Die Zeiten, in denen eine Beerdigung zwingend auf dem kommunalen und kirchlichen Friedhof erfolgen musste, sind vorbei. Die Friedwälder in der Region bieten seit einigen Jahren eine attraktive Alternative zum Friedhofs-Einheitsgrab. Einer dieser Friedwälder gehört dem Haus Fürstenberg/Donaueschingen und befindet sich auf der Gemarkung des Meßkircher Stadtteils Heudorf. Am Wochenende hatte Revierleiter Wolfgang Hafner zu einer Informationstour durch das Ruhewaldgelände eingeladen. Sieben Interessierte beteiligten sich an dem Rundgang. Im Jahresdurchschnitt finden im Heudorfer Friedwald rund 80 Beerdigungen statt, wie Hafner während des Rundgangs erläuterte. Der Waldfriedhof ist für alle Menschen offen, egal welcher Glaubensrichtung oder Grundüberzeugung. Beispielsweise liegt es völlig in der Entscheidung des Verstorbenen oder seiner Angehörigen, ob der Verstorbene auf einer Metallplatte am Baum namentlich erwähnt wird oder nicht. Eine eigentliche Grabpflege ist nicht erforderlich. Für die Offenhaltung der Wege und Grabplätze rund um die Bäume ist die Forstverwaltung zuständig.

Bänder kennzeichnen die Bäume

Wer zum ersten Mal einen Friedwald besucht, wird auf den ersten Blick kaum einen Unterschied zu einem „normalen“ Wald entdecken. Erst auf den zweiten Blick fallen die Fußwege auf, die vom Hauptweg in den dichten Pflanzenbewuchs abzweigen. Diese Wege ziehen sich nicht einfach wie Kanäle schnurgerade durch den Wald. Es gibt Biegungen und Sitzmöglichkeiten. Es sind interessante Spazierwege, die von vielen Besuchern auch als solche genutzt werden.

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Dann fallen dem Besucher die robusten Baumstämme auf, an denen blaue oder gelbe Bänder dem sachkundigen Friedwaldbesucher etwas signalisieren. Wer den Informationsrundgang mit Wolfgang Hafner mitgemacht hat, kennt die Bedeutung der Bänderfarben. Blau kennzeichnet einen „Familien-Freundschaftsbaum“ und die gelbe Borte kennzeichnet einen „Gemeinschaftsbaum“.

Vor allem Rot- und Weißbuchen sowie Ahornbäume

Förster Wolfgang Hafner führte die kleine Gruppe durch den Ruhewald beim Meßkircher Stadtteil Heudorf. Das gelbe Band kennzeichnet einen sogenannten „Platzbaum“.
Förster Wolfgang Hafner führte die kleine Gruppe durch den Ruhewald beim Meßkircher Stadtteil Heudorf. Das gelbe Band kennzeichnet einen sogenannten „Platzbaum“. | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

In einem Friedwald spielen die Bäume naturgemäß eine wichtige Rolle. Das sind in Heudorf meist mächtige Laubbäume – Rot- und Weißbuchen, Ahornbäume und vereinzelt auch Ulmen, Eichen und Kastanien. Wer sich einen Platz unter einem solchen Baum kauft, kann sich „seinen“ Baum bereits zu Lebzeiten aussuchen. Hafner: „Es sind aber auch Beerdigungen möglich, bei denen sich die Angehörigen für einen passenden Baum entscheiden müssen.“ Es gibt insgesamt vier friedwaldspezifische Baumarten. Das sind neben den erwähnten Familien-Freundschafts- und Gemeinschaftsbäumen Sternschnuppen- und Basisbäume. Der Friedwald-Förster führt in diese spezielle Baumkunde ein: „Jemand kann für sich, seine Familie und sogar für die Enkel einen Familienbaum kaufen.“ Unter diesem Baum können dann nur die sterblichen Überreste der Familienmitglieder beigesetzt werden. Hafner: „Der Käufer kann auch eine Vereinsgruppe oder ein Freundschaftsring sein.“ Auch diese sind nur der bestimmten Gruppe vorbehalten.

Christine Halder, Rohrdorf: „Ich war mit meiner Tocher dabei, weil wir uns für Details interessierten.“
Christine Halder, Rohrdorf: „Ich war mit meiner Tocher dabei, weil wir uns für Details interessierten.“ | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Beerdigungszermonie nach eigenen Wünschen

Anders sieht es mit den Grabplätzen bei den gelb markierten Bäumen aus. Hier kann man für sich und beispielsweise für den Lebenspartner einen Grabplatz erwerben. „Allerdings gibt es hier kein Mitspracherecht darüber, wer links oder rechts bestattet wird“, ergänzt Hafner zum Unterschied. Der Einzugsbereich für die preisgünstigen Basisbäume ist zur Bestattung für Menschen bestimmt, die keine Angehörigen haben oder nicht viel Geld besitzen. Der Friedhofsförster bestimmt die Grabstätte. Völlig kostenlos ist der Grabplatz für ein Kleinkind unter drei Jahren bei einem „Sternschnuppenbaum“. Zu den Kosten für den Grabplatz kommen in jedem Fall noch 350 Euro Beisetzungsgebühr. Darin enthalten ist die ökologisch abbaubare Urne. Die Beerdigungszermonie kann nach den eigenen Wünschen des Verstorbenen oder der Angehörigen gestaltet werden: ob religiös oder nicht, ob im Kreis der Familie oder mit einem Trauerredner, ob mit oder ohne Musik.

Georg Kränkel, Sentenhart: „Ich habe bei der Führung alles erfahren, was ich wissen wollte.“
Georg Kränkel, Sentenhart: „Ich habe bei der Führung alles erfahren, was ich wissen wollte.“ | Bild: Steinmüller, Hermann-Peter

Abstand zum Bezugsbaum notwendig

Die Grabstellen werden in einem deutlichen Abstand von dem Bezugsbaum ausgewiesen. Zur Begründung erläutert der Förster, dass bei Sturm mit einem umgewehten Baum nicht die Wurzeln auch noch Urnen an die Erdoberfläche befördern können.

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