"Errichtung eines privaten Reitplatzes im Zusammenhang mit der Nachnutzung einer erhaltenswerten Hofstelle" lautete ein Bauantrag, den der Gemeinderat Herdwangen-Schönach am 15. Januar ablehnte. Was so nüchtern klingt, sorgt bei Ulrike Keller für tiefe Erschütterung. Denn sie hatte bereits angefangen, diesen Platz zu errichten und der Information eines Bauunternehmens geglaubt, sie würde für das Vorhaben keine Genehmigung benötigen.

Das war aber keine Behördenauskunft. Die Freifläche liegt zwar bei der Hofstelle, aber außerhalb des Bebauungsplans und damit im sogenannten Außenbereich. Ulrike Keller hat keine Privilegierung, dort zu bauen. "Die Rechtslage lässt keinen Spielraum für eine andere Entscheidung", sagt Josef Waldschütz, Leiter der Bauverwaltung in Pfullendorf.

Ulrike Keller auf ihrem Traktor, den sie sich zur Bewirtschaftung des Hofs anschaffte.
Ulrike Keller auf ihrem Traktor, den sie sich zur Bewirtschaftung des Hofs anschaffte. | Bild: Privat

Die Geschichte nahm am 19. Oktober 2018 einen negativen Verlauf, als ein Vertreter der Baurechtsbehörde aus Pfullendorf einen Baustopp verhängte. "Ich war geschockt und habe sofort beim Transportunternehmen in Oldenburg angerufen, denn die Lastwagen mit Spezialreitsand waren quasi schon auf dem Weg nach Aftholderberg", erzählt Keller. Nach dem Baustopp reichte sie am 18. Dezember den Bauantrag auf dem Rathaus in Herdwangen-Schönach ein. Am 10. Januar lag die Stellungnahme aus dem Landratsamt vor, wonach die für die Genehmigung erforderliche Privilegierung nicht nachgewiesen werden könne. Am 15. Januar dann der nächste Schock für Keller in der Gemeinderatssitzung. Der Bauausschuss des Gemeinderats hatte vorgeschlagen, das Einvernehmen zu verweigern. In der Ratssitzung diskutierten die Gemeinderäte über die Problematik.

"Vom Landratsamt hat sich das keiner vor Ort angeschaut oder je mit mir gesprochen"

Bürgermeister Ralph Gerster stellte den Beschlussvorschlag, wonach die Gemeinde das Einvernehmen erteilen soll. Dieser wurde mit sieben Gegenstimmen, zwei Enthaltungen und zwei Ja-Stimmen abgelehnt. "Frau Keller trägt dazu bei, dass der Hof erhalten bleibt. Die Ortseinfahrt von Aftholderberg wurde durch sie verschönert. Diese Entscheidung ist für mich nicht nachvollziehbar und ich bin damit nicht zufrieden", kritisierte Gemeinderat Michael Rothweiler. Robert Streicher regte an, über den Erlass einer Ergänzungssatzung nachzudenken. Bürgermeister Gerster erklärte, dass dies dann die erste Ergänzungssatzung in der Gemeinde wäre, bei der es nicht um eine Wohn- oder Gewerbebebauung ginge. "Vom Landratsamt hat sich das keiner vor Ort angeschaut oder je mit mir gesprochen", bedauert Ulrike Keller die Ablehnung. Sie will weiterkämpfen, auch wenn sie gerade das Gefühl habe, vor einem Trümmerhaufen zu stehen.

Der 20 auf 40 Meter große Reitplatz sollte laut ihren Plänen als freier Sandplatz mit Kiesschicht und eben jenem Spezialreitsand ausgeführt werden. Seine Konturen sind schon gut erkennbar. Das Gelände hat sie in Teilen nivellieren oder aufschütten lassen, die Böschung wurde mit L-Steinen befestigt und aus dem Erdreich ragen Schläuche. Sie sind Teil einer geplanten Beregnungsanlage. Um Staubentwicklung zu vermeiden, sind sechs Beregnungsköpfe im Randbereich vorgesehen. Gespeist wird die Anlage aus einer großen Zisterne, die von Dachflächenwasser der Hofgebäude gespeist wird. Davon, so Keller, profitiere das öffentliche Kanalnetz, da weniger Abwasser eingeleitet werde.

20 Jahre auf das Ziel hingearbeitet

"Die Hofstelle ist ein Stück meines Lebenswerks. Ich habe 20 Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet. Wenn ich den Reitplatz nicht realisieren kann, ist das Pferdethema durch, den Turniersport müsste ich dann aufgeben", sagt Ulrike Keller traurig. Seit über 40 Jahren ist sie im Pferdesport als Springreiterin aktiv. "Wenn ich die Pferde nicht auf dem Reitplatz in Aftholderberg trainieren und ausbilden kann, muss ich sie mehrmals pro Woche im Pferdeanhänger zu meinem Bruder nach Owingen fahren. Aber das will ich den Tieren nicht auf Dauer zumuten – und mir auch nicht."

Bereits seit 2003 hat sie einen Teil der Hofstelle gepachtet. Ihre Pferde und Fohlen auf der Koppel gehören schon seit Jahren zum Ortsbild. Keller kaufte das Anwesen 2013 nach dem Tod der Vorbesitzer komplett. Um die Immobilie zu erhalten und die aufgegebene Landwirtschaft wieder zu aktivieren, hat sie schon viel Geld in die Hand genommen. Das Wohngebäude ist zurzeit vermietet, Keller nutzt aktuell diverse Nebengebäude. Im Stall stehen vier Pferde. "Ich bin seit über 20 Jahren als Pferdezüchterin im Oldenburger Zuchtverband eingetragen und die Pferde, die ich im Reitsport einsetze, stammen aus meiner eigenen Zucht", erzählt sie.

Bevor Keller mit dem Bau des Reitplatzes loslegte, hatte sie die Nachbarn mündlich und schriftlich über den geplanten Reitplatz informiert und sie zu ihrer Meinung dazu befragt. "Die Reaktionen waren durchweg positiv. Hier soll ja auch kein Reiterhof entstehen. Ich will keine fremden Pensionspferde einstellen. Der gesamte Hof und Reitplatz sollen ausschließlich der Haltung und Unterbringung meiner eigenen Pferde dienen", macht sie deutlich.

Seit 15 Jahren hält Ulrike Keller in Aftholderberg Pferde. Aktuell stehen vier Tiere im Stall.
Seit 15 Jahren hält Ulrike Keller in Aftholderberg Pferde. Aktuell stehen vier Tiere im Stall. | Bild: Kirsten Johanson

Pferde und Reiten sind für Keller keine vorübergehende Laune, sondern ein Hobby, das sie mit Leidenschaft betreibt, das zeitaufwendig ist, viel Kraft und Geld kostet. Der Pferdehof ist weder Gewerbebetrieb noch anerkannte Landwirtschaft, und doch schaffte sich Keller einen Traktor mit Frontlader und Anhänger an, stellt das Futter für ihre Pferde selber her, mistet, streut ein – sie kümmert sich mit großem Einsatz.

Keller stammt aus Owingen, wo sie auf einer Landwirtschaft groß wurde und heute eine Praxis für Physiotherapie hat. Der Vater war Pferdezüchter und Viehhändler. Bis zur Trennung von ihrem Mann lebte sie in Aftholderberg und möchte mit ihrem 14-jährigen Sohn Felix auch wieder dorthin ziehen.

"Hier greift Priviligierung nicht"

Die Baurechtsbehörde Pfullendorf leitete als nächsthöhere Behörde im Dezember nach Eingang des Bauantrags das Anhörungsverfahren ein, wie Amtsleiter Josef Waldschütz im SÜDKURIER-Gespräch bestätigte. Im Januar lag die Stellungnahme vom Fachbereich Umwelt- und Arbeitsschutz des Landratsamtes vor. Darin wurde festgestellt, dass das Bauvorhaben im Außenbereich gemäß Paragraf 35 des Baugesetzbuches genehmigungsfähig sei. Da es sich aber nicht um ein landwirtschaftliches, sondern um ein privates Vorhaben handelt, greift hier nicht die Privilegierung, die Landwirte genießen.

Waldschütz bestätigte auch, dass seine Behörde über die damaligen Bauaktivitäten von Ulrike Keller informiert wurde und man einen Baustopp verhängte. Auch die Naturschutzbehörde hat nach Angaben des Amtsleiters das Projekt abgelehnt. Desweiteren entspreche das Projekt nicht den Vorgaben des Flächennutzungsplans. Waldschütz machte deutlich, dass nach derzeitiger Aktenlage für Ulrike Keller keine Chance besteht, ihr Vorhaben zu verwirklichen. Ihr Pferdebetrieb sei ein Hobby und gelte nicht als landwirtschaftlicher Betrieb, da dieser nicht auf Nachhaltigkeit und Gewinnerzielungsabsicht angelegt sein. (siv)