Die Kunsthalle Kleinschönach ist ein Ort zum Arbeiten und Leben. Dort leben sieben Künstlerinnen, Künstler und Kunstschaffende, zum Teil mit ihren Familien, in einer besonderen Wohngemeinschaft. Neben den Wohneinheiten birgt das 1000 Quadratmeter große ehemalige Produktionsgebäude 13 großzügige Ateliers, die viel Raum geben für Kreativität und künstlerisches Schaffen.

Ehemaliges Firmengelände der Firma Geiger

1965 wurde das ehemalige Fabrikgebäude als Produktionsstätte der Firma Geiger errichtet. Dort wurden bis 1999 Strickstoffe hergestellt. Als klar war, dass nach über 30 Jahren die Produktion auslaufen würde, wurde das Firmengebäude und das umliegende Gelände zum Kauf angeboten. Ein Glücksfall für den Verein „man müsste Ateliers hinterlassen können“, denn dieser suchte gerade nach einem passenden Umfeld für die Künstlergemeinschaft, die sich ein Jahr zuvor gegründet hatte.

Die vier Gründungsmitglieder Dieter Zimmermann (Möbelsubjekte), Martha Materna (Bildhauerin), Holger Pirke (Aktionskünstler) und Robert Steward (Maler und Bildhauer) sowie drei weitere Gründungsmitglieder hatten so den Raum und Platz für ihre Arbeiten und ihre Kreativität gefunden. Zwei von ihnen, Dieter Zimmermann und die Goldschmiedin Katharina Lebede, wohnen und arbeiten noch heute in der Kunsthalle.

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Umbau der Fabrik eine Herausforderung für die Künstlergemeinschaft

Es gab erst einmal viel zu tun für die neuen Bewohner in der Künstlergemeinschaft. Während sich das Gebäude von außen in den vergangenen zwei Jahrzehnten, in denen es die Kunsthalle Kleinschönach nun gibt, kaum verändert hat, ist innen nichts mehr so, wie zu den Zeiten, als noch große Maschinen darin standen, mit denen Stoffe hergestellt wurden. Die große Halle wurde durch Trennwände in mehrere Atelierräume unterteilt. Ein langer Mittelgang, der heute unter anderem als Ausstellungsfläche dient, teilt die Halle in einen rechten und einen linken Flügel. Vom Gang aus erreicht man die zwischen 50 und 100 Quadratmeter großen Ateliers, die an den Außenseiten des Gebäudes platziert sind. Sie verfügen über große Fensterflächen, durch die viel Tageslicht in die einzelnen Werkstätten fällt – oftmals ein wichtiger Aspekt für die Entstehung von Kunstwerken.

Im Atelier von Katharina Lebede entstehen einzigartige Schmuckstücke.
Im Atelier von Katharina Lebede entstehen einzigartige Schmuckstücke. | Bild: Christl Eberlein
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Zusammenarbeit in einem Gebäude für die Künstler inspirierend

Für Katharina Lebede ist es vor allem die Höhe der Räume, durch die sie sich in ihrem Atelier wohl fühlt. Sie arbeitete zuvor in einem Raum mit normaler Deckenhöhe und spürt deutlich den Unterschied bei der Arbeit. „Hier fällt einem die Decke nicht auf den Kopf“, sagt sie. In zwei Ateliers ist der Wohnraum fast unmittelbar integriert. Nur dünne Wände und Türen trennen den Arbeits- und den Wohnbereich. Die anderen Wohneinheiten befinden sich in einem zweistöckigen Wohnhaus, das direkt an die Halle anschließt. Kurze Wege von zu Hause bis zur Arbeit also, was sowohl Vorteile als auch Nachteile habe, sagen die Bewohner der Kunsthalle. „Manchmal fehlt der Abstand“, meint Dieter Zimmermann, einer der Künstler, dessen Wohn- und Arbeitsraum direkt miteinander verbunden ist. Damit ist aber nicht der Abstand zu den anderen Künstlern gemeint, denn die enge Zusammenarbeit in einem Gebäude sei inspirierend und schön. Manchmal könne es richtig laut werden, manchmal ertöne Musik, es sei fast immer jemand da zum Reden und zwischendurch sei es einfach still, beschreiben die Bewohner.

Atelier, Schlafzimmer und Gemeinschaftsraum, in der Kunsthalle Kleinschönach findet man alles unter einem Dach.
Atelier, Schlafzimmer und Gemeinschaftsraum, in der Kunsthalle Kleinschönach findet man alles unter einem Dach. | Bild: Christl Eberlein

Das Gebäude hält für alle Aktivitäten den passenden Raum zur Verfügung, von der Werkstatt bis zum Fotolabor, vom gemeinsamen Aufenthalts- bis zum einsamen Rückzugsort. Selbst für größere Veranstaltungen, wie Konzerte, Ausstellungen und Seminare gibt es in der Kunsthalle Kleinschönach den passenden Rahmen. Außerdem gibt es ein Gastatelier, das vierteljährlich an auswärtige Künstler vergeben wird. Das wissen die Künstlerinnen und Künstler zu schätzen, auch die, die nicht in der Kunsthalle wohnen, sondern nur ihr Atelier dort haben.

Am Anfang unheimliche Geräusche vom Dach

Und wer so lange in dem Gebäude lebt, wie Dieter Zimmermann, der weiß auch einiges darüber zu berichten. „In der Kunsthalle laufen Menschen“, sagt er und meint damit nicht diejenigen, die dort wohnen und arbeiten und auch nicht die Besucher, die zeitweise in der Kunsthalle verweilen. „Als wir das Gebäude übernommen hatten, hörten wir aus dem Dachstuhl immer wieder Geräusche, so als ob jemand über unseren Köpfen hin und her laufe“, berichtet er. Das sei zunächst recht unheimlich gewesen. „Doch dann wurde uns klar, dass sich das Dach bei Temperaturschwankungen bewegt und diese Bewegung die Geräusche verursachte.“ Das Dach wurde inzwischen erneuert und trotzdem sind manchmal Geräusche von oben zu hören. Die Bewohner vermuten dahinter heute jedoch eher eine Marderfamilie, die den Dachboden bezogen hat.

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