Die Krone eines große Walnussbaums thront über dem Dach eines Gebäudes und seine Äste sind zwischen die Stromoberleitung gewachsen. Die Anfahrt mit einer Hebebühne, um die Zweige zu schneiden, ist nicht möglich. Da bleibt nur eine Möglichkeit: ein Baumkletterer. Der 21-jährige Forstwirt und Forstmaschinenführer Luka Hoschka kommt in solchen Situationen zum Einsatz. Er arbeitet hauptberuflich für Forst BW und nebenberuflich für die Firma Kramberg. Während seiner Ausbildung absolvierte er zusätzlich die entsprechenden Kurse der Münchner Baumkletterschule und hat nach erfolgreich absolvierter Prüfung die Zusatzqualifikation erlangt.

Viele Voraussetzungen zu erfüllen

Mit der Motorsäge arbeitet der Baumkletterer hoch oben im Walnussbaum.
Mit der Motorsäge arbeitet der Baumkletterer hoch oben im Walnussbaum. | Bild: Christl Eberlein

Neben körperlicher Fitness und der Erfahrung aus mindestens 300 Kletterstunden, ist auch psychische Belastbarkeit eine Voraussetzung für die Ausbildung zum Baumkletterer. Bringt man diese mit, kann man die Kurse zur Seilklettertechnik, Knoten, Bewegen im Baum und Retten belegen. Eine weitere Lehreinheit ist dem Umgang mit der Motorsäge im Baum und der Abseiltechnik von Stammstücken gewidmet. „Den Blick für den optimalen und gesunden Schnitt muss man allerdings selbst entwickeln“, sagt Luka Hoschka.

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Professionelles Know-How nicht im Internet erlernbar

Er hat bereits während seiner Schulzeit im Gartencenter und in der Baumschule gearbeitet und so schon früh ein Gefühl für Bäume entwickelt, was sich heute in seinem Beruf widerspiegelt, denn Baumklettern sei eben viel mehr, als nur Bäume entfernen und stutzen. Das professionelle Know-How lasse sich nicht in einem Internetvideo erlernen. „Unprofessionelle Baumarbeiten, die durch Videos im Netz verbreitet werden, können lebensgefährlich sein“, warnt der Experte.

Baumkletterer sind gefragt

Baumpflegeunternehmen, die ausschließlich Baumpflege, Kontrolle und Baumfällungen vornehmen, seien selten und daher stark ausgebucht, vor allem in der Hauptsaison im Winter. Baumkletterer sind also gefragt. Doch das war für Luka Hoschka nicht der ausschlaggebende Grund, um die Zusatzausbildung zu machen. „Man lernt den Baum genau kennen. Vom Boden oder von der Hebebühne aus hat man nur den Blick von außen. Direkt im Baum sieht man Schadstellen, Wachstumsfehler und die Struktur viel genauer und kann den Baum studieren, um ihn optimal zu schneiden“, beschreibt er. Zudem gehörten Bergsteigen und Klettern zu seinen Hobbies, die er als Baumkletterer zu seinem Beruf gemacht hat.

Sicherheitsmaßnahmen strikt einzuhalten

Während seiner Arbeit im Baum hängt Baumkletterer Hoschka sicher in den Seilen.
Während seiner Arbeit im Baum hängt Baumkletterer Hoschka sicher in den Seilen. | Bild: Christl Eberlein

Wenn er oben in den Ästen hängt, gibt es eine ganze Reihe an Sicherheitsmaßnahmen, die strikt einzuhalten sind, damit sich der Baumkletterer selbst und andere nicht in Gefahr bringt. Wichtiger Bestandteil seiner Arbeit ist die persönlichen Schutzausrüstung (PSA). „An der PSA hängt mein Leben. Sie gilt es zu hegen und zu pflegen“, erklärt der Baumkletterer. Dann müsse der Baum gründlich begutachtet und beurteilt und der höchste und sicherste Punkt festgelegt werden. An diesem sogenannten Ankerpunkt werden die Seile installiert, an denen der Baumkletterer hängt, solange er im Baum arbeitet. „Beim Baumklettern bewegt man sich aus der Baummitte mit gespanntem Kletterseil weg. Daher ist eine große Gefahr der Pendelsturz, also das Zurückschwingen Richtung Stamm. Bei Nässe oder vermoostem und mit Efeu bewachsenem Holz gibt es häufig brenzlige Situationen. Rettungsübungen sollten deshalb regelmäßig gemacht werden“, erklärt der Experte. Und ohne Team gehe zudem nichts, denn dann sei der Baumkletterer hilflos. Mindestens zwei Bodenhelfer seien sinnvoll. Einer davon müsse in der Höhenrettung ausgebildet sein.

35 Meter hohen Baum erklettert

Der Job von Baumkletterer Luka Hoschka ist also alles andere als einfach. Aber der 21-Jährige hat sehr viel Spaß an der Arbeit. Rund 35 Meter hoch war der höchste Baum, den er bisher bezwungen hat. Und selbst in breiten Bäumen mit ausladenden Ästen, bei denen das Klettern richtig schwierig sei, so Hoschka, bewegt er sich sicher zwischen den Zweigen. Nur wenn ein Baum instabil sei, dann sei auch die Seilklettertechnik und damit der Baumkletterer nicht einsetzbar. Anders bei dem Walnussbaum in Wald. Nach knapp vier Stunden hat Hoschka die Krone gestutzt und die Oberleitung von den Ästen befreit.

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