros genauso wie den Ladenbesitzer oder den Mechaniker, der Autos und Maschinen zusammenbaut. "Daher ist es gut, dass die Betriebsräte der DGB-Gewerkschaften bei guten Wahlbeteiligungen so stark sind". Noch froher stimme ihn, dass es gelungen sei, das "braune Pack" aus den Gremien herauszuhalten – Rechte Listen hätten nur in neun von 28 000 Betrieben im Metallerbereich ein Mandat errungen. "Nicht schwadronierende Dünnbrettbohrer steuern mit den Kollegen durch die Transformation, sondern wir, die DGB-Betriebsräte als kompetente Problemlöser, mit klarer Haltung zu den Fragen der sozialen Gerechtigkeit", betonte der IG-Metall-Funktionär. Er verwies auf die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie, da habe das Beispiel Arbeitszeit gezeigt: "Wir können uns selbst kümmern!"

Luz wandte sich gegen marktradikale Ideologen vom Schlage eines Joe Kaeser, den Chef von Siemens. Dieser rede von Menschen, die durch den digitalen Wandel auf der Strecke bleiben, geistig nicht mehr mitkommen würden. "Was für ein Wegducken vor der eigenen Verantwortung", empörte sich Luz. "Und dann soll der Staat mit einem Grundeinkommen sorgen!" Entscheidend sei: Statt um Transferleistungen müsse es um gute Arbeitsplätze für alle gehen: "Das ist die Voraussetzung für einen funktionierenden Sozialstaat", so Luz.

Der DGB-Kreisvorsitzende Rudolf Christian sagte, es gäbe nach der Neuauflage der Großen Koalition keinen Grund, Freudentänze einzustudieren. "Es gibt sie immer noch, die prekären Arbeitsverhältnisse, es gibt sie immer noch, die unterbezahlten Altenpfleger, Pfleger und Krankenschwestern." Arbeitsminister Hubertus Heil müsse nach 100 Tagen an seinen Taten gemessen werden. Der Gewerkschafter blickte auch kritisch auf einige Firmen im Kreis. Dass die Neue Alno GmbH in Pfullendorf wieder Küchen produziere, sei kein Grund für ein Hosianna: "Lohnverzicht war noch nie die Basis für eine Sanierung, die lange Bestand haben soll." Christian bemängelte, dass der Verdienst klar unter dem Tarifniveau liege, es keine Arbeitsplatzsicherung gäbe. "Das Risiko tragen einzig und alleine die Beschäftigten. Sie sind für mich die wahren Helden bei der neuen Alno", bekräftigte Christian.

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