Die aktuelle Ausstellung in der Galerie im Fehlochhof zeigt die Retrospektive eines Künstlers, der während seines Schaffens in verschiedenen Techniken seine Meisterschaft zeigte. Detlef Willand aus Hirschegg im Kleinwalsertal verleiht seinen Motiven sowohl in der Zeichnung, der Radierung als auch im Holzschnitt eine große Lebendigkeit, Spannung und Atmosphäre. Reizvoll ist es, dass die Arbeiten nicht chronologisch angeordnet sind, wie bei einer Retrospektive üblich, sondern nach der Kraft ihres Zusammenwirkens.

Künstler ist von seiner Umgebung, den Bergen und der Kultur der Menschen im Kleinwalsertal geprägt

Die Holzschnitte, die aktuellste Technik Detlef Willands, sind in doppelter Weise von Geschichte geprägt. Zum einen liebt es der Künstler, wenn das Holz seine Gebrauchs- und Nutzungsspuren zeigt. Das kann der Deckel einer Obstkiste oder die Türe einer Waschküche sein, in die der Wasserdampf tiefe Rillen geformt hat. Die Strukturen des Holzes geben den ersten Impuls für das Motiv. Zum anderen prägt und inspiriert ihn seine Umgebung, die Berge, die Menschen und die Kultur des Kleinwalsertals, die er in seinen Arbeiten einfängt. Er wohnt selbst in einem stattlichen, alten Walserhaus, in dem seine Mutter früher ein Kinderheim führte. Von dort aus beobachtet er seit Jahrzehnten die Landschaft und registriert sensibel deren Veränderungen.

Die Zeichnungen von Detlef Willand, die unter anderem unterwegs entstehen, geben das Kraftvolle und manchmal auch Unberechenbare der Natur wieder.
Die Zeichnungen von Detlef Willand, die unter anderem unterwegs entstehen, geben das Kraftvolle und manchmal auch Unberechenbare der Natur wieder. | Bild: Isabell Michelberger

Figuren strahlen dynamische Spannung aus

Die Maserung des Holzes gestaltet die Fläche seiner Drucke. Die Linien, die er in der Technik des Weißlinienschnitts hervorhebt, verleihen den Figuren einen dynamischen Schwung und erzeugen Spannung. „Zuerst druckt er mit Schwarz und nimmt dazu die Druckpresse“, erklärt Galeristin und Künstlerin Brigitte Wagner. Bringe er noch weitere Farbe ins Bild, so streiche er das Blatt auf dem Holz mit der Hand ab, wodurch er bewusst farbliche Nuancen setze, deren Intensität er mit der Bewegung und dem Stärkegrad des Handdrucks variiere.

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Harmonie und humorvolle Details

Faszinierend sind ebenfalls die großformatigen Tuschezeichnungen aus den 1970er Jahren, die eine enorme dreidimensionale Wirkung entfalten. Darin bündelt sich das Schwarz geradezu zu Kraftzentren. Schaut man in der Nähe genau hin, dann lässt sich entdecken, dass das Bild aus lauter Punkten besteht, die mit Feder und Tusche aufgetupft sind. Trotz der dynamischen und dreidimensionalen Komponente strahlen die Bildmotive eine Harmonie aus, die Willand teilweise mit humorvollen Details vervollkommnet.

Auf einer Zeichnung sitzen zwei dickbäuchige, dralle Seeungeheuer nebeneinander und füllen den gesamten Vordergrund aus, während am oberen Bildrand zarte Seerosen zu vermuten sind, die dem Motiv die Schwere nehmen und ein spielerisches Element einfügen. Von diesen gepunkteten Bildern gibt es nur noch vereinzelte, da damals ein Großteil verkauft und fast sein gesamtes Werk bei einem Hausbrand vernichtet wurde.

Jede Arbeit als kleines Abenteuer für den Betrachter

Dynamik und Kraft steckt ebenso in den Skizzen. Der Betrachter spürt regelrecht die Macht der Berge und die unterschiedliche Farbwirkung von Berg und Tal in den verschiedenen Jahreszeiten. Ist Detlef Willand unterwegs, hat er immer sein Skizzenbuch dabei. „Er spricht mit dem, was ihn umgibt“, so umschreibt Brigitte Wagner Willands Prozess, sich ein Motiv anzueignen.

Neben Großformatigem schuf Detlef Willand auch kleine, reizvolle Radierungen.
Neben Großformatigem schuf Detlef Willand auch kleine, reizvolle Radierungen. | Bild: Isabell Michelberger

Er hinterfrage das, was ihn umgibt. Er lese, bohre, grübele und wandere, um Erklärungen zu finden, die er künstlerisch bearbeite. Jede Arbeit sei ein kleines Abenteuer für den Betrachter, der die Schönheit der Landschaft genießen, die Eigenart der Menschen, die typische landschaftliche Prägung des Menschen erfahren könne.