Als vor einigen Wochen das Kegelstüble in Denkingen schloss, war die Bestürzung groß. Hinzu kam die Trauer um den Wirt, der einen Tag später starb. Was jetzt aus der traditionellen Gaststätte wird, ist offen. Bereits 2016 hatte die bislang in Konstanz ansässige Apostolische Lebens- und Dienstleistungsgemeinschaft "Kingdom Impact" das seit fast drei Jahren leerstehende Gasthaus Adler gekauft und in ein Bildungszentrum umgebaut.

Die Speisekarten sind abgehängt, die Kegel bleiben stehen: Das „Kegelstüble“ hat geschlossen. Ein Wiedereröffnung ist nicht in Sicht.
Die Speisekarten sind abgehängt, die Kegel bleiben stehen: Das „Kegelstüble“ hat geschlossen. Ein Wiedereröffnung ist nicht in Sicht. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Denkingen vollkommen ohne Gasthaus? Ganz so ist es nicht. In Straß, einem Ortsteil der früher selbstständigen Gemeinde Denkingen, gibt es das Gasthaus zum Hirschen. Birgit Stadler steht im Gasthaus hinter dem Tresen und in der Küche. Die 47-jährige gelernte Köchin ist mit Leib und Seele Wirtin. Sie hat früher schon in der Gastronomie gearbeitet und vor einigen Jahren das Gasthaus von der Mutter übernommen. "Ich kann mich über mangelnde Gäste nicht beklagen", sagt sie. Vier Feuerwehren und zahlreiche Vereine gehören zum Stammpublikum. Als im vergangenen Jahr der Windpark im nur wenige hundert Meter entfernten Hilpensberg in Betrieb ging, seien viele Leute gekommen, um sich den Start anzusehen. Einige von ihnen kamen zum Essen und Trinken ins Gasthaus zum Hirschen, den Stadler jetzt in der dritten Generation führt. Für die Nachfolge hat sie bisher keine Lösung gefunden. "Ich mache das, so lange es geht", sagt sie lachend und hofft, dass es wirklich noch lange so sein wird.

Birgit Stadler ist mit Leib und Seele Wirtin. Den "Hirschen" in Straß hat sie von den Eltern übernommen.
Birgit Stadler ist mit Leib und Seele Wirtin. Den "Hirschen" in Straß hat sie von den Eltern übernommen. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Auch im Landgasthof Adler in Aach-Linz hat eine Wirtin das Sagen. Seit 18 Jahren ist Irmgard Schraudolf für ihre Gäste da. Veranstaltungen und Familienfeiern, das legendäre "Schlachtplattenbuffet" und auch die Fremdenzimmer sorgen dafür, dass immer genug zu tun ist. "Das hier ist eine Gaststätte, wie man sie braucht", sagt Klaus Matt beim Stammtisch. Ohne eine Dorfgaststätte würde ein Stück Lebensqualität fehlen, ist man sich am Stammtisch einig, während sich Birgit Gröner ein Schnitzel mit Salat bestellt. "Gut bürgerlich" sei ihr Speisenangebot, sagt die Wirtin und geht in die Küche.

Im Restaurant Aura in Aach-Linz gibt es zwei Speisekarten. Eine für die gehobenere italienische Küche und eine, die der einer Osteria entspricht: "Einfachere Gerichte für den nicht so großen Geldbeutel", erklärt Billy Krug schmunzelnd, der in seiner Küche, die von den Gästen eingesehen werden kann, gerade ein Stück Fleisch auf einen heißen Stein legt. Etwa 15 Familien kommen immer wieder zu ihm, sagt der Koch. Zudem kommen viele Gäste aus der Bodenseeregion. Seit 2015 betreibt er das Restaurant direkt an der Durchgangsstraße in Richtung Überlingen. Auch viele Geschäftsleute zählen zu seinen Gästen. Außer geschälten Tomaten gibt es bei ihm nichts aus der Dose. Er setzt auf regionale Produkte. Gemüse holt Billy Krug beim Stand vor dem ehemaligen Gasthaus Löwen. Dort steht auch Witiko Mayer mit einem Imbisswagen, der aber nur als Provisorium dient. In einigen Monaten soll das Gasthaus Löwen wieder eröffnen. Dann wird der neue Inhaber Cyriel Bekkers am Herd stehen und auch die in Holland so beliebten "Pannekoeken" (Pfannkuchen) in den Linzgau bringen. Derzeit laufen die umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten.

 

Hadice Ugur, Billy Krug und Jasmina Retiz verwöhnen im "Aura" ihre Gäste.
Hadice Ugur, Billy Krug und Jasmina Retiz verwöhnen im "Aura" ihre Gäste. | Bild: Karlheinz Fahlbusch
In einigen Monaten soll der "Löwen" in Aach-Linz wieder öffnen. Bis dahin hält Witiko Mayer mit einem Imbisswagen die Stellung.
In einigen Monaten soll der "Löwen" in Aach-Linz wieder öffnen. Bis dahin hält Witiko Mayer mit einem Imbisswagen die Stellung. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Junge Otterswanger schätzen im Kehlbachstüble vor allem die "Monsterburger". Adrian Jurubita arbeitet hauptberuflich als Chirurg im SRH-Krankenhaus in Pfullendorf. Gemeinsam mit seiner Frau Florentina haben die beiden viel investiert, als sie 2016 die Gaststätte mit vier Kegelbahnen gekauft haben. Im April werden sie allerdings schließen. "Nicht, weil nichts läuft", wie der Wirt versichert, sondern weil er sich beruflich verändert und dann am Bodensee arbeiten wird. Zudem sind die Jurubitas Eltern geworden. Seiner Frau allein will er die Arbeit nicht zumuten. Adrian Jurubita ist bereits in Verhandlungen mit möglichen Pächtern. Ob es dann weiterhin die so beliebten Gerichte geben wird, ist fraglich.

Adrian Jurubita und seine Frau Florentina bieten im Otterswanger Kehlbachstüble auch vier Kegelbahnen.
Adrian Jurubita und seine Frau Florentina bieten im Otterswanger Kehlbachstüble auch vier Kegelbahnen. | Bild: Karlheinz Fahlbusch

Stammtisch am Sonntagmorgen

Im Landgasthaus Frieden in Mottschieß gibt es zwar keine Speisekarte, Wurstsalat und hausgemachtes Vesper aber schon. "Und das langt auch", sagen die Wirtsleute Marie-Luise Baur und Ernst Munz. Munz führt das Gasthaus seit 1978. Donnerstag ist laut Munz Hauptstammtischtag, doch auch am Sonntagmorgen besuchen viele den Stammtisch. Die meisten Herren kommen aus Schwäblishausen. "Wir müssen nämlich um 12 Uhr beim Essen zu Hause sein und der Sternen macht erst um 11.30 Uhr auf", sagen die Wirtsleute.

Der Landgasthof zum Sternen in Schwäblishausen ist ein hübsches Restaurant in einem alten Fachwerkhaus. Die Wirtsleute betreiben die Gastronomie und die Fremdenzimmer eher als Hobby und versorgen Stammgäste mit Essen. Nur im Stadtteil Großstadelhofen gibt es keine Wirtschaft mehr. Der Dorfkrug hat seit vielen Jahren geschlossen. Ebenso die Gaststätte Kreuz in Zell, das aber zu Schwäblishausen gehört.

Geschichte

Nur selten geht ein Gasthaus in die Geschichte ein wie der ehemalige Dorfkrug im Pfullendorfer Ortsteil Großstadelhofen. Am 25. März 1956 verhandelte dort der Gemeinderat von Pfullendorf mit Landwirten wegen Überlassung eines Geländes für einen Truppenübungsplatz. Ohne diesen Platz wäre der Bau der Kaserne in Pfullendorf nicht möglich gewesen. Die Verhandlungen müssen sehr intensiv und lang gewesen sein, denn die Zeche betrug rund 205 Mark und wurde von der Stadtkasse übernommen.

Aus der Stadt kamen auch die Steine für das Landgasthaus Frieden in Mottschieß. Am 5. März 1844 wurde der Turm vom Gebsentor der mittelalterlichen Stadtbefestigung zum Abbruch verkauft. Aus den Steinen wurde dann der das Gasthaus gebaut. (kf)